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LYRIK Otto Erich Hartleben - Poetische Werke 160

Otto Erich Hartleben (1864-1905)

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Poetische Werke 160

Der Abenteurer

Hier ist das Land. So rudert denn den Kahn zurück
und meldet den Gefährten: Ich betrat mein Reich,
als Fürsten sehen sie mich wieder oder nie. –
Was steht ihr noch und zaudert? Laßt mich nun allein,
allein mit meinem guten Schwert und meinem Roß –
nun werb ich in der Fremde mir die eigne Schar.
Lebt wohl! – Dem wandelbaren Meere kehr ich heut
den Rücken zu, mein Auge sucht die Burgen auf,
in deren Mauern sich der Feige sicher fühlt.
Mein Auge sucht am Horizonte seinen Feind.

Der Huftritt meines Rosses klingt an morsch Gebein,
an Menschenschädel – mich zu schrecken sind sie wohl
vom Schicksal auf des Reiches Schwelle ausgestreut?
Zerstampfe sie, mein Schwarzer, stampfe über sie hinweg:
Sie waren nicht, der ich bin – darum fielen sie.
Von reifen Früchten

Von reifen Früchten träumt ich eine volle Nacht,
von goldigen im dunkel üppigen Gebüsch.

Am Berge war es, unter altem Mauerwerk,
und Duft und Sonne glühten da in Heimlichkeit.

Von gelben Marmorschwellen rieselte müd ein Quell
und eine Nymphe lauschte dem leisen Tropfenfall
und fing die kühlen Perlen mit der offnen Hand . . .

Von reifen Früchten träumt ich eine volle Nacht.

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OPERONE