L Y R I K
LYRIK Otto Erich Hartleben - Poetische Werke 124

Otto Erich Hartleben (1864-1905)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 124

Alte Zeiten sah der Erde Antlitz.
Ungezählt durchmaß des steten Tages
Glanzesbahn das rollende Rad der Sonne –
dennoch ewig

scheint uns jung und frisch der Frühlingsmorgen,
wenn der Feind der Nächte, strahlgewappnet,
seinen Lichtspeer schleudert über dunkler
Wolken Wälle.

Ewig jung – wie oft entzückten Augen
sich erschlossen auch die Rosengärten –
ewig bleibt sie jung die Lust der Seele.
Lieben – leiden –

aller Wesen nievergeßnes Wollen
Nimmer ehrt der Kampf mit diesem Zwange,
nimmer wird der Mensch, wie sehr er strebt, den
Kampf vollenden.

◀◀◀ ▶▶▶

OPERONE