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Heinrich Hart (1855-1906) - Gedichtzeilen

Heinrich Hart (1855-1906)

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Gedichtzeilen

  1. Aber erbarmungslos
  2. Abwerf' ich all' mein Mühen
  3. Ach könnt' ich fassen,
  4. Ach welch Hoffen, ach welch Sinnen,
  5. Ach Weltgeist, ohne Dich ring' ich vergebens,
  6. All Deine Pracht umspannt, all Deinen Wahn ...
  7. All' sind wir eines Baums Getrieb,
  8. Alle Kluft war überbrückt.
  9. Alle Sehnsucht nach des Schönen
  10. Alle Sehnsucht schier erblich,
  11. Alle Sorge sollte schwinden,
  12. Allem Erdenstaub entrückt.
  13. Allen Staub von unsrer Stirn.
  14. Alles hinschleudern darf
  15. Allwaltende Weltmacht,
  16. Allweg hebt Streit sich ehern auf vom Roß,
  17. Allweg kriecht Elend wie ein ekel Gift,
  18. Allweg weicht Einer scheu dem Andern aus,
  19. Als läg' sie abgeschieden –
  20. Als Treue, die im Dienst der Menschheit strebt –
  21. Am Mahle der Lebenden,
  22. Auf des Dampfes Sturmesflügeln
  23. Auf die Erde, auf die Braut,
  24. Auf die Herzen der Armen,
  25. Auf ihres Nackens Weiß.
  26. Auf Leben und Tod Genossen,
  27. Auf vom Schlafe fährt das Land.
  28. Auf, folge mir, ich löse was Dich zwängt.
  29. Auf, ihr Männer, Opfergluthen
  30. Auf, vorbei ist Nacht und Traum.
  31. Aufbrandend in Gewittern, sturmdurchsaust.
  32. Aufschreckt vom Schoß des Buhlen
  33. Aufsprießt der Blüthen Schönste, Gottgenährt,
  34. Aufwallten blutige Nebel aus der Wunde,
  35. Aug' in Auge
  36. Aus allen Poren
  37. Aus allen Tiefen klingt es dumpf und wirr –
  38. Aus blanken Römern schoß der Wein,
  39. Aus Deinem Wipfel klingt es wie Geläut:
  40. Aus der Hand sänk' mir das Steuer,
  41. Aus Dir entquillt der Tag, aus Dir die Nacht,
  42. Aus einem Stamm entsprossen,
  43. Aus meinen Worten sprüht ein Funke nur
  44. Bald möcht' in Thränen
  45. Bald rauschen durch die Wüste tausend Quellen,
  46. Bald trotzig Wähnen
  47. Barmherzigkeit sei Mutter eures Ruhms.
  48. Begehrt' ich Ruhm, begehrt' ich Macht,
  49. Berghohe Feuer wuchsen auf im Thal.
  50. Beschattet von der Wimpern breitem Kranz,
  51. Bin ich durch Dich, so nimm als Opfer hin
  52. Bis aus des Wassers morgenkühlem Schoß
  53. Bis dahin Geist, der auf zur Gottheit leitet.
  54. Bis dahin Kämpfen und kein schmerzlos Heil
  55. Bis dahin Kraft, die sich die Welt erstreitet,
  56. Bis dahin Liebe, die den Haß gebiert
  57. Bis dahin Tod, der sich mit Leben schminkt
  58. Bis in den Hafen fährt der Ewigkeit
  59. Blick auf zu mir und frage; was Du siehst,
  60. Blüht Hellas in der Abendsonne Gold.
  61. Blüht's wie Duft das Thal entlang.
  62. Boten aller Völkerschaaren –
  63. Breitet weit die Arme aus,
  64. Breitfächernd wuchert rings der Farrenwald,
  65. Da dehnte bebend sich mein Zimmer aus,
  66. Da hör' ich einmal noch traumfernen Laut:
  67. Da lag die Welt, ein Wasser, breit und klar,
  68. Da Niemand tröstet
  69. Da steigt vor mir empor Haupt und Gestalt,
  70. Da strömte leuchtend mir ins Herz die Lust,
  71. Da zuckt ein Blitz, da fällt ein Schuß,
  72. Dann finde ich Frieden.
  73. Dann kommt ein Tag, blaß wird der Sonne Glanz,
  74. Dann werden mit brennenden Lettern
  75. Dann werden wir Balsam bringen
  76. Dann wird es Licht, von Sonnenglanz ein Strom
  77. Das all ist Tand und Schall,
  78. Das Aug' wird hell, die Finsterniß zieht fort
  79. Das Aug' zerfließen,
  80. Das Auge heben darf, den Sonnenfernen!
  81. Das Buch der Sterne seh ich aufgethan,
  82. Daß der Mensch zum Gotte werde
  83. Das die Menschheit verkettet,
  84. Das eine macht mich müde,
  85. Das grinst mich an aus jedem Aug'
  86. Das Große ist die Liebe, die uns eint,
  87. Das Herz verschließen.
  88. Das Ich gebiert es; eurem Ich zu lieb
  89. Das Ich ist eurer Sünden Quell allein;
  90. Daß ich wisse,
  91. Daß ihr ein Ganzes seid, Samen eines Weibes,
  92. Daß ihr mich hörtet all zur selben Stund.
  93. Daß ihr mich hörtet, Hütte wie Palast. –
  94. Das ist das Große, ihr verhehlt's euch nicht,
  95. Das ist es, was den Bann des Ichs durchbricht.
  96. Das Leben ist der Tod.«
  97. Das Lied der Menschheit – ja, es sei gewagt,
  98. Das löscht am Himmel Licht und Tag,
  99. Das Meer barst auf mit dumpfem Donnerhall
  100. Das Mitleid, das den Weinenden beweint,
  101. Das nicht mein Gold berückt!
  102. Daß nicht Wasser und nicht Lüfte,
  103. Das tiefrem Schoß, als Sonnenglanz entbricht!
  104. Das von dem Baume flattert, sturmesmatt,
  105. Daß wie aus Welten Gott erwächst, so ihr
  106. Das zehrt die letzte Ruh, –
  107. Dein Fuß des Erdreichs Kern, kein Sturmwind rückt
  108. Dein Haupt trinkt Himmelsglanz, gen Ost und West
  109. Dein ist die Kraft, ich bin Dein Eigenthum,
  110. Dein Wort wühlt wie mit Flammen durch mein Herz,
  111. Dem Abgrund schwelte grau Gewölk entlang
  112. Dem nicht die Sündfluth droht –
  113. Dem unersättlich lüsternen,
  114. Dem Urgewässer blassen Haupts enttauchend.
  115. Den Arm umpreßt mir eine Hand von Erz,
  116. Den breiten Rücken hell von Schnee bedeckt.
  117. Den Deiner Seele dumpfer Schrei entbot;
  118. Den Hauch, der von den Sternen niederdringt.
  119. Der Bach zum Strom, der Strom zum Meer –
  120. Der Boden wankt und schüttelt seine Last.
  121. Der Botschaft bringt, daß eure Sehnsucht wahr,
  122. Der Bursch springt auf und stößt die Faust
  123. Der Du nicht Eiche bist, doch wohl ihr Mark,
  124. Der Du nicht Rose bist, doch ihre Pracht,
  125. Der Du nicht Stein bist, doch des Steines Kraft,
  126. Der Erde Nieren und der Winde Bahn,
  127. Der ewigen Schönheit ward ich mir bewußt
  128. Der Ewigkeit, gerichtet und doch Richter,
  129. Der Geschichte rauschenden Blättern,
  130. Der Glaube, daß kein ander Wirken lebt,
  131. Der Gluth, die mich umwogt auf Deiner Spur,
  132. Der ihn mit Gott, dem Kern des Alls verband,
  133. Der Keim des Lebens stieg, gestaltengroß.
  134. Der Keim, in dem des Lebens Fülle ist.
  135. Der Liebe Sehnsucht ganz allein.
  136. Der Lippen erzne Klammer schließt sich auf,
  137. Der Menschen Herz freut sich an Schein und Spiel,
  138. Der Menschen Thun spinnt Fäden wirr und kraus,
  139. Der Menschheit ganzes Treiben rauscht empor,
  140. Der Menschheit Nahrung seid, und lebt in ihr.
  141. Der Menschheit Seele bin ich, Ahasver.
  142. Der Mond, aufzischend, wirbelnd, nebelrauchend,
  143. Der Stolz, der aus ihr athmet, lebensstark.
  144. Der Sünder und Buhlen –
  145. Der Tod besiegt das all.
  146. Der Tod,
  147. Der Völker Werden gibt ein Blick mir kund,
  148. Des Erdenschicksals und Du Herzergründer,
  149. Des Führers Ruf, des Händlers Stimme gellt,
  150. Des Geistes Wirken und der Schöpfung Streben.
  151. Des Lebens Fülle wogt in meinem Blut,
  152. Dich Gotteskraft, die Niemand nennen kann,
  153. Die Adern emporschwellt, –
  154. Die Augen Blitz, die Stirne gluthumlaubt.
  155. Die Dirne reißt er dann empor,
  156. Die Dirne stürzt zur Thür und schreit,
  157. Die einen blaß, die andren lichtumthaut,
  158. Die Euphratstadt, ein Drachenleib von Stein,
  159. Die Fenster auf! und kühl und scharf
  160. Die Frage ist's, die tolle Frag',
  161. Die große Stunde flieh' sie länger nicht,
  162. Die ihr heiliget die Triebe,
  163. Die in mir lodert,
  164. Die kampfmüde Seele –
  165. Die Kern und Schale hält in enger Haft.
  166. Die Kinder, die am Wege
  167. Die leichtgeschürzte Dirn,
  168. Die Liebe hatte aufgezehrt sein Ich,
  169. Die Liebe, drin der Strom der Zeiten mündet.
  170. Die Luft ging schwer, die Ampel warf
  171. Die Menschen sind wie Blumen auf dem Rain,
  172. Die Nacht versank, es wich des Todes Bann
  173. Die Natur zu unsern Füßen –
  174. Die noch keimen, von den Feldern
  175. Die noch schlafen, aus den Wäldern
  176. Die Schaaren sich, mit flammenden Gesängen
  177. Die Schlange Neid reißt von der warmen Brust.
  178. Die Seele versengen.
  179. Die Sonne rafft sich auf zu grimmem Kampf,
  180. Die Sonnendurstige.
  181. Die Sterne sind entglommen,
  182. Die Straßen schlummern mählig ein.
  183. Die uns ziehn und niederwinden,
  184. Die unter eurer Hoffart Asche ruht.
  185. Die Vögel und es neigen
  186. Die Welt ist nichts als Form, in der Du prägst,
  187. Die Welt ist so voll Frieden,
  188. Die Winde, die da wehen,
  189. Die wir einst so stolz gekrönet –
  190. Die Wolken, die da gehen,
  191. Die Wurzeln von Granit und gluthgeleckt,
  192. Dies Glas sei ihm gebracht.
  193. Doch ach bin ich's, bin ich's, der zu den Sternen
  194. Doch aus euch wird auferstehen
  195. Doch dem Aar gleich, der geblendet
  196. Doch ein Kranz von duftigholden
  197. Doch ein Kranz von duftigholden
  198. Doch eines vergönn' mir,
  199. Doch in der Tiefe schnaubt des Feuers Dampf,
  200. Doch jetzt erkenn' ich klar und fühl' es tief,
  201. Doch nicht von Glut, von Sternenschein umwallt,
  202. Doch Schmerz durchwühlt mich, laut schreit auf mein Mund:
  203. Doch zwiefach unsre Kraft.
  204. Dort hängt am Kreuze, den die Welt verflucht.
  205. Dort in die Sümpfe wühlt sich klammernd ein
  206. Dort siech von Hunger, eisumschauert steht
  207. Drauf die Knechtschaft wuchernd stand.
  208. Dringt der Geist zum Sternenhag.
  209. Dringt wie ein Quell in alle Welt, –
  210. Drum verschmolz mit Gott sein Ewiges sich.
  211. Du bist der Donner, Du des Frühlings Pracht,
  212. Du bist der Schooß, der rings die Welt geboren,
  213. Du bist des Baumes Saft, das Blut der Poren,
  214. Du bist die Flamme, die den Kampf entzündet,
  215. Du des Erlösers und der Kreuzesqual!
  216. Du fühlst in mir, was sich zu opfern wagt.
  217. Du geh und künde was Du heut gesehn,
  218. Du göttlich Feuer, das die Welt durchweht.
  219. Du grüne Eiche, schwellend von Geäst,
  220. Du hörst in mir der Liebe Allgebot.
  221. Du kämest zu mir.
  222. Du lebtest mit mir.
  223. Du neigtest Dein Herz.
  224. Du ruhst nicht, bis ich schlackenlos verklärt.
  225. Du siehst in mir ins Herz der Welt hinein.
  226. Du tränke mich vom Borne Deines Lebens!
  227. Du trinkst der Liebe, du der Lust –
  228. Du zehrst an mir, wie Glut an Eisen zehrt,
  229. Dumpf wälzt es sich heran, eisstarre See,
  230. Durch das Herz geht ihr ein Beben,
  231. Durch Deine Blätter rauscht ein Frühlingstraum,
  232. Durch Liebe finden Frieden,
  233. Durch meine Seele rauscht der Sphären Hall.
  234. Durch Steppenöde, heut am Strom einher
  235. Eh ich Dich kannte; ach ich wollte fliehn,
  236. Eh ich dies Ich getödtet oder mich
  237. Eh mir im Kampf des Lebens Sieg verliehn,
  238. Eidechsen flattern, schwarzer Wolke gleich.
  239. Ein feuchter Dunst verhängt des Himmels Blau
  240. Ein gähnend Grab klafft Land und Wasser auf,
  241. Ein Grab, das Schatten wesenlos umhüllt.
  242. Ein Hauch in fieberkranker Brust,
  243. Ein Kranken an dem Ich ist euer Sein.
  244. Ein Lieben ohne End', –
  245. Ein Lied, das wogend wie der Ocean
  246. Ein Quell, zwei Ströme, ein Lauf.
  247. Ein Schrecken faßt mich, meine Seele bebt
  248. Ein See in grüner Einsamkeit.
  249. Ein Seher ist euch Noth, ein Sonnenaar,
  250. Ein Sturmwind rüttelt an des Felsens Bug
  251. Ein Traum vom Ichthum, voller Fieberpein,
  252. Ein weicher Mantel zieht Gewölk herauf.
  253. Ein Weizenkorn, Du sä'st es in das Land,
  254. Einig mit zwiefacher Kraft, –
  255. Einig, einig voll Vertrauen,
  256. Einöde, grenzenlos, nackt, blank wie Stahl,
  257. Eins aber quält mich hier.
  258. Eins, eins sei unser Streben,
  259. Einsam, einsam
  260. Einst aber wie ein Blitz durchfuhr's das All,
  261. Einst war die Welt ein endlos tiefes Meer
  262. Endlos erzeugende, Dich ruf' ich an.
  263. Er ruft's und wie am Grabe
  264. Er sprichts und Finsterniß ruht nah und fern,
  265. Erd' und Himmel zu vermählen,
  266. Erde saugt den Himmel ein.
  267. Erschauernd horcht die Blume, horcht das Reh –
  268. Erstarrte mir Hirn und Blut, –
  269. Es kommt ein Morgen, der die Welt erneut.
  270. Es werde zum Glied,
  271. Euch durch den Flammenbrodem dieser Zeit
  272. Euch lauernd gegenüber, jeder wägt,
  273. Euch schmückt ja Milde, wie die Knospe Thau.
  274. Euch such' ich in der Urwelt Einsamkeit,
  275. Euch, meiner Mutter Kinder, eure Spur
  276. Euer Schoß gebiert das Licht,
  277. Eure Flammen löschen nicht.
  278. Ewig neu die goldne Welt.
  279. Fahr' zur Hölle Macht und Lug.
  280. Flammen leuchten durch die Ferne,
  281. Fluch diesem Leibe,
  282. Fort schleudr' ich alle Hoffnung, all' Vertrau'n,
  283. Fort, fort, ihr Bilder
  284. Franklin, sein Aug' nur spricht ein letzt Gebet
  285. Fried' und Freude schleicht verlassen,
  286. Frühlingsrosen schmückt dein Haar.
  287. Frühlingsrosen schmükt dein Haar.
  288. Fühlt sie nicht andren Lichtes Widerschein?
  289. Für uns ernstwebend schafft:
  290. Gab ich ihm neues Ichthum, neue Gier.
  291. Ganz verwundet, ganz zerschlagen,
  292. Genossen dieser Nacht.
  293. Gespenstig Trümmerfeld; Berg wird zu Thal
  294. Gesunden muß ich von des Ichthums Noth,
  295. Gleich blüht euch auf des ganzen Lenzes Flor.
  296. Gleich hat Natur uns Alle lieb,
  297. Gleich rauscht hernieder ewige Feierzeit.
  298. Gleich Speer- und Schwertglanz leuchtete die Runde
  299. Glühend braust's in tausend Seelen,
  300. Glüht auf des Morgens Strahl.
  301. Goldne Ketten!« jauchzt der Knecht.
  302. Gott führt euch weiter, – auf, wacht auf, wacht auf. –
  303. Gräbt in den Stein sich, wurzelt, keimt und ährt ...
  304. Hält plötzlich alles Ruh, –
  305. Harren wir in Brünsten dein.
  306. Hat in Nebel uns gehüllt.
  307. Hat nun fürder ob uns Macht.
  308. Heil dem Tag, der so befreit.
  309. Heimlich in die Nacht hinaus.
  310. Heiße, lodernde Blicke
  311. Helle Lieder hör' ich nicht.
  312. Herz und Mund verdorrt von Klagen,
  313. Herzenentzündend.
  314. Hier einsam geht ein Mann und forscht und sucht,
  315. Hier Hochzeitsjubel, fiebernd Aengsten dort,
  316. Hier klingender Flöten Laut, dort Brudermord.
  317. Hier lagert sich ein Stamm, Zelt neben Zelt,
  318. Hier stirbt der Könige stolzer Uebermuth,
  319. Hohnlachend an die Stirn.
  320. Hörst Du rings die tausend Stimmen?
  321. Ich aber beide Hände streck' ich aus
  322. Ich aber blicke starr zum Himmelsrand,
  323. Ich bin der urgeborne Sohn der Gluth,
  324. Ich bin ein Griffel nur in Deiner Hand,
  325. Ich bin ein Mensch, mein Geist umspannt das All,
  326. Ich bliebe krank und wenn ich ewig schlief',
  327. Ich fühle was im Blut der Erde ringt,
  328. Ich glaube, Du der Menschheit Blut und Saft,
  329. Ich hab' zur Nacht gesessen
  330. Ich halt' das Steuer auf der Menschheit Ziel.
  331. Ich höre was der Lerche Jubel sagt,
  332. Ich höre was des Meeres Brandung klagt.
  333. Ich lag und sann, der Abend brach herein,
  334. Ich lausche den Todten
  335. Ich liebte stets des Tages goldne Pracht.
  336. Ich sah wie Dich der Erde Noth umdrängt,
  337. Ich sammle, schmelze, präge was ihr wollt,
  338. Ich sehe was des Feuers Auge glüht,
  339. Ich sehe was im Schoß der Lilie blüht.
  340. Ich stand an eines Berges steilem Hang,
  341. Ich war's, der beim Gekreuzigten einst stand,
  342. Ich war's, der ihn vom goldnen Prunkbett stieß,
  343. Ich webe sie zum Bild der Menschheit aus,
  344. Ich will keinen Platz
  345. Ich winde sie dem Kranz der Menschheit ein,
  346. Ich würgte den, der Alexander hieß,
  347. Ihr aber, Freunde, reicht mir her ein Glas
  348. Ihr Duft, ihr Auge, das zur Sonne lacht.
  349. Ihr lieben Frauen habt des Herzens Acht,
  350. Ihr sorgenschweren Stunden,
  351. In alle Himmel möcht' ich mich recken, –
  352. In bunter Tracht, mit Sichel und mit Wehr;
  353. In der Luft beginnt's zu weben,
  354. In einsamen Nächten,
  355. In Fiebern lag ich brennend Tag um Tag,
  356. In langen Garben sprühte Strahl um Strahl,
  357. In Spalt und Abgrund tosen schäumende Wellen
  358. In tausend Herzen sich,
  359. In Tod zerrinnt des Lebens Pracht,
  360. In wiegenden Reigen schwebend wie zum Spiel,
  361. Ins Auge fiel mir hell des Mondes Schein.
  362. Irren Freiheit hin und Recht.
  363. Ist lauter Elend, lauter Niedrigkeit.
  364. Ist nichts als die Gewandung, die Du trägst.
  365. Ist nichts als Spiegelbild von Deinem Sein;
  366. Ist's nicht der Rauch, vor dem das Feld erblüht?
  367. Ja, ohne mich seid ihr versprengtes Gold,
  368. Ja, wir gehören zusammen,
  369. Jedem Herzen rauscht's entgegen
  370. Jeder Wunde, die fiebernd klafft,
  371. Jedes Lied, das ich singe,
  372. Jedes Wort, das ich schmiede,
  373. Jungfräulich, jugendlich, die Gluth entschwand.
  374. Kann den Himmel offen seh'n.
  375. Kein Band – und wiederhallt es tausendmal
  376. Kein Blutbund ging vorauf,
  377. Kein Hauch, kein Athem, weder Fluth noch Schaum,
  378. Kein Wandrer kommt, die Erde saugt uns ein,
  379. Kein Weg, kein Ziel! Wir ziehn auf ungefähr
  380. Keine Krone trägst du golden,
  381. Keine Krone trägst du golden,
  382. Keines Winter düst're Trauer
  383. Klein bin ich wenn ihr klein, stark wenn ihr stark,
  384. Kleinmüthger Du, Du klagst und übst Gericht
  385. Klingt der erste Liebeslaut.
  386. Komm herab begrüßt, bewundert,
  387. Komm herab, begrüßt, bewundert,
  388. Komm herab, begrüßt, bewundert,
  389. Kommt, den Gruß uns zu erwidern,
  390. Körper eines Blutes, Glieder eines Leibes,
  391. Kränzt mit Grün den Maienbaum.
  392. Lag ich zu lauschen auf des Windes Laut,
  393. Laß jedes Herz hienieden
  394. Laß von mir Tod, noch bin ich Dein nicht werth.
  395. Läßt Du von mir, bin ich ein Spiel, ein Spott;
  396. Laßt uns Brüder sein mit Brüdern,
  397. Laßt von allen Bergen fluthen,
  398. Lauter Schreckniß, lauter Bangen
  399. Legt Gott zu Füßen die armsel'ge Pracht.
  400. Leidlose Ruhe, Kraft, die nichts erfüllt,
  401. Lenze keimen und vergehen
  402. Lichtgetragen
  403. Lichtinseln zogen funkelnd, Schaar an Schaar,
  404. Liebe sich zu Liebe finden,
  405. Liebend reichen sich die Hände
  406. Liebste, laß in Dir die Schauer
  407. Liebste, siehst Du rings es glimmen,
  408. Lockender Lüste!
  409. Lockt mich Natur und tausend Sterne glimmen,
  410. Macht schaal mir Bett und Wein,
  411. Marklose Schädel grinsen bleich herauf.
  412. Mein armes Lied, vielleicht mit tausend Reben
  413. Mein Auge sieht es und es hört mein Ohr,
  414. Mein Blick ward starr, die Wesen und die Zeiten
  415. Mein Geist nicht wie auf Adlersschwingen ruht.
  416. Mein Ich fühlt nur, was schmeichelnd ihm behagt,
  417. Mein Ich hört nur den Schrei der eignen Noth,
  418. Mein Ich sieht nur den Glimmer, nur den Schein,
  419. Mein Ich, erfüllt mit Dir, ist selber Gott.
  420. Mein Tag war Gluth und Gluth die Nacht –
  421. Meiner Sinne
  422. Mich brennend verzehrte,
  423. Mild wird die Stirn und mild des Auges Glanz,
  424. Milden Mundes
  425. Mit der Geliebten,
  426. Mit einander so zu bauen,
  427. Mit euch im goldnen Saal;
  428. Mit Kränzen mir geschmückt,
  429. Mit seinen Banden
  430. Mit tausend Blüthen und mit tausend Stimmen
  431. Mit uns den Irrenden das Schiff der Zeit.
  432. Müde der Liebe –
  433. Müde zu hassen,
  434. Nach dem Ewigen –
  435. Nach den Tagen heiß vom Ringen
  436. Nach Dir, zu führen mich ins Nichts hinaus,
  437. Nacht des Märzen, Nacht der Liebe,
  438. Nacht fließt in Tag und Tag in Nacht,
  439. Nacht, in Deinem Mutterschoße
  440. Nein, hebe nicht Dein Schwert,
  441. Nein, nein, nicht ich; was gilt dem Fleische Duft,
  442. Nicht der Zwietracht düstre Klüfte
  443. Nicht Götter sing' ich, nicht zum Fabelland
  444. Nicht ich, nicht ich; mein Ich, dem Tod geweiht,
  445. Nicht sterben werd' ich, bis das letzte Blatt
  446. Noch war ich Knabe, in der Haide Kraut
  447. Nun drängte starr Kristall sich an Kristall
  448. Nun ist der Abend kommen,
  449. Nun schmiegte Zelle knospend sich an Zelle,
  450. Nun steh' ich an dem Hause,
  451. Nur Du bist Wahrheit, doch das Bild ist Schein.
  452. Nur eins lebt ewig, eins hält Stand,
  453. Nur hier und da hell schimmert noch ein Stern,
  454. Nur Schwerter hör' ich dröhnen,
  455. O bange Stunden,
  456. O Bruder, da gilt's zu ringen
  457. O Bruder, was auch das Leben
  458. O fangt nur einmal wieder an den Lauf,
  459. O gäb' der Herr mir seines Frühlings Mund,
  460. O gäb' der Herr mir seines Sturmes Mund,
  461. O Hunger
  462. O Hunger!
  463. O könntet ihr mit meinen Augen sehn,
  464. O laß auch dies Lied Dir gesungen sein,
  465. O werdet warm, facht wieder an die Gluth,
  466. Ob fiebernde Brunst auch
  467. Ob wir an des Nordmeer's Strande
  468. Ob Zweig, ob Ast, ob Mark, ob Blatt –
  469. Ohne Dich, Du lodernd Feuer,
  470. Preßt mich das Elend
  471. Rastlos der Weg, geheimnißvoll das Ziel.
  472. Rauscht's wie leiser Vogelsang,
  473. Rings drängt so viele Kleinheit
  474. Rings grüßen von den Zweigen
  475. Riß uns flammend einst empor.
  476. Rollt Zug an Zug, ein stählern Völkerband,
  477. Ruht der Lenz, ein stilles Kind,
  478. Sag', was mich rettet von des Daseins Schmerz.
  479. Sah ich noch einmal mir vorübergleiten.
  480. Scharfklauig kreist zu Häupten ihm die Pest,
  481. Schaut einmal, einmal nur zu ihm empor,
  482. Schlägt der Germane breiten Weg dem Licht;
  483. Schlagt die Cymbeln, spielt die Geigen,
  484. Schlägt Morgenwind herein.
  485. Schlepp weiter, weiter Dein armsel'ges Ich
  486. Schneewogen wirbeln wie im Kriegestanz,
  487. Schnürt er die Seele ein
  488. Schon aber senkte Nachtgewölk von Dunst
  489. Schon grinst der Tod euch lüstern ins Gemach.
  490. Schon lag's zu Füßen mir,
  491. Schon rast das Meer und rüttelt Stein von Stein.
  492. Schon seh' im West den Wetterstrahl ich glüh'n.
  493. Schrei ich nach Freiheit,
  494. Schulter an Schulter gelehnt,
  495. Schwarz fällt sein Haar wie Trauerflor
  496. Schwarzäugiger Frauen
  497. Schwül brütet Mittagshauch auf Sumpf und Au,
  498. Sehnsuchtsvolle Grüße dringen
  499. Seid länger nicht, ihr Frauen, matt und lau,
  500. Seine Augen blicken staunend
  501. Selig der Mann, deß Sinne nie bestaubt.
  502. Selig, wem Wunden schlug der Erde Lust.
  503. Selig, wer lebend stirbt und sterbend lebt.
  504. Sich auf der Flammen niegestillte Brunst
  505. Sich flüsternd Busch und Blume mir;
  506. Sich tummeln durch's Gehege,
  507. Sie knüpfen mir ein rosig Band.
  508. Sie mögen leicht es lesen,
  509. Sie reichen lächelnd mir die Hand.
  510. Sie unser Aller Ruhestatt.
  511. Sie wühlt und saugt und schmilzt des Eises Glast,
  512. Sieh dort den Rauch, der im Gewölk verschwebt,
  513. Siehst Du rings den goldnen Schein,
  514. Silbern rinnt des Mondes Licht.
  515. So ehern steht kein Fels, kein Land,
  516. So festlich ist mein Wesen,
  517. So führen wir aus selbander,
  518. So ist das Leben Tod, Du aber bist
  519. So keimte neues Sein aus diesem Sein
  520. So mit dem Baume wächst des Baumes Mark.
  521. So ruhmeswerth, wo solch ein Erntefeld?
  522. So stehen wir beieinander
  523. Sonnenleuchtend, Morgenklar,
  524. Sonnenleuchtend, Morgenklar.
  525. Spräch' mir Dein Mund nicht Muth.
  526. Stahlhart mein Hirn, mein Herz wie Sonnenlicht,
  527. Stark und Krank und Reich und Arm.
  528. Sterbend sich zur Sonne wendet,
  529. Stoßt mit mir an, frisch, auf den Tod,
  530. Streckst Du die Arme, erzgeschmiedet drückt
  531. Such' ich im weiten Bergland der Natur,
  532. Süß duftete das Mahl.
  533. Süße Mädchen schlingt den Reigen,
  534. Tauch in die eigne Seele Du hinein,
  535. Tausend Blüthen wird sie reifen,
  536. Tausendjähriger Grund zusammen,
  537. Thaufrischen Rieslings! welch ein Trunk ist das!
  538. Tiefen sich mit heißem Schwalle
  539. Todesmächtig, licht und hehr.
  540. Trägt meine Blicke durch des Weltalls Dom.
  541. Träum' neuen Weg ich, nicht zum Höllenrand,
  542. Traum, wie bald bist du vergangen,
  543. Träumend neigt sie ihr Gesicht,
  544. Träumten wir die Welt zu zügeln,
  545. Treiben hin wie Spreu im Wetter,
  546. Trennen unsre Herzen mehr.
  547. Trüb ihren letzten Schein – –
  548. Um Zion wogt des Kreuzheers magrer Rest,
  549. Umhaucht von der Gottheit
  550. Umklammert von des Drachens Eisenspangen
  551. Umschauert vom Sturm,
  552. Und auf den Gräsern träumte herber Duft
  553. Und auf die Lippe drängt sich Wort um Wort.
  554. Und aus der Fluth dringt aufwärts neues Land,
  555. Und auseinander klüfteten die Gluthen
  556. Und ballten kreisend sich zu Sonnenwelten,
  557. Und blüht ein Kranz mir, Dein ist aller Ruhm.
  558. Und bös und gut ihr, scheidet groß und klein –
  559. Und brünstig drang die Sehnsucht auf mich ein,
  560. Und das Aug' von Stern zu Sterne
  561. Und dennoch scheidet edel und gemein
  562. Und der Erde Bau zerfällt,
  563. Und der Hoffahrt morsche Götter
  564. Und der Winter geht zu Ende,
  565. Und des Abgrunds Nacht wird Tag.
  566. Und die Erde hört ihn klingen,
  567. Und die Noth stürmt durch die Gassen,
  568. Und donnernd hob sich der Gebirge Wall,
  569. Und donnernden Fluges dort von Land zu Land
  570. Und durch des Eichwalds feuchte Nebelschicht
  571. Und durch die Fenster hell und breit
  572. Und durch die Wolken züngeln weiße Feuer,
  573. Und es verfaulte nur dies morsch Gebein?
  574. Und eurer Seele lausch' ich, wie sie reift,
  575. Und falbe Nebel schleifen, sturmentfacht.
  576. Und fragst Du was ich bin und fragst Du wer,
  577. Und für die Lieblichste mein Herz entschied.
  578. Und gelber Qualm entbrodelt jeder Kluft,
  579. Und Glaube, der in Zweifel sich verliert,
  580. Und glotzig ruht der Behemout im Teich,
  581. Und heiliger Schauer durch die Schöpfung rann,
  582. Und Hölle wird die Ewigkeit für Dich.
  583. Und horche, was sie verkünden,
  584. Und ich suche die Ungebornen,
  585. Und ich und ich! Die Hände streckt' ich aus
  586. Und immer wirrer, immer dichter drängen
  587. Und in den Weltraum stürzte wie ein Blatt,
  588. Und in der Herzen Schrein.
  589. Und jeder Geist, der brünstig strebt,
  590. Und kennst nur Menschen, doch die Menschheit nicht.
  591. Und klirrend fährt ins Mark sein scharf Geschoß.
  592. Und Königsprunk, der in den Koth versinkt
  593. Und kosend und plaudernd –
  594. Und küßt sie lang und heiß,
  595. Und laß in mir erblühen
  596. Und leise haucht's Wozu?
  597. Und meiner Freuden Inbrunst wird Gebet;
  598. Und nicht emporschlüg'
  599. Und Niemand weiß, wen's heut zu Hause trifft.
  600. Und nur dich, einzig dich
  601. Und plaudernd, jubelnd; morgen im Gestein
  602. Und plötzlich braust es hell wie Adlerflug,
  603. Und prasselnd, schäumend, immer neu geboren
  604. Und rankt sich über Fels und Klüfte fort
  605. Und reckt sich aus zu Fasern, thaugenährt,
  606. Und reißt in den Koth
  607. Und schließt, wie vor dem Todfeind, Hof und Haus.
  608. Und schossen sprühend hin gleich Flammenruthen
  609. Und Sehnsucht, der kein Erbe wird zu Theil,
  610. Und siedend gährten zukunftsschwangere Säfte,
  611. Und steht wie Tiger über einem Raub
  612. Und stöhnend mischten sich im Kampf die Kräfte
  613. Und tausend Feuer zuckten rings und flogen
  614. Und tausend Wirbel kreuzten durch die Wogen
  615. Und Thal zu Berg, die Wälder prasseln schwer,
  616. Und tief und süß wie Volkers Lied einst scholl,
  617. Und Tod zeugt Leben licht und hehr.
  618. Und Todesangst vereint, was heut sich theilt.
  619. Und Völker blühen, um in Staub zu wehn,
  620. Und von Ost gen Westen fahren
  621. Und von seinen Lippen raunend
  622. Und was der Schein, der kränzend Dich umwebt?
  623. Und was der Tropfen Bluts auf Deiner Brust?
  624. Und was empfunden,
  625. Und wie diese Nacht, so prächtig,
  626. Und wie ein Schatten steigt es niederwärts,
  627. Und wieder braust der Sturmwind hin durchs Thal,
  628. Und zarte Haut umspinnt des Meeres Bord
  629. Und zu mir klingts wie rollend Fluthgebraus:
  630. Und zwischen Erd' und Himmel fühlt' ichs weben
  631. Unhörbare Winde weh'n
  632. Uns mit heimlich süßem Klingen
  633. Uns mit tausend Kränzen zier'n,
  634. Unser Aug' erlischt in Thränen,
  635. Unser Blut treibt neue Säfte,
  636. Unser Blut tropft aus den Poren,
  637. Unser Haupt glüht fieberschwer.
  638. Unser Mark ist eiserfroren,
  639. Unser Mark trinkt neue Kräfte,
  640. Unsre Adern klopfen weit.
  641. Unsre Liebe, lenzesmächtig
  642. Unsre Namen wir zeichnen ein
  643. Unsre Seele siecht vor Sehnen,
  644. Unsren Weg umheult der Streit.
  645. Unsrer Fehde sei's genug.
  646. Unwandelbarem Licht,
  647. Urmutter Erde Dir ein Lied zu weihn,
  648. Verhurt den Leib und kriecht in Koth und Staub
  649. Verhurt ihr eures Geistes Gottestrieb,
  650. Verklärt zum Willen wird was dunkel ringt –
  651. Verkündet Dir, wie Du dem Ich entfliehst.
  652. Verrucht und schal ist.
  653. Verschlangen sich und barsten und zerschellten –
  654. Versengter Felsen, dürstend und allein.
  655. Verstummt das Leben, sterbend die Natur.
  656. Volk das ich liebe, alles was ich bin,
  657. Volk das ich liebe, Volk, an dessen Kraft
  658. Vom Baum der Welten sinkt zur Ruhestatt,
  659. Vom Kranz der Schwestern eine wählt mein Lied
  660. Vom plumpen Tritt des Mastodonts durchhallt,
  661. Vom Richtbeil ausgemerzt, erstickt in Blut,
  662. Vom Schritt der Erdjahrtausende zerstampft –
  663. Vom Wandern und Ruhen
  664. Von blauer Meerfluth seidenweich umrollt
  665. Von brennenden Küssen,
  666. Von Deines Athems Hauch durchdrungen sein!
  667. Von einer Erde genährt,
  668. Von einer Gluth verklärt –
  669. Von Erd' zu Himmel eine Mauer nur,
  670. Von Finsternissen – todt und stumm und leer.
  671. Von Nebeln wirr umflattert, dampfumbraust,
  672. Von Norden dröhnt es krachend jede Nacht
  673. Von seiner Liebe brächt' ich frohe Kund'.
  674. Von tausend Farben zitterte die Fluth,
  675. Von unterird'schen Wettern rauscht die Luft,
  676. Von weichen Flocken blinkte jede Welle
  677. Von weißen Schleiern glänzte rings die Luft
  678. Von Zweifeln trüb umnachtet, angst und zag.
  679. Vor diesem Sturm, der sich in mir erhebt,
  680. Vor diesem Weg, von Nebelrauch umdampft,
  681. Vor diesen Bildern, die mein Innres schaut,
  682. Vor meinen Augen brauste Gluth in Gluth,
  683. Vor meines Glückes Klause,
  684. Vorüber zieht der Volksgeschlechter Heer
  685. Wacht auf vom blut'gen Rausch des Heldenthums,
  686. Wacht auf vom feigen Pfühl hochmüth'ger Lust,
  687. Wacht auf, eh' euch der Tag des Zorns ereilt,
  688. Wacht auf, wacht auf aus eurer Liebe Rast.
  689. Wälzt brüllend sich der Elch, im Rohr gefangen.
  690. Wann hab ich nicht die Locken
  691. Wann kommt die Stunde,
  692. Wann sah ich je ein blühend Weib,
  693. Warf sich der Regen in des Gluthmeers Poren,
  694. Was bangen heißt
  695. Was deutet dieser Stern Dir überm Haupt?
  696. Was drängt ihr Felsen in die Wolken ein,
  697. Was du erlebst, hab' ich erlebt,
  698. Was ewig bliebe.
  699. Was gilt dem Leibe reine Himmelsluft!
  700. Was gilt dem Staubkorn unermess'ner Raum,
  701. Was gilt der Fäulniß ewigen Lebens Traum!
  702. Was gilt die Welt mir, wenn mein Ich zerfällt!
  703. Was in euch flach, was ekel, was gemein,
  704. Was jauchzt ihr Menschen wie am Feiertag,
  705. Was jeder von uns ersehnt.
  706. Was leben heißt
  707. Was mich erhellt, hat dich erhellt.
  708. Was prahlt ihr Wälder stolz mit eurem Grün,
  709. Was ruft ihr Glocken friedlich zum Gebet,
  710. Was träumen heißt
  711. Was war und was sein wird.
  712. Was weiß Dein blindes Auge von dem Licht,
  713. Was zauderst Du? Blaß wird Dein Angesicht,
  714. Weben dieser heil'gen Nacht,
  715. Weh dem, der für den Fuß die Krücke hält;
  716. Weh euch und mir, Mensch werden heißt vergehn
  717. Weh mir, wenn ich nicht würdig bin, wenn nicht
  718. Weh, wenn die Flamme,
  719. Weil er kein Rauch mehr, hat er ausgelebt?
  720. Weil er sein Ich nicht sättigen konnte hier,
  721. Weiß noch nicht, wie herrlich große
  722. Welch ein Jubel, welch ein Minnen
  723. Weltschaffendem Athem,
  724. Wenn das Gewölk grauregnend niedersprüht,
  725. Wenn Du es kündest, wirst Du es verstehn,
  726. Wenn Du es wüßtest,
  727. Wenn Du es wüßtest,
  728. Wenn Du es wüßtest,
  729. Wenn Du es wüßtest,
  730. Wenn Du es wüßtest,
  731. Wenn Du es wüßtest,
  732. Wenn ihr nicht helft den neuen Tempel bau'n.
  733. Wenn lauter nicht wie Morgenthau mein Blut,
  734. Wenn schon die Erde hohl und donnernd geht.
  735. Wer bist Du Mondesleuchtender?
  736. Wer führt mich aufwärts, wenn mein Fuß geht irr?
  737. Wer hält mich aufrecht und wer gibt mir Muth,
  738. Wer legt auf meine Zunge Flammengluth?
  739. Werft ab des Alltags Sinn, des Alltags Kleid,
  740. Wetterleuchtend,
  741. Wie brünstig würdet ihr zum Himmel flehn.
  742. Wie der Wald und der schäumende Bach.
  743. Wie des Lenzwinds thauig Warm.
  744. Wie ein Tempel sei die Erde,
  745. Wie einer, der im Geiste Gott erschaut, –
  746. Wie er den andren rückwärts niederschlägt.
  747. Wie fern, wie fern liegt Kampf und Streit;
  748. Wie Himmel und Sternenflammen,
  749. Wie hoch und höher ihre Sehnsucht schweift.
  750. Wie marklos Todtenbein.
  751. Wie Meeresfluth, wenn sie den Tag gebar,
  752. Wie meine Seele fliegt zu Dir.
  753. Wie Nebel schwanden Decke, Thür und Haus.
  754. Wie schwach ich bin, wie klein auch, wie verzagt.
  755. Wie Staub hinweggefegt ist Land und Meer,
  756. Wie Thau laß es fallen
  757. Wie vom Tod sind wir erfüllt.
  758. Wie weit seid ihr entschwunden,
  759. Wie Wind und Wellenschlag,
  760. Wie zwei Bettler, frech verhöhnet, –
  761. Wiegen in Traumseligkeit.
  762. Wild umschwärmt von Haß und Neid.
  763. Will ich wandeln und ziehen,
  764. Wir alle schaffen, doch uns knüpft kein Band!
  765. Wir alle sind wie Saat in dornig Land,
  766. Wir alle sind wie Wasser im Gestein,
  767. Wir haben uns nichts geschworen,
  768. Wir sind zu eins geboren,
  769. Wir wandern, doch warum – ergründet keiner.
  770. Wir wandern, doch wohin – verkündet keiner,
  771. Wird es in Deiner Seele aufwärts streben.
  772. Wird mit lauen Winden streifen
  773. Wird ob unserm Leben stehn,
  774. Wird sie durch die Seele wehn.
  775. Wird sie mondesglanzgeweiht,
  776. Wirf ab den Leib!
  777. Wirf die Thore auf, Jahrhundert,
  778. Wirf die Thore auf, Jahrhundert,
  779. Wirf die Thore auf, Jahrhundert,
  780. Wirft klirrend den Pokal, –
  781. Wo alles Qual ist
  782. Wo du gehst, da bricht in Flammen
  783. Wo du gehst, da öffnen alle
  784. Wo du gehst, quillt Lust und Segen,
  785. Wo es strahlend quillt hervor.
  786. Wo ich Alles vergessen,
  787. Wo ist ein Feuer, das nicht matt
  788. Wo ist ein Lenz ohn' Winter,
  789. Wo ist ein Stoff wie dieser, wo ein Held
  790. Wo mir das löwengleiche Haupt entschwand,
  791. Wo, im glitzernden Licht,
  792. Wohin? wohin? Dein Weg ist dunkle Nacht,
  793. Wollten wir das Licht begrüßen,
  794. Wonnen ihm beschieden sind.
  795. Wozu dies all, wozu?
  796. Wuchernd prahlt rings Gemeinheit,
  797. Zeit ohne Werden, Schlafen ohne Traum,
  798. Zerrbilder tauchen auf und Ungeheuer.
  799. Zeuch' mit Morgensturmwind ein.
  800. Ziehn wir müd im Staub einher.
  801. Ziehn, ob tief im Wüstensande, –
  802. Zu Dir Altvater, dessen Wort so klar
  803. Zu Dir Walddrossel, deren Stimme voll
  804. Zu Dir, der blind noch Held, Du Stolzvernichter,
  805. Zu Dir, Du Adler, der ins Antlitz sah
  806. Zu Dir, Du frommer Schwan von Mantua,
  807. Zu Dir, Du strahlend Licht von Tus, Du Künder
  808. Zu Euch, ihr heiligen Sänger, Du des Gral,
  809. Zu Kohl' und Asche brennt.
  810. Zu neuem Kampf und Sein verdammt das Ich.
  811. Zu schweben empor
  812. Zu seligen Höhen –
  813. Zu stillen vermag?
  814. Zum Leben zu gesunden durch den Tod.
  815. Zum Menschen wird der Erde Staub verklärt,
  816. Zur Seite Dich um einer Spanne Raum,
  817. Zur Seite ragt mir ein gewaltig Haupt,
  818. Zur Sprache wird was stammelnd klingt und singt.
  819. Zurück in die Dienstbarkeit.
  820. »Füllt einmal noch die Becher,
  821. »Heil, den Ketten, die uns binden,
OPERONE