Graf Rudolf II. von Neuenburg oder auch
Rudolf von Fenis († vor 30. August 1196)


Gewan ich ze Minnen ie guoten wân,
nu hân ich von ir weder trôst noch gedingen,
wan ich enweiz wie mir süle gelingen,
sît ich si mac weder lâzen noch hân,
mir íst als dem dér ûf den boum dâ stîget
und niht hôher mac und dâ mitten belîbet
und ouch wider komen mit nihte kan
und alsô die zît mit sorgen hin trîbet.

Mir ist alse deme der dâ hât gewant
sînen muot an ein spil und er dâ mite vliuset
unde erz verswert: ze spâte erz verkiuset.
alsô hân ich mich ze spâte erkant
der grôzen liste die díu Minne hâte.
mit schœnen gebærden si mich ze ir brâhte
und léitet mich áls bœse géltære ie hânt,
die wol geheizent und geltes nie dâhten.

Min vrowe sol den gedingen nu lân
daz ich ir diene, wan ich mac ez mîden.
iedoch bítte ich si daz siz geruoche lîden:
sô wirret mir niht diu nôt die ich hân.
wíl aber si mich von ir vertrîben,
ir schœner gruoz scheidet micb von ir lîbe.
nóch dannoch fûrhte ich mêre den ban
daz sí mich von âl mînen freuden vertrîbe.


Minne gebiutet mir daz ich singe
unde wil niht daz mich iemer verdrieze.
nu hân ich von ir weder trôst noch gedinge,
únd daz ich íht mînes sanges genieze.
si wíl daz ich iemer dien án solhe stat
dâ noch mîn dienest ie víl kleine wac
unde al mîn stæte gehelfen niht mac.
nu wære mîn reht, möht ich, daz ich ez lieze.

Ez stêt mir niht sô. ich enmac ez niht lâzen
dâz ich daz herze iemer vón ir bekêre.
éz ist ein nôt daz ich mích niht kan mâzen,
ich minne si diu mich dâ hazzet sêre
und iemer tuon swiez doch mir dár umbe ergât.
min grôziu stæte mich dés niht erlât,
unde ez mich leider kleine vervât.
ist éz ir leit, dóch dien ich ír iemer mêre.

Iemer mêre wil ich ir dienen mit stæte,
und weiz doch wol dáz ich sîn niemer lôn gwinne.
ez wære an mîr ein sin, ôb ich dâ bæte
dâ ich lônes versæhe mich von der Minne.
lônes hân ích noch víl kleinen wân.
ich diene ie dar dá ez mich kan kleine vervân.
nu lieze ich ez gerne, möhte ich ez lân:
ez wellent durch dáz niht von ír mîne sinne.

Mîne sínne welnt dúrch daz níht von ir scheiden,
swíe si mich bî ir niht wíl lân belîben.
si enkán mir dóch daz níemer geleiden,
ich endíene ir gérne und durch sí guoten wîben.
lîd ich dár under nôt, daz ist án mir niht schîn:
diu nôt ist diu meiste wunne mîn.
si sól ir zorn dár umbe lâzen sîn,
wan sín kan mich níemer vón ir vertrîben.


Mit sânge wânde ich mîne sorge krenken.
dar umbe singe ich deich si wolte lân.
so ich ie mêr singe und ir ie baz gedenke,
sô mugens mit sange leider niht zergân:
wan Minne hât mich brâht in solhen wân
dem ich sô lîhte niht enmac entwenken,
wan ich im lange her gevolget hân.

Sît daz diu Minne mich wolt alsus êren
daz si mich hiez in deme herzen tragen
diu mir wol mac mîn leit ze vröuden kêren,
ich wære ein gouch, wolt ich mich der entsagen.
ich wil ouch Minnen mînen kumber klagen,
wan diu mir kunde dez herze alsô versêren,
diu mac mich wol ze vröuden hûs geladen.

Mich wundert des wie mich mîn vrowe twinge
sô sêre swenne ich verre von ir bin:
sô gedenke ich mir und ist daz mîn gedinge,
mües ich si sehen, mîn sorge wære hin.
so ich bî ir bin, des trœstet sich mîn sin
und wæne des daz mir vil wol gelinge:
alrêrste mêret sich mîn ungewin.

So ich bî ir bin, mîn sorge ist deste mêre,
als der sich nâhe biutet zuo der gluot:
der brennet sich von rehte harte sêre:
ir grôziu güete mir daz selbe tuot.
so ich bî ir bin, daz tœtet mir den muot,
und stirbe ab rehte, swenne ich von ir kêre,
wan mich daz sehen dünket alsô guot.

Ir schœnen lîp hân ich dâ vür erkennet,
er tuot mir als der fürstelîn daz lieht;
diu fliuget dran, unz si sich gar verbrennet:
ir grôziu güete mich alsô verriet.
mîn tumbez herze enlie mich alsô nieht,
ich habe mich sô verre an si verwendet
daz mir ze jungest rehte aisame geschiet.


Ich kiuse an dem walde, sîn loup ist geneiget,
daz doch vil schône stuont frœlîchen ê.
nu rîset ez balde: des sint gar gesweiget
die vogele ir sanges: daz machet der snê;
der tuot in beide unsanfte unde wê.
des muoz dur not mich verdriezen der zît,
unze ich ersihe ob der winter zergê,
dâ von diu heide betwungeniu lît.

Lîp unde sinne die gap ich fûr eigen
ir ûf genâde: der hât si gewalt.
ist daz diu Minne ir güete wil zeigen,
sô ist al mîn kumber ze vröuden gestalt.
sus mac ich jungen, alsus wird ich alt;
wan daz mir ein mære noch sanfter tuot,
daz si zer besten ist vor ûz gezalt,
diu mich sol machen vrô vrœlîch gemuot.

Wolte si eine, wie schiere al mîn swære
wurde geringet, swie wê si mir tuot.
ir lîp ist sô reine daz nieman enwære
an vröuden rîcher noch hôher gemuot.
ist daz diu schœne ir genâde an mir tuot,
sô ist mir gelungen noch baz danne wol.
wan diu vil guote ist noch bezzer dan guot,
von der mîn herze niht scheiden ensol.


Ich hân mir selben gemachet die swære
dáz ich der ger diu sich mir wil entsagen.
diu mir zerwerbenne víl lîhte wære,
die fliuhe ich, wan si mir niht kan behagen.
ich minne die diu mir es niht wil vertragen;
mich minnent ouch die mir sint doch bormære:
sus kan ich wol beidiu vlien unde jagen.

Owê daz ich niht erkande die minne
ê ich mich hete án si verlân!
sô het ich vôn ir gewendet die sinne,
wan ich ir nâch mînem willen niht hân.
sús strebe ich ûf vil tumben wân.
des fûrhte ich víl grôze nôt gewinne.
den kumber hân ich mir selber getân.


Dâz ich den súmer alsô mæzlîchen klage
(walt unde bluomen die sint gar betwungen),
dâz ist dâ von daz sîn zît
mir noch hér hât gefrumt harte kleine umb ein wîp.
vil lîhte gefröuwent si díe liehten tage,
dén dâ vor ist nâch ir willen gelungen.
mac mir der wínter den strît
noch gescheiden hin zír der ie gérte mîn lîp,
sô ist daz mîn réht daz ich ín iemer êre,
wân mîner swære enwart nie mêre.
owê, wie nu lât mich verderben diu hêre!


Diu heide noch der vogele sanc
kân ân ir trôst mir niht vröude bringen,
díu mir daz hérze und den lîp hât betwungen,
dâz ich ir níht vergezzen enmac.
swie víl si gesingent, mich dunket ze lanc
daz bîten. des zage ich an guoten gedingen.
dâ von muoz ích dur nôt sîn ungesungen
von ír, wan mir níe wîp sô nâhe gelac.
swénne si wíl, sô bin ích leides âne.
mîn lachen stât sô bî sunnen der mâne.
doch wás genuoc grôz her mîn vröude von wâne.

Nun ist niht mêre mîn gedinge
wan daz si ist gewaltic mîn.
bî gwalte sol genâde sîn.
ûf den trôst ich ie noch singe.
genâde diu sol überkomen
grôzen gwalt dur miltekeit:
genâde zimt wol bî rîcheit.
ir tugende sint sô vollekomen
daz dúrch reht mir ir gwalt sol fromen.

Swer sô stæten dienest kunde,
des ich mich doch trœsten sol,
dem gelunge lîhte wol.
ze jungest er mit überwunde
daz sende leit daz nâhen gât:
daz wirt lachen unde spil;
sîn trûren gâl ze freuden vil;
in einer stunt sô wirt es rât
daz man zehn jâr gedienet hât.

Swer sô langez bîten schildet,
der hât sichs niht wol bedâht.
nâch riwe sô hât ez wunne brâht;
trûren sich mit freuden gildet
deme der wol bîten kan,
daz er mit zühten mac vertragen
sin leit und nâch genâden klagen:
der wirt vil lîhte ein sælic man.
daz ist der trôst den ich noch hân.


Ich was ledec vor allen wîben.
alsus wânde ich frô belîben.
daz mich keiniu me betwunge
und mich von mînen freuden drunge.
dô wolt ich daz mir gelunge
sô daz ich doch sanfte runge.
was daz niht ein tumber muot?
wer gewan ie sanfte guot?

Man sagt mir daz liute sterben;
der sî wunder die verderben,
sô si minnen alze sêre.
wâfen hiute und immermêre!
wie behalte ich lîp und êre?
ja ist si mir ein teil ze hêre.
sol si denne ein frowe sîn?
jâ si, weiz got, immer mîn.

Wer hât ir gesaget mære
daz mir ieman lieber wære?
der müez als unsanfte ringen
als ich tuon mit seneden dingen.
sol mir an ir misselingen,
tôre, kum dîns fluoches abe:
selbe tæte, selbe habe.

Mir gât einez ime herzen:
dâ von lîde ich manegen smerzen:
daz ersuochet mir die sinne
beide ûzerhalp und inne.
wê, mir kumet daz von minne.
daz i's immer denne beginne!
wê, war umbe spriche ich daz?
tuot ez wê, ez tuot ouch baz.

Waz würre daz si mich vernæme,
daz ir nimmer missezæme?
hete ich doch den schaden eine
den si hât mit mir gemeine,
sô klagt ich ir swîgen kleine.
mac si hœren waz ich meine?
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