Dietmar von Eist (Aist) (* um 1115; † nach 1171)


»Waz ist für daz trûren guot, daz wîp nâch lieben manne hât?
gerne daz mîn herze erkande, wan ez sô bedwungen stât.«
alsô reit ein frouwe schœne. »an ein ende ich des wol kœme, wan diu huote.
selten sîn vergezzen wirt in mînem muote.«


»Genuoge jehent daz grôziu stæte sî der besten frouwen trôst:
des enmag ich niht gelouben, sît mîn herze ist unerlôst.«
alsô redeten zwei geliebe, si von ein ander schieden. »owê minne,
der dîn âne möhte sîn, daz wæren sinne.«


Sô al diu werlt ruowe hât, mag ich eine entslâfen niet.
daz kumet von einer frouwen schœne, der ich gerne wære liep.
an der al mîn fröide stât. wie sol des iemer werden rât? wæne ich sterben.
wes lie si got mir armen man ze kâle werden?


Seneder friundinne bote,
nu sage dem schœnen wîbe,
daz mir tuot âne mâze wê
dáz ich si sô lange mîde.
lieber hete i'r mínne
dan al der vogele síngén.
nu muoz ich von ir gescheiden sîn:
trûric ist mir al daz herze mîn.


»Nu sage dem ritter édelé
daz er sich wol behüete,
und bite in schône wesen gemeit
und lâzen allez ungemüete.
ich muoz ofte engelten sîn.
vil dicke erkumet daz herze mîn.
ane sehendes leides hân ich vil,
daz ich im selbe gerne klagen wil.«


Ez getet nie wîp sô wol
an keiner slahte dinge,
daz al die werlt diuhte guot.
des bin ich wol worden inne.
swer sîn liep dar umbe lât,
daz kumet von swaches herzen rât.
dem wil ich den sumer und allez guot
widerteiln durch sînn unstæten muot.


Ahî nu kumet uns diu zît,
der kleinen vogellîne sanc.
ez gruonet wol diu linde breit,
zergangen ist der winter lanc.
nu siht man bluomen wol getân
üeben an der heide ir schîn.
des wirt vil manic herze frô:
des selben trœstet sich daz mîn.


Ich bin dir lange holt gewesen,
frouwe biderbe unde guot.
wie wol ich daz bestatet hân!
du hâst getiuret mir den muot.
swaz ich dîn bezzer worden sî,
ze heile müez ez mir ergân.
machestu daz ende guot,
sô hâst duz allez wol getân.


Man sol die biderben und die frumen
zallen zîten haben liep.
swer sich gerüemet alze vil,
der kan der besten mâze niet.
jô sol ez niemer hövescher man
gemachen allen wîben guot.
er ist sîn selbes meister niht,
swer sîn alze vil getuot.


Ûf der linden óbené
da sanc ein kleinez vogellîn.
vor dem walde wart ez lût:
dô huop sich aber daz herze mîn
an eine stat da'z ê dâ was.
ich sach die rôsebluomen stân:
die manent mich der gedanke vil
die ich hin zeiner frouwen hân.


»Ez dunket mich wol tûsent jâr
daz ich an liebes arme lac.
sunder âne mîne schult
fremedet er mich manegen tac.
sît ich bluomen niht ensach
noch enhôrte der vogel sanc,
sît was mir mîn fröide kurz
und ouch der jâmer alze lanc.«


Gedanke die sint ledic frî,
dazs in der werlte nieman kan erwenden:
dâ ist ouch dicke senen bî;
diech von dem herzen ofte unsanfte sende.
ein rehtiu liebe mich betwanc
daz ich ir gap daz herze mîn:
des werdent mir diu jâr sô lanc,
sol ich von der gescheiden sîn.
des wæn mîn leben niht lange stê.
ich verdirbe in kurzen tagen:
mir tuot ein scheiden alsô wê.


Ich siufte, und hilfet leider niht
umbe ein wîp bî der ich gerne wære.
sô si mîn ouge niht ensiht,
daz sint dem herzen mîn vil leidiu mære.
ir tugende die sint valsches frî,
des hœre ich ir die besten jehen.
nu sehent wie mînem herzen sî:
ichn tar ir leider niht gesehen.
wie senelîche si mich lie!
si hât daz herze mir benomen;
daz mir geschach von wîbe ê nie.


Ich hân der frowen vil verlân,
dâ ich niht herzeliebe vinden kunde.
swaz ich fröiden ie gewan,
deist wider dise liebe ein krankiu wunne.
die ich ze liebe mir erkôs,
sol ich der sô verteilet sîn,
seht, des belîbe ich fröidelôs,
und wirt an mînen ougen schîn.
in al der werlte ein schœne wîp
. . . . . . . .
vil gar ir eigen ist mîn lîp.


Der winter wære mir ein zît
sô rehte wunneclîche guot,
wurd ich sô sælic daz ein wîp
getrôste mînen seneden muot.
sô wol mich danne langer naht,
gelæge ich als ich willen hân!
si hât mich in ein trûren brâht
des ich mich niht gemâzen kan.


»Wie tuot der besten einer sô
daz er mîn senen mac vertragen?
ez wære wol, und wurd ich frô:
sichn kunde nieman baz gehaben.
wê daz mir leit von dem geschiht
der an mîn herze ist nâhe komen!
waz hilfet zorn? swenn er mich siht,
den hât er schiere mir benomen.«


«Swer mêret die gewizzen mîn,
dem wil ich dienen, obe ich kan;
und wil doch mannen fremede sîn,
wan deich ein senede herze hân.
ez wære mir ein grôziu nôt,
wurd er mir âne mâze liep:
sô tæte sanfter mir der tôt,
liez er mich des geniezen niet.«


»Diu werlt noch ir alten site
an mir begât mit nîde.
si vert mir wunderlîche mite.
si wellent daz ich mîde
den besten friunt den ieman hât.
wie sol des iemer werden rât?
sol ich im lange vrömede sîn,
ich weiz wol, daz tuot ime wê.
daz ist diu meiste sorge mîn.«
Niemen vindet mich dar an
unstæte mînes muotes,
in sî der eine der ir gan
vil êren unde guotes.
si kan mir niemer werden leit:
des biute ich mîne sicherheit.
alsô trûric wart ich nie,
swenn ich die wolgetânen sach,
mîn senedez ungemach zergie.


Sô wol mich liebes des ich hân
ùmbevangen! hôhe stât mîn muot:
wan al diu werlt noch nie gewan
ein schœne wîp sô rehte guot.
man sol si loben deste baz.
der uns alle werden hiez,
wie lützel der an ir vergaz!
tugende hât si michels mê
dann ich gesagen künne.
sist leides ende und liebes trôst
und aller fröide ein wünne.


Frouwe, mînes lîbes frouwe,
an dir stêt aller mîn gedanc;
dar zuo ich dich vil gerne schouwe.
du gwünne nie unstæten wanc.
dar zuo wære ich dir vil gerne bî.
nu nim mich in dîne genâde;
sô belîbe ich aller sorgen frî.


Ez stuont ein frouwe alleine,
und warte uber heide,
unde warte ir liebe.
sò gesach si valken fliegen.
»sô wol dir, valke, daz du bist!
du fliugest swar dir liep ist:
du erkiusest in dem walde
einn boum der dir gevalle.
alsô hân ouch ich getân:
ich erkôs mir selbe man:
den welten mîniu ougen.
daz nîdent schœne frouwen.
owê wan lânt si mir mîn liep?
jo engerte ich ir deheiner trûtes niet.«


»Sô wol dir, sumerwunne!
daz vogelsanc ist geswunden:
als ist der linden ir loup.
jârlanc mir truobent ouch
mîniu wol stênden ougen.
mîn trût, du solt gelouben
dich anderre wîbe:
wan, helt, die solt du mîden.
dô du mich êrst sæhe,
do dûhte ich dich zewâre
sô rehte minneclîch getân:
des man ich dich, lieber man.«


Sich hât verwandelôt diu zît.
daz verstên ich an den dingen:
geswigen sint die nahtegal,
si hânt gelân ir süezez singen,
und valwet obenân der walt.
ienoch stêt daz herze mîn in ir gewalt,
der ich den sumer gedienet hân.
diu ist mîn fröide und al mîn liep:
ich wil irs niemer abe gegân.


»Ich muoz von rehten schulden hô
tragen daz herze und al die sinne,
sît mich der aller beste man
verholn in sîme herzen minne.
er tuot mir grôzer sorgen rât.
wie selten mich diu sicherheit gerûwen hât!
ich wil im iemer stæte sîn.
er kan wol grôzer arebeit
gelônen nâch dem willen mîn.«


Ich bin ein böte her gesant,
frowe, ûf mange dîne güete.
ein ritter, der dich hât erwelt
ûz al der werlte in sîn gemüete,
er hiez dir klagen sîn ungemach,
daz er ein senendez herze treit sît er dich sach.
im tuot sîn langez beiten wê.
nu reden wirz an ein ende enzît,
ê im sîn fröide gar zergê.


Der al die welt geschaffen hât,
der gebe der lieben noch die sinne
deich si mit armen umbevâ
und mich von rehtem herzen minne.
mich dunkent ander frowen guot:
ich gwinne von ir keiner niemer hôhen muot,
sin welle genâde enzît begân,
diu sich da sündet ane mir,
und ich ir vil gedienet hân.


Nu ist ez an ein ende komen, dar nâch mîn herze ie ranc,
daz mich ein edeliu frouwe hât genomen in ir getwanc.
der bin ich worden undertân,
als daz schif dem stiureman,
swenne der wâc sîn ünde alsô gar gelâzen hât.
sô hôh ôwî!
si benimet mir mange wilde tât.


»Ja hœre ich vil der tugende sagen von eime ritter guot:
der ist mir âne mâze komen in mînen stæten muot,
daz ich sîn ze keiner zît
mac vergezzen,« redte ein wîp.
»nu muoz ich al der werlte haben dur sînen willen rât.
sô hôh ôwî!
wie schône er daz gedienet hât!«


Wie möhte mir mîn herze werden iemer rehte fruot,
daz mir ein edeliu frouwe alsô vil ze leide tuot!
der ich vil gedienet hân,
als ir wille was getân.
nú wil sí gedenken niht der mangen sorgen min.
sô hôh ôwî,
sol ich ir lange frömde sîn.


»Slâfest du, mîn friedel?
wan wecket unsich leider schiere.
ein vogellîn sô wol getân
daz ist der linden an daz zwî gegân.«
»Ich was vil sanfte entslâfen:
nu rüefestu kint Wâfen wâfen.
liep âne leit mac niht gesîn.
swaz du gebiutst, daz leiste ich, friundin mîn.«
Die frouwe begunde weinen.
»du rîtest hinne und lâst mich einen,
wenne wilt du wider her?
owê du füerest mîne fröide dar.«


Urlop hât des sumers brehen,
der wol was ze ruome.
swaz mir leides ist geschehen,
sît ich den êrsten bluomen
undr einer grüenen linden flaht,
der winter und sîn langiu naht
di ergetzent uns der besten zît,
swâ man bî liebe lange lît.


»Wir hân die winterlangen naht
mit fröiden wol enpfangen,
ich und ein ritter wol bedâht.
sîn wille derst ergangen.
als wirz uns beide hân gedâht,
sô hât erz an ein ende brâht
mit maneger fröide und liebes vil.
er ist als in mîn herze wil.«


»Ich solde zürnen, hulfe ez iet,
daz du als lange wære.
do ich aller næhest von dir schiet,
sît hât ich grôze swære.
betwungen was daz herze mîn:
nu wil ez aber mit fröiden sîn.
hab ich dich gerne niht gesehen,
sô müeze leide mir geschehen.«


Wart âne wandel ie kein wîp,
daz ist si gar, der ich den lîp
hân gegeben für eigen.
si roubet mich der sinne mîn,
sist schœne alsam der sunnen schîn.
jâ bin ich niht ein heiden:
si sol genâde an mir begân,
und sol gedenken daz ich ir was ie vil undertân.
Waz bedorfte des ein wîp
daz ich sô gar dur si den lîp
verlôs und al die sinne?
si ist sô vaste niht behuot:
iedoch sô dunket si mich guot.
des bringe ich si wol inne.
ez wære an mîner fröide ein slac.
si sol gedenken ob si tœrschen ie bî mir gelac.
»Waz wîzet mir der beste man?
ich habe im leides niht getân:
er fröit si âne schulde.
daz er in hât von mir geseit,
daz ist mir hiute und iemer leit:
er vliuset mîne hulde.
mir wirret niht sîn bœser kîp.
waz half dêr tœrschen bî mir lac? jo enwart ich nie sîn wîp.«


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