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Hermann Conradi (1862-1890) - Gedichte

Hermann Conradi (1862-1890)

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Meine lieben Freunde und Herzgenossen!
»Er sucht in Freundesherzen seine Wohnung
Beharrlich, trotz der Seltenheit des Fundes.«
Dranmor.

Hier habt Ihr mein Buch! Euch gehöre es, weil es zugleich ein gutes und markiges, saftgeschwollenes Stück Eures intimsten Seelenlebens darstellt. Kann ich irgendeinen finden, der diesen harten Herzensfehden näher stünde als Ihr? Der dieser vieltönigen, im buntesten Melodienkranze vorgetragenen Beichte ein seelenvolleres Verständnis, eine feinere, durchgeistigtere Aufnahmefähigkeit entgegenbringen könnte als Ihr? Mit so vielen dieser Lieder und Gesänge ist die große Jugendfreundschaft, die uns ein heiteres und wohlwollendes Schicksal reizvoll und keimkräftig, bildend und blicköffnend, zusammen aufführen und ausbauen ließ, so eng, so untrennbar verwoben und verwachsen! Manche dieser Weisen kennt Ihr wohl auch schon, und Ihr habt in ihr Ausdruck und Wiedergabe gefunden von Seelenspannungen, die uns bis in das Allerheiligste unserer – wir haben es nachgerade erfahren! – andersgearteten Brust aufgewühlt und ergriffen hatten! ...[39] Vieles ist Euch noch neu – ich denke, Ihr werdet Euch auch mit ihm abfinden können, wenigstens bis an die Schwelle heran, die nun einmal auch die treuesten, rückhaltlosesten Herzgenossenschaften zu nur bedingten macht ... Wie viele der köstlichsten Erkenntnisse durften wir gemeinsam aus dem überreich sprudelnden Jugendborne unserer Freundschaft schöpfen! Wie oft haben wir dem Tiefsten und dem Höchsten, so es unter der Sonne und dem Monde und den Sternen gibt, nachgesonnen, mit beherztem Geistesfinger mutig nachgespürt! ... Und mancher Schacht erschloß sich uns, der von edelsten Erzen funkelte, und mancher Hinaufstieg zu freien Sonnengipfeln war uns vergönnt ... daheim, in engem Großstadtgehäuse, und draußen in weiteren Bergbezirken! ... Und Führer und Leitsterne erkoren wir uns, leuchtend und befruchtend, und Arm in Arm mit noch wenigen Herzkameraden durften wir oh! so reiche und ausgebreitete Stätten menschlichen Geisteswirkens nach kostbarem Gewinn durchforschen ...

Ja! Es war eine große und bedeutende Zeit – und die Schatten fliehen zurück und in heiterheller Abendbeleuchtung liegt das verlassene Land unserer Jugend da, meine Freunde, – in satten Farben und scharfen Konturen, das Land, das uns durch eine Ueberfülle streitender und ringender Kräfte zu Männern gereift – liegt es da vor dem halbvertränten Blick des heimwärtsschauenden Jüngling-Mannes ...

So mancher, der mit uns ein Stück gegangen und sich eine kleine oder größere Weile an demselben Gewebe gemüht, hat einen anderen Weg eingeschlagen – immer enger ward unser Kreis und auch wir – auch wir, meine Freunde, die wir dereinst so nahe beieinander saßen und – Ihr wißt es! – emsig und inbrünstig an dem Gespinst unseres Lebens, das uns schließlich heute noch so schnurrig dünkt wie damals, spannen – auch wir sind wohl ein Stück auseinandergerückt und ein jeder hat sich ein eigen Ziel erlesen ... Und doch – Ihr wißt es wie ich! – noch fluten die Ströme der Sympathie in satter Fülle herüber und hinüber – und ich glaube, wir haben eine Bürgschaft dafür, daß wir uns einander nie ganz verlieren werden ... Wohl wandelte sich auch unser Freundschaftswissen zum Freundschaftsglauben mit den Tagen, die das Leben münzte und münzte und mit gleicher Kaltblütigkeit und gleicher Teilnahmlosigkeit hinwarf, sowohl dem freudigen wie dem bekümmerten Sinn – aber sagt: müßten wir mit dem Vergessen und Aufgeben unserer Freundschaft nicht auch zugleich die großen, fruchtbaren Lebensrechte verneinen, welche die Jugend in ihrem stolzen Drange und ihrem kraftstrotzenden Keimtrieb je und je besessen und in Ewigkeit besitzen wird? ...

Nein! Nein! Sind wir auch noch so verschieden voneinander – und wir sind es! – wir haben doch an denselben Brüsten getrunken, unsere Augen haben sich an denselben Zieraten geweidet, unsere Herzen[41] haben sich an denselben Labsalen erquickt und gestärkt, wir trugen gleiche Wunden und Geschwüre – ich denke, es wird einmal mehr sein als die bloße leidige »Gewohnheit«, das uns zusammenhält und weiterführt ...

Erlaubt mir, liebe Freunde, hier sogleich noch verschiedenes andere anzufügen, in der Andeutung wenigstens, das mit dem, was ich gerade Euch kurz und knapp sagen wollte, wenn auch nicht ganz direkt, so doch indirekt zusammenhängt.

Zunächst: Warum »Lieder eines Sünders«?

Diese Bezeichnung nimmt sich beinahe aus, als ob sie die Teilnahme eines stetig nach Pikanterien lüsternen Publikum herausfordern sollte ... Nichts liegt mir ferner als die Sucht, einen literarischen Skandal zu provozieren ... Man hat meinen »Brutalitäten« dieselbe Absicht untergeschoben ... Soll ich das Frechheit oder Dummheit, polizeiwidrigen Blödsinn nennen? Man muß schlechterdings in dieser Welt der Gemeinheit, der allgemeinen Verlogenheit und Charakterverwahrlosung, des brennenden Kampfes ums Dasein, um den Vorrang – man muß da eben auf alles gefaßt sein ... Ich habe meine »Brutalitäten«, über die ich, beiläufig bemerkt, Gott sei Dank! gänzlich hinaus bin, deren Schwächen und Fehler ich vielleicht deutlicher als irgendein anderer einsehe und bedauere, und die ich beinahe lieber nicht geschrieben haben möchte – natürlich nur aus einem Gefühle heraus, das sich bei einem echten, aufrichtigen, redlich strebenden Künstler von[42] selbst versteht! – also dieses verkannte und gemißhandelte Büchlein, dessen Kraft und Gefühlsdrang ich aber nach wie vor aufrecht erhalte, habe ich eben mit dem getadelten Titel gezeichnet, weil sein Inhalt wirklich grell und brutal ist ... Oder hätte ich etwa »Honigbonbons« oder »Sirupspillen« darauf schreiben sollen? ... Es hat manchmal wahrhaftig den Anschein, als ob man in unserem lieben engeren Germanien die derbe Wahrheit in die Düngergrube versenken müßte ... Ich bin nun einmal eine Natur, die auf das geharnischte Zusammenspiel der Kontraste hin gestimmt ist. In meinen Gedichten tritt dieser Zug oft genug deutlich zutage. Die Gegensätze der Zeit in ihrer ganzen tragischen Wucht und Fülle, in ihren herbsten Aeußerungsmitteln zu empfinden: dafür bin ich nun einmal besonders disponiert ... »Wer kann wider seine Natur?«

Doch zum Kapitel des Namens dieses Buches: Er drängte sich mir meiner Entwicklung, meinem ganzen Fühlen und Denken, Dichten und Trachten nach in Kunst und Leben geradezu auf! »Sünde« ... geistige Unfreiheit: ist's nicht eines? An eine Willensfreiheit glauben wir nicht ... Wir besitzen nur eine gewisse Wahl-Freiheit... Allzusehr stehen wir im natürlichen Banne der Vergangenheit, unter dem Zwange der uns vererbten Eigenschaften – der Eindrücke und Einflüsse, in denen sich die einzelnen Stadien unserer Entwicklung darstellen ... Nach den Wünschen und Erkenntnissen der abstrahierenden[43] Vernunft können wir uns so selten willenhaft entscheiden! ... Und darum kann »Freiheit« nur bedeuten: innerhalb der gegebenen Grenzen das Notwendige erkennen! ... Auf das Sichselbstkennen kommt man immer wieder zurück. Jedes einzelne Gedicht aber, sofern es wahr, nicht gemacht ist, illustriert eine gewisse Art des geistigen Seins, erschließt mehr oder minder klar bestimmte individuelle Wesensmomente ... Durch alle Höhen und Tiefen, Verirrungen und Fährnisse, Errungenschaften und Niederlagen führt der Weg ... bis einer schließlich, wenn auch nur bedingt, den Charakter innerhalb seiner Menschlichkeit erkannt hat ... Und hier hebt das kleine Stück vergeistigter Freiheit an, das unser kärgliches, mühsam errungenes Besitzteil! ... Und wie wird heute eine junge, biegsame Menschenseele durch eine blöde, vernunftslose Erziehung, durch einen leidigen, auf ein Dressiermaß zugeschnittenen Schuldespotismus beleidigt, verrenkt und schimpfiert! Wie wird sie gleichsam vor sich selbst in eine Einöde, eine Wildnis gestoßen, aus der sie sich zumeist nur mit den allergrößten Mühen und Kämpfen zurückringen und in eine gesündere Sphäre zurückgewinnen kann! Wie die Verhältnisse liegen, sind am letzten Ende alle diese Konflikte nicht überflüssig, sobald man sie eben – überwunden hat. Sie härten und stählen und machen mannreif ... Aber ein Grauen packt einen manchmal, wenn man bedenkt: wie einfach und klar und leicht doch eigentlich alles sein könnte! ... Es ist schwer, bitter schwer[44] heutzutage ein wenig mehr zu sein, als ein bloßer »Figurant«, wie Gervinus sagt – eben nur ein – Mensch ... Ein jeder ernstere Geist kann sich dank dieser verlotterten und verzerrten, halb mittelalterlich, halb modern kostümierten Anschauungen sein bißchen Menschentum nur va banque erkaufen.

Entweder – oder! ... Der mehr will als Gold und Brot, ist jeden Augenblick in Gefahr, in Abgründe zu stürzen ... Und doch hat ein jeder Recht – ein jeder auf dieses Mehrwollen ... »Glück« und »Zufriedenheit« in engem, herkömmlichem Sinne gibt es für uns nicht ... Die Erkenntnis der Werde-Faktoren stählt zwar, aber sie schmerzt auch – oh so sehr! ... Und wer wollte dafür bürgen, daß er sich nicht von neuem blenden – erniedrigen ließe? Nach Katastrophen, die man überdauert, erreicht man Höhepunkte, Sonnengipfel, Araratsspitzen ... Aber das Leben ist eine einzige Versuchung... Und nur zu leicht wird man seiner Natur untreu. Goethe hatte die gewaltige Erneuerungszeit in Italien, wo er seine Wiedergeburt erlebte, hinter sich, als er seinen »Bürger-General« usw. schrieb – kleine, kleinliche Machwerke, die aus neuen Irrtümern, neuen Kümmernissen und Verkümmerungen hervorgegangen ... Und wenn einer das Ideal, »harmonisch« zu leben, begriffen und annähernd erreicht hat, so war es Goethe ... Aber Bruchstücke – nur Bruchstücke umsäumen unseren Lebenspfad ... Wem das Leben ein Mosaikbild zusammenfügt,[45] das notdürftig Sinn gibt, darf sich glücklich schätzen ... Also:

»Lieder eines Sünders« bedeuten Lieder eines Kämpfers, der sich nicht ganz von der grenzenlosen Gemeinheit des Lebens knechten lassen wollte...

Ich hätte im Anschluß an diese Worte noch mancherlei zu sagen. Es wurmt mich noch so vieles – aber erlaßt mir das heute ... Die Herren Kritiker werden wieder einmal über mich herfallen – sie werden mich zu Tode schweigen oder zu Tode zupfen und rupfen. Das kann mir gleichgültig sein. Wer diesen Kampf um die innere Freiheit, von dem mein Buch Zeugnis ablegt, nicht an sich erfahren; wer nie von der Begeisterung für die höchsten menschlich-ethischen Ideale erfüllt gewesen, der wird in meinen Strophen nur Pathos, Klingklang, manierierte Gedankenbildnerei und ähnliches finden. Ich weiß im voraus, daß ich innerlich das, mit dem ich heute auf den Plan trete, bald überwunden haben werde. Ich hoffe es sogar. Aber ich halte es gerade für ein im besten Sinne des Wortes modernes Künstler-Charakteristikum: daß man voll Inbrunst und Hingebung versucht, die verschiedenen Stufen und Grade des Sichabfindens mit dem ungeheueren Wirrwarr der Zeit schöpferisch zum Ausdruck zu bringen, einseitig trotz aller Vielseitigkeit – vielseitig trotz aller Einseitigkeit ... Wohl wird die Natur mit ihren unermeßlichen Zauber- und[46] Trost-und Gesundungskräften je und je ein Motiv für den Poeten bleiben. Wohl wird ihn die Liebe immer begeistern – – aber auf uns alle, die wir früh auf den Markt geworfen sind, hat der Alltag mit seiner ganzen grausamen Kleinlichkeit abonniert – und ist es nicht gerade das Kleine und Kleinliche, das Gemeine, Gemeinsame und darum Alltägliche, das uns überkrustet, einschichtet, verdorren und verstummen läßt? ... Gewiß ist das ein dem Wesen der Dinge immanentes Moment – aber immanent ist uns auch die Sehnsucht nach der Freiheit – natürlich ist dem Menschen auch sein ideologischer Drang: es kommt nur auf die Intensität der Kräfte an, mit der er sich äußern darf ... Wer sich darum gegen mich wendet, spricht aus einer anderen Sphäre zu mir – aus einer Welt, welche nicht die meine ist – und ich habe immerhin das Recht, ihn ignorieren zu dürfen. Denn ich kann mir nicht denken, daß ein Mensch – ich spreche dieses Eigenlob, das darum nicht »stinkt«, weil es in dieser Verbindung zugleich einen Vorwurf gegen mich enthält, scheulos aus – leidenschaftlicher mit dem Höchsten und Tiefsten gerungen hat denn ich ... Und damit Gott befohlen! Bei Philippi sehen wir uns wieder! ...

Lieder eines Sünders

Inferno

Vanitas! Vanitatum Vanitas!

Im übrigen ist alles Dreck
Und hat wahrhaftig keinen Zweck!
Magst du das Höchste ahnend streifen:
Du kannst nicht deinen Schatten begreifen.
H. C.

Entmutigt sein, wenn alles hofft,
Wenn alles lebt, gebunden –
Ich kenne sie! Ich hab' sie oft
Gefühlt – die bittern Stunden ...
Hermann Lingg.

  • Meine Seele ist traurig
    (Trauer)
  • Meine bebenden Finger halten das blutrote Gold umspannt
    (Gold)
  • Oh, wir sind einsam
    (Erdeinsamkeit)
  • Ich stand auf sturmbestrichnem, granitnem Bergeshaupt
    (Nur ein Mensch)
  • Aus eines Weibes Armen komm' ich her
    (Mitternachts-Vision)
  • Mit metallhartem Rotgelb
    (Im Vorüberfluge)
  • Im Morgengrauen schritt ich fort
    (Verlassen!)
  • Wo seid ihr hingegangen
    (Klage des Jünglings)
  • Schwarze Blätter

  • Sind mir die Schwingen denn gebrochen?
  • Aus des Lebens lebendigstem Wellenschlag
  • So stürze, Moloch der Vernichtung
  • Im Sklavendienst der Lüge
  • Oh! Welche namenlose Müdigkeit
  • Es spiegelt sich das Abendrot
  • Des Lebens buntes Formenspiel
  • Es hat um mich die Einsamkeit
  • In der Entsagung stumpfes Brüten
  • Nach goldumsäumten Tagen –
  • Oh! Daß mir doch ein Etwas – Schicksal – Gott –
  • So hast du denn auch mich bezwungen
    (Liebeserklärung)
  • Ich weiß – ich weiß: Nur wie ein Meteor
  • Im Strudel

    Ich wußte nicht ein, ich wußte nicht aus –
    Da ging ich verzweiflungszermalmt nach Haus ...
    Ich wußte nicht aus, ich wußte nicht ein –
    Da ließ ich die Sünde – Sünde sein.
    E la Mania di cercar perle al lezzo.
    Emilio Praga.

  • Das war ein lust'ges Feiern
  • Du warst so brav, da ich dich einst verlassen
    (Heimkehr)
  • Ob's deine Augen auch verneinen
    (Einem Kinde der Sünde)
  • Es hat die Dirne mich geküßt
    (Das verlorene Paradies)
  • Es flog der Staub, und die Enge zwang
    (Gericht der Nacht)
  • Was frag' ich nach Zeit und Stunde
  • Nicht war mir zu Willen
    (Verkauft)
  • Der frischgedüngte Acker stinkt herüber
    (Herbst)
  • Heim komm' ich taumelnd vom Geschwelg'
    (Sonnenaufgang)
  • Liebe und Staubverwandtes

    Marie Louise
    Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie –
    Ob er ihr auch »Unsterblichkeit« verlieh?
    Doch leider waren Immortellen immer
    Mir ganz verhaßte Frauenzimmer ...
    So wird sie sich zufrieden geben müssen
    Mit dieser Welt von blassen Schattenrissen ...

  • Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie
    (Marie Louise)
  • Trüb schleicht die Zeit und nüchtern ...
  • Die müde schon verglühte
  • Wir gehen so stumm neb'einander
    (Fragment)
  • Du bist nicht schön ... Ich könnte auch nicht sagen
    (Elisabeth)
  • Es ist wohl meine ganz »verfluchte Pflicht
    (Anna)
  • In ein Wirtshaus bin ich eingekehrt
    (Zwischen-Motiv)
  • Da nun die Nächte kamen
    (Frühlingssehnsucht)
  • Wär' ich ein andrer doch und leichtren Sinnes!
    (Ella)
  • Ich wollte dich mit Rosen überschütten
    (Sommerrosen)
  • Du fragst, was mir so herbe, tiefe Falten
    (Marie Louise)
  • Ich liege schlaflos. – Die Gedanken kreisen
    (In schlafloser Nacht)
  • Revolution

    Reich geborne Müßiggänger, die des Lebens wärmster Kuß
    Nicht entflammt zu kühner Sehnsucht, nicht bewahrt vor Ueberdruß,
    Ihr verlacht die heil'ge Flamme, die in meinem Herzen brennt;
    Weiber, Pferde, Histrionen – das ist alles, was Ihr kennt ...
    Dranmor.

  • In flammender Empörung
    (Anathem!)
  • Der Nachtwind heult dir den Totensang
    (Totensang)
  • Kaum dunkelt's – und die nackte Stunde würmt
  • Manchmal ist's mir, als packte mich ein Krampf
    (Empörung)
  • Schon floh die Mitternacht. – Noch aber pocht's
    (Sohn der Zeit)
  • Ich hab' mich jenen je und je gesellt
    (Licht den Lebendigen!)
  • Es liegt die Welt in Sünden
  • Emporstieg

    Nur das ist Glück, wenn alle Fähigkeiten
    Nach hohem Ziel bis auf das Letzte streiten.
    Nur so in äußerm Sturm ist innrer Frieden
    Der rätselvollen Menschenbrust beschieden.
    Karl Bleibtreu.

    Und »Vorwärts durch die Nacht!« heißt die Parole,
    Steigt auch nur einer unter Millionen
    Als Sieger auf des Lebens Kapitole ...
    Dranmor.

    Samstags-Bilder

  • 's ist Samstag. Heilige Stille geht
  • 's ist Samstag. Schwerbeladen kriecht
  • 's ist Samstag. Meine Seele gab
  • 's ist Samstag. Müder Glockenton
  • 's ist Samstag. Nebelumgürtet liegt

  • Es hat sich wilder Tatendrang
    (Zuversicht)
  • Kennst du der Nacht geheimnisschweres Raunen?
    (Stimmen der Nacht)
  • Habe die Nacht verzecht und verpraßt
    (Reue)
  • Oft schweif' ich durch der Menschen Reihen hin
  • Wie wag' ich's nur, mein junger Tag
    (Nachtzauber)
  • Vieles habt ihr voraus, ihr Toten
    (An die Toten im Frühling)
  • Auszog ich: den Muskel gestrafft, den Blick
    (Auf Trümmern)
  • Aus schweren Träumen hob ich mich. – Noch lag gebreitet schweigend, groß
    (Nachtwache)
  • Zur Nacht, zur Nacht an den Wassern ich ging
    (Offenbarung)
  • Das sind die Wogen der Sehnsucht
    (Triumph der Sehnsucht)
  • Es ist so still geworden
  • Nicht mit Trauben, nicht mit Rosen
  • Losgelöst aus eurer Mitten
    (Punktum)
  • Zwischenstille

    Der Verzweiflung schriller Schrei
    Höhnt aus allen Glocken,
    Aber ewig streut der Mai
    Seine Blütenflocken.


    Uferlose Flut des SeinsDunkler Märchenweiher!
    Um mich webt das All und Eins
    Seinen Sternenschleier.
    Karl Bleibtreu.

  • Wie ich mich auf den Frühling freue!
  • Nun wieder in die Seele schlage
  • Von Winternot und Wintergram
  • Wenn der Weißdorn blüht
  • Auf Wald- und Wiesenpfaden
  • Mein Blick, nun weide dich zum letztenmal
  • Ich kehrt' aus engen Gassen
    (Herbstabend)
  • Nun ist die Stunde kommen
    (Abschied)
  • Gipfelgesänge

    Ob nichts den Feuerfraß der Schmerzen kühlt –
    Ob dir kein Gott den Sieg wird gönnen:
    Die Schranken nur, die du ganz durchgefühlt –
    Die
    wirst du überwinden können!

    Ob es in der Seele dunkelt –
    Vom Seienden
    Zum Sollenden, Befreienden,
    Die Poesie als Irisbrücke funkelt.

    Karl Bleibtreu.

  • Freund! Noch sproßt uns die Kraft
    (Wir sind die Sieger!)
  • Wie bist du plötzlich über mich gekommen,
  • Abseits war ich gegangen
  • Die Flut ist nun verbrandet
  • Mein Herz ist voll Sonne
  • Zieh ein, o Schmerz
    (Purgatorio)
  • Es rauscht um mich leis und geheimnisschwer
  • Was mir die Brust so wundermächtig schwellt
  • O köstliche Stille der Einsamkeit
  • Durch meine letzten Tage
  • Nun feiert vom Werke! des Alltags Gelüst
    (Osterpsalm)
  • Ich beuge mich über dich
  • Höhen gabst du mir, Vater, Höhen
    (Gebet auf dem Gipfel)
  • Schaust du die Sterne, vergißt du der Wesen
    (Triumph des Uebermenschen)
  • Fall ab von mir, du gottverfluchte Sünde
    (Wiedergeburt)
  • Durch webenden Nebel ging ich zur Nacht
    (Vollbracht)
  • Das Lebend'ge will ich preisen,
    Das nach Flammentod sich sehnet.
    Goethe.

  • Nun wogt einher in mächt'gem Geroll
    (Triumphgesang der Lebendigen)
  • Gedichte aus der Spätzeit

  • Auch ich – auch ich, in unseligem Drang
    (Gloria)
  • Mein Mütterlein, zu dieser Stund'
    (Der verlorene Sohn)
  • Ganz leise erst, noch in den zartsten Fäden
    (Ein Ende vor dem Anfang)
  • Wie du mich lange, lange verlassen hattest
    (Psalm der Leidenschaft)
  • Nun knospet's in den Linden wieder
    (Noch einmal! ...)
  • Laß fahren, was dich traurig macht
    (Motto zu »Adam Mensch«)
  • Von einem Grabe komm' ich her. – Du weißt
    (Widmungsgedicht zu »Adam Mensch«)
  • Vergessen können – ja! Das ist die Kunst
    (Das Ende vom Liede)
  • Wie gerne lass' ich von der ersten Sonne
    (Erste Sonne)
  • Am Donnerstag kam Meta in die Schule
    (Meta)
  • Im fremden Gasthofszimmer
    (Nürnberger Tand)
  • Ich war in deinen Kreis getreten, Weib
    (Maria)
  • Wie bin ich nur so jäh hierher verschlagen
    (Heimkehr?)
  • Hast du es einmal schon verspürt?
    (Erlebnis)
  • Verhaltenes Geigengeriesel
    (Erfüllung)
  • Ich flüchte aus dem Marktgedränge
    (Frieden)