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LYRIK Hermann Conradi - Poetische Werke 89

Hermann Conradi (1862-1890)

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Poetische Werke 89

Triumph des Uebermenschen

Schaust du die Sterne, vergißt du der Wesen,
Die zu Füßen unzählig dir wimmeln:
Unter ewigen, ehernen Himmeln
Wirst du vom Reiche der Schatten genesen!

Schicksalgekrümmter
Staubbestimmter!

Raffe mit kühnen Freierhänden
Ihre Rätsel in deine Brust –
Und du wirst in stolzer Lust
Deines Wanderns Fragmente vollenden!

Sterblicher! Sprich mit der Ewigkeit!
Sterne geben dir ihr Geleit –
Brennen auf deinen Scheitel nieder –
Gießen Ströme des Segens aus:
Daseinsfreude hebt die Lider –
Türmet die Quadern des neuen Baus!

Siehe! Unter dem Baldachine
Ewiger Unermeßlichkeit
Heitert sich des Dulders Miene!
Golgathas blutrotes Schmerzenskleid
Färbt sich zu weißem, bläulichem Glanze –
Himmelsprache: köstlich Kristall,
Drin sich erklären die Stäubchen im Tanze –
Draus sich enthüllt das erlösende All!

Sterblicher! Hüte den Schatz, den einen,
Drin sich Leben und Tod vermählt –
Drin sich Sünde und Gnade vereinen –
Und deine Schmerzen sind gezählt!

Sterblicher! Deine Schmerzen verfliegen –
Deine Tränen saugt der Sand:
Ueber die Kleinheit wirst du siegen,
Da dich die Größe übermannt!

Glaubst du den Sternen, vergißt du der Schatten,
Die dir zu Füßen in Knäueln sich winden:
Die sich der Kraft nie verloren hatten,
Werden in der Kraft sich nie wiederfinden!

Lieder eines Sünders 89 Gipfelgesänge 14

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