Burggraf von Rietenburg (Mitte des 12. Jahrhunderts)


»Nû endarf mir nieman wîzen
ob ich in iemer gerne sæhe.
waz frumte, ob ich von zorne jæhe
daz mir sî iemen alse liep?
ich lâze in durch ir nîden niet.
si fliesent alle ir arebeit:
er kan mir niemer werden leit.«

Mir gestúont mîn gemüete
nie sô hôhe von ir güete,
sît ich hân von rehter schulde
alsô wol gedient ir hulde.
ich fürhte niht ir aller drô,
sît si wil daz ich sî frô.
wan diu guote ist fröiden rîch,
des wil ich iemer fröwen mich.


Diu nahtegal ist gesweiget
und ir hôher sanc geneiget,
die ich ê wol hôrte singen:
doch luot mir sanfte guot gedinge,
den ich von einer frowen hân.
ich wil ir niemer abe gegân
und biut ir stæten dienest mîn.
als wil ich iemer mêre sîn.


Ich hôrte wîlent sagen ein mære,
daz ist mîn aller bester trôst;
wie minne ein sælekeit wære
unde harnschar nie erkôs.
des möht ich werden sorgen lôs,
ob si erbarmen wil min swære.
got weiz wol daz ich ê verbære
iemer mêre alliu wîp
ê ir vil minneclîchen lîp.
den willen hân ich lange zît.


Sît sich verwandelt hât diu zît,
des vil manic herze ist frô,
sô wurde erværet mir der lîp,
tæt ich selbe niht alsô,
der betwungen slât.
noch ist mîn guot rât,
daz ich niuwe mînen sanc.
ez ist leider alze lanc
daz die bluomen rôt
begunden lîden nôt.


Sît si wil versuochen mich,
daz nim ich für allez guot.
sô wirde ich góldé gelich,
daz man dâ brüevet in der gluot
und versuochetz baz.
êst bezzer umbe daz,
lûter schœner unde clâr.
swaz ich singe, daz ist wâr.
glüet ez iemer mê,
êst bezzer vil dan ê.


Sît si wil daz ich von ir scheide,
dem si dicke tuot gelich,
ir schœne unde ir güete beide
die lâze si, sô kêre ich mich.
swar ich danne landes var,
ir lîp der hœhste got bewar.
mîn herze erkôs mir dise nôt.
senfter wære mir der tôt
danne deich ir diene vil
und si des niht wizzen wil.


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