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LYRIK Heinrich Christian Boie - Poetische Werke 111

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

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Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

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Hart, Julius

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Rückert, Friedrich


Heinrich Christian Boie (1744-1806)

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Poetische Werke 111

Der Schuhknecht

Vor allen Dirnen so flink und so glatt
Lacht mir die lachende Lore.
Vor allen prunkenden Plätzen der Stadt
Prunkt mir der Winkel am Thore.
Des Hofes Dame, wie schmuck sie sich macht,
Mit nichten gleicht sie der Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Ihr Vater hockt in dem Stübchen und flicht
Aus Eggen warme Pantoffeln.
Die Mutter, gibt es Kastanien nicht,
Verkauft am Markte Kartoffeln.
So brav erzogen, so eben und sacht,
Ward nie ein Mädchen als Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Kömmt sie getrippelt das Gäßchen herab,
Dann wird mirs blind vor den Augen;
Doch schallt im Haus ihr behendes klipp klapp,
Nicht Stich noch Naht will mir taugen.
Der Meister schmunzelt – doch hab er Verdacht,
Ich sei erpicht auf die Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Vor allen Tagen der Woche behagt
Der Tag behaglicher Ruhe.
Da wird ein Sprung in das freie gewagt,
Da rasten Stiefel und Schuhe.
Mit Bursch und Mädchen in stattlicher Pracht
Gehts flink zu Dorf mit der Lore.
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Auch schleppt der ehrbare Meister mich wohl
Am Festtag mit in die Predigt,
Und fegt mich wacker beim dampfenden Kohl,
Hab ich des Zwangs mich entledigt.
Doch halt er immer die geistliche Wacht,
Ich Weltkind schleiche zur Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Tritt Weihnacht wieder einmal ins Land,
Dann strozt von Geld mir die Ficke,
Das mir zum Rocke die Mutter gesandt,
Und Ihr ins Händchen ichs drücke.
Ja höb ich Schätze vom Satan bewacht,
Die Schätze flögen zur Lore!
Bei Tag ist Sie mein Gedank und bei Nacht
Und wohnt im Winkel am Thore.

Mein Stündlein kömmt daß ich fort in die Welt
Nach Handwerksordnungen wandre,
Und drauf als redlicher Mann für mein Geld
Herr Meister werde wie andre.
Dann wird getraut in der neuesten Tracht,
Dann wird Frau Meisterin Lore,
Dann gehts juchheissa bei Tag und bei Nacht,
Nicht mehr im Winkel am Thore!

Ausgewählte Gedichte 111

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