L Y R I K
Johannes Bohne (1862-????) - Gedichtzeilen

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Johannes Bohne (1862-????)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Gedichtzeilen

  1. Genrebilder 1
  2. Genrebilder 2
  3. Te deum laudamus! –«
  4. Te deum laudamus!«
  5. Te deum laudamus!«
  6. Te deum laudamus!«
  7. »Te deum laudamus.«
  8. Ach, mit jedem Strich vom Bogen
  9. Ach, vermodert sind die Jungen,
  10. All' die Dirnen, bald sie liegen
  11. All' die Mädel mit den Jungen
  12. Als der Leib dir in zuckenden Schmerzen hing,
  13. Als dir der Blick auf tausend Gaffer sank
  14. Als ob sie nicht empfände. –
  15. Als reines Opfer hin auf den Altar gelegt,
  16. Am Sterbebett: Was war das Leben, rede!
  17. An deinen zerrissenen Zügen.
  18. An dem ewigen Felsen, dem Menschenrecht,
  19. An dem weißen Kleide
  20. An der Säule, und es gleiten
  21. Auch meine Lippen hatten einst
  22. Auch meine Seele hatt' ich einst
  23. Auf deine Tröstermiene starrte,
  24. Auf dich in Todespein starrend;
  25. Auf ihren Knieen lag –
  26. Auf seinem Lager niederrang,
  27. Aufeinander die Zähne gebissen,
  28. Aus deiner Flammenschrift, da lass' mich lesen
  29. Aus dem jubelnden Schwarm und dem lärmenden Fest –
  30. Aus den Mienen das tägliche Lügen,
  31. Aus der alten Fiedel dringen
  32. Aus der mitleidgefolterten Seele!
  33. Aus der Welt des Taumels, der üppigsten Lust,
  34. Aus des glühenden Weibes weißen Arm,
  35. Bart, dem unter busch'gen Brauen
  36. Berauscht mich auch der Duft der süßen Lüge,
  37. Besudelst.
  38. Bis endlich der Vorhang sich rauschend erhebt,
  39. Blutroth –
  40. Da bohrt sich ihr Blick
  41. Da griff es mich mit Geistermacht
  42. Da hatten sie eingewirkt
  43. Da sah ich die Züge,
  44. Da stand'st du, und über dein Antlitz schlich
  45. Da steht sie, seht, und rührt sich nicht –
  46. Da waren sie dein, ein weicher Thon
  47. Dahinjagst unter Donner und Zerstörung,
  48. Dahinter rasen die Dämonen.
  49. Danach und traut der Hoffnung ros'gen Schimmern,
  50. Dann jauchzt dir zu mein heißes, brünstiges Beten;
  51. Das auf die weißen Schultern niederwallt,
  52. Das blutet vom Dorne des Elends, der Schmach,
  53. Daß du die reinste Gabe,
  54. Das große Weltgedicht von Uranfang gewesen,
  55. Das heil'ge Lied erhoben
  56. Das heißt ein Leben, das sich selbst erneut.
  57. Das Herz, das den Kreuzestod tausendmal litt –
  58. Das ist der Gott, der strafet und lohnt,
  59. Das Leben ist schön, ein Scherzen, ein Singen,
  60. Das Liebste seinem Herzen,
  61. Daß meine Lippen nicht zu stammeln brauchen:
  62. Daß mich ein Weib gebar? –
  63. Daß nicht, wenn ihr mich einstens fragt
  64. Das staunend nur an diesen Reigen hing,
  65. Das waren blutige Male
  66. Das wesenlos vor trunk'nen Blicken schaukelt
  67. Das wollte nimmer genesen. –
  68. Dazu geweiht! –
  69. Dein großer Ruf, dein schweres Grollen,
  70. Dein höchster Gott,
  71. Dein kündender Prophet,
  72. Dem Herzen schwand, was feige es durchzittert
  73. Dem stillen Rausch der Hoffnung
  74. Den Dank dir die Kränze, der jubelnde Chor,
  75. Den Donner im Mund, auf der Stirne das Mal.
  76. Den heil'gen Taumel,
  77. Den hüllenden Schleier vermessen.
  78. Den kahlen Hut in der zitternden Hand;
  79. Den Pilgerstab, die Krücke, zerbrecht
  80. Den seines Herzens Fluch
  81. Den Weg kann keines Ird'schen Fuß beschreiten,
  82. Den Weihrauch hoch gen Himmel zieh'n
  83. Den wilden Schwarm der Furien, die noch keinen ließen,
  84. Den Zorn des Ew'gen in die Wolken funkelnd schreiben
  85. Der Augen, die sich in das Herz mir senkten,
  86. Der Beifall rauscht durch das volle Haus,
  87. Der du mit schwarzem Fittig durch die Nächte
  88. Der eherne Todesbote,
  89. Der falte die Hände nur gläubig im Schooß
  90. Der gläubigen Menge, die Gebet lallend
  91. Der Gott, der uns nicht straucheln läßt,
  92. Der grimmer wie Pest – ein elender Wahn.
  93. Der hinan uns führt, so sicher und fest
  94. Der in den Ketten schmachtet, durch die Seele hegt,
  95. Der Kindheit, die zum ersten Mal
  96. Der Kranz grub sich in deine Stirn,
  97. Der Kunst – was ist's, daß ich's hehle –
  98. Der mit Entsetzen hoffnungslos
  99. Der müden, duftigen Sommernacht –
  100. Der so leis um den Hals sich, so weich und so warm,
  101. Der Taufe –
  102. Der uns im eigenen Busen wohnt,
  103. Der Vorhang fiel und mit Donnergebraus
  104. Der weite Platz ist dicht gedrängt
  105. Derweil das Herz sich enge mir
  106. Des belebenden Schöpferhauchs harrend.
  107. Des Künstlers lebendige Seele.
  108. Des Todes harter Arm
  109. Dich, dessen einz'ger Blick den Tod mir brächte,
  110. Die alabasterweiße,
  111. Die alle Schöpfung singt und Menschenzungen lallen.
  112. Die dich beweinten,
  113. Die dir je geboten,
  114. Die dunklen Augen blicken
  115. Die Geliebte mußt' aus den Armen ich lassen,
  116. Die Grauen vor mir selbst mir in die Seele gießen.
  117. Die grimmen alten Lieder lass' im Donner hallen,
  118. Die jauchzenden Stimmen dir bringen.
  119. Die Lippen zucken und die Wangen blöde
  120. Die Riesenfaust, in der die Blitze ruhten,
  121. Die Schmerzenslust am Sein bei deinem Wehen,
  122. Die Schöpfung hat erweckt aus ihren Träumen
  123. Die schrägen, gelben Sonnenstrahlen
  124. Die Seligkeit in deinem Athem zu vergehen.
  125. Die Sichel durch die vollen Saaten gehn. –
  126. Die Sonne feiert bald blutroth ihr Auferstehn. – – –
  127. Die sonnigen Tage, die heiteren Stunden,
  128. Die Stimme in flammenden Tönen.
  129. Die uns All'n die Seele weiten.
  130. Die vergilbt von Sturm und Wetter.
  131. Doch draußen die Stirn, so kalt wie Granit,
  132. Doch nie verstanden.
  133. Doch wir fühlen die Kraft und wir stürmen hinaus
  134. Dort an dem Kreuze mit der Dornenkrone
  135. Du gabst mir den gewalt'gen Vatersegen
  136. Du gabst uns allen das stahlharte Kleid,
  137. Du großer Tag, du kamst für mich zu spät.
  138. Du heilige Liebe, du hast uns gefeit,
  139. Du kanntest wohl das Menschenherz
  140. Du Riesengeist, du fühltest dich allein!
  141. Du sahst den fahlen Jammerblick,
  142. Du strahlendes Kleinod hervor, nur hervor!
  143. Du triebst uns den lebenden Athem heraus
  144. Du wußtest, was den Armen quält,
  145. Du zerrst es nieder
  146. Du zogst an mir vorbei mit grellen Schlägen
  147. Dunkel wie Nacht –
  148. Dunkle Augen schmerzlich flammen,
  149. Durch das athemlos stille Geschlecht da ging
  150. Durch die Fluthen flammender Leidenschaft
  151. Durch die Wogen der Schmerzen, das Meer der Lust –
  152. Durch spitze Fenster fielen
  153. Durchfurcht von der Stürme gewalt'gem Beharr'n.
  154. Ein duftiger Frühlingssonnenglanz!
  155. Ein Hoch dem holden Juwele!
  156. Ein Kreuz darauf –
  157. Ein Lächeln von dir – und ich traute ihm ganz.
  158. Ein leises, bebendes Stöhnen,
  159. Ein letzter Blick –
  160. Ein Necken, ein Kosen, Gewinnen, Gelingen,
  161. Eine weiße Gestalt,
  162. Einsam ist er dann geblieben,
  163. Er, der im Kampf uns aus eig'ner Hand
  164. Erbrause Sturm, die heiße Stirn mir kühle,
  165. Erbrausen muß sie im Sturmesweh'n,
  166. Ergeben hin.
  167. Erglänzt auch in purpurnem Sterben die Welt.
  168. Erhör' mich, Geist des Sturms, bann' mir das kranke Zagen. –
  169. Erlösung aus dem Labyrinth!
  170. Erlösung für meinen Geist
  171. Es leise, das gluthendurchlohte. –
  172. Es ruhten so heilig die Augen gebannt
  173. Es war ein Weib,
  174. Fern deine Wolken starr'n wie eis'ge Bergeshöh'n ...
  175. Finger an das Griffbrett packten,
  176. Fleh' ich um gnädige Erhörung!
  177. Flog mir ein Hauch
  178. Gab mich noch einmal
  179. Ganz waren sie dein; es erblaßte und schwand
  180. Gebrochen mein Herze und wie mein Wamms
  181. Genießt der Früchte, die am Lebensbaume
  182. Gesenkt in den Wahnsinn des Schmerzes erblich
  183. Gibt man dir das Glück –
  184. Gibt man dir den Himmel,
  185. Gieb mir von deiner Kraft, lass' mich zertreten,
  186. Glitt über die verhärmten Wangen hin –
  187. Goldene Strahlen spinnt.
  188. Greift ihr danach, es schwindet, es zerrinnt
  189. Habe die Augen ihr zugedrückt.
  190. Hei, wie die Blitze zucken durch die Nacht,
  191. Hell flimmernd einen gold'nen Ring –
  192. Hervordrängt aus den festen Stricken,
  193. Hier brechen wir kühn mit erhobener Brust
  194. Hier stehe ich! Wie meine Haare fliegen
  195. Hier unten ist Hölle uns und Paradies.
  196. Hin durch den Leib, den müden, zieh'n,
  197. Hin im Tanz, dem toll bewegten.
  198. Hin nach feur'ger Weise Takten.
  199. Hinaus aus meines Zimmers dumpfer Schwüle!
  200. Hinsterbenden Gesängen –
  201. Hinweg reißt's uns – aus den Sälen der Pracht,
  202. Hörst du des Herzens wildgepreßtes Aechzen,
  203. Ich blickte auf –
  204. Ich folge meines Herzens warmem Schlag
  205. Ich fühl' sie sich in mir und um mich bäumen,
  206. Ich hab's von den purpurnen Lippen gesogen,
  207. Ich habe verschachert – jetzt bin ich erwacht –
  208. Ich irre, ich strauchle –
  209. Ich kniete am Altar inmitten
  210. Ich kostete noch einmal
  211. Ich nutze alles, was das Leben beut,
  212. Ich sah noch einmal dir den Kampf
  213. Ich sink' nicht müde hin, ich bleibe wach.
  214. Ihr in dem weichen Gelock,
  215. Ihr tauft mit Blut,
  216. Ihr treuen Jünger eures Herrn? –
  217. Im dämmernden Hauche, dem alles erliegt,
  218. Im Sturm zerflattert, euer Ruhm verklingt.
  219. Im Sturme des Lebens, durch Kummer und Weh,
  220. Im üpp'gen Licht gereift, laßt ab vom Traume,
  221. Im wüsten Leben, im Taumel der Lust,
  222. In deiner Laster Unverstand;
  223. In dem sie zieht und schleppt und lebt
  224. In den düsteren Augen den blitzenden Strahl,
  225. In den nerv'gen Armen, fliegen
  226. In den Schwarm den wild bewegten,
  227. In die Wangen sich gegraben,
  228. In duft'gen Wolken.
  229. In Gluthen getaucht mag die Welt uns vergeh'n,
  230. In lärmendem Hoch sie und wildem Applaus
  231. In seinem Fühlen, seinem Hasten
  232. In seinem Wollen, seinem Ahnen,
  233. In strömendem Beifalls-Schreien,
  234. In Wetter und Sturm sich erhub und erstand.
  235. In wildem, brausendem Umfangen.
  236. Ist der Gott der Freiheit, der Gott der That,
  237. Ist's, was uns lockt in kindlichem Drang
  238. Jahrtausende lang mit blutigem Zahn,
  239. Kahler Mantel hüllt die Glieder,
  240. Kaum lächeln können still verzagt.
  241. Kein lachendes Thal von Glückseligkeit,
  242. Kein lockendes Eiland, von Palmen umsäumt,
  243. Kein wonniges Eden der goldenen Zeit
  244. Kommen Töne angezogen,
  245. Langhin fällt sein Haar hernieder,
  246. Laß erklingen deine Saiten!
  247. Lass' fühlen mich das wunderbare Grauen,
  248. Laßt sie in reinem Purpur niedertauchen,
  249. Lockt er's junge Dorf zusammen.
  250. Lustig, lustig, alte Fiedel!
  251. Mark'ge Striche ob den Saiten,
  252. Mein wundes Herz in der todtkranken Brust,
  253. Mich hungert und friert an der kalten Wand
  254. Mir in das Herz,
  255. Mir in die Seele drangen –
  256. Mir in die Seele stehlt
  257. Mir war's als träfe mich ein tiefes Leuchten
  258. Mir war's, als könnt' ich alles fühlen,
  259. Mit dem flammenden Haupte zum Kampfe, zum Strauß,
  260. Mit denen sie an's Kreuz geschnürt.
  261. Mit der Freude süßem Sirenengesang.
  262. Mit innig jauchzendem Herzen
  263. Mit jenen unschuldsvollen
  264. Mit purpurrothen Spuren.
  265. Mit Schmerzen ringen, mit den Freuden kosen
  266. Nach leichtem Glück –
  267. Natur ist Sünde – –
  268. Nein! – Sünde – wider die Natur –
  269. Nein, laßt davon in eurem wilden Drang,
  270. Nicht in dem lähmenden Joche mehr hinken,
  271. Nicht konnt' ich euch halten, nicht wieder fassen,
  272. Nicht Leben, du hatt'st es vergessen,
  273. Nick' mir Gewährung mit den finstern Brauen,
  274. Noch der Schmerz, der das Herz ihr zerrissen –
  275. Noch einmal durch die Seele,
  276. Noch nimmer hatte das Glück mir getrogen,
  277. O gieb mir Frieden, süßen Sturmesfrieden,
  278. O lass' es länger nicht nach Liebe lechzen
  279. O Liebe, begötternde Liebe!
  280. Ob seiner Menschheit nicht'gem, blassem Treiben.
  281. Opfersang – Weihrauchduft –
  282. Rothe Zeichen –
  283. Scherzen, Lachen, Kichern, Singen
  284. Seiner Dirne munt'res Liedel?
  285. Sich glätten, und ein leises Lächeln
  286. Sich schüchtern Gottes Altar naht,
  287. Sie konnten nicht lassen die Blicke davon
  288. Sie zögert – nicht will sie sich zeigen,
  289. Sieh draußen das Gewitter thronen!
  290. Sieht er des Schicksals ehernen Schritt
  291. Sing dein neckisch Zauberliedel,
  292. So bald, wie der zerborst'nen Glocke Wimmern
  293. So fest, wie mit ehernen Banden sich schmiegt,
  294. So küsse mir vom Aug' die grauen Sorgen
  295. So nackt – so bloß – o die glühende Scham –
  296. So still, wie die Felsen zum Himmel starr'n,
  297. So stirbt dein Held,
  298. So unberührt und unbefleckt.
  299. So war's in Traum von der hehren Macht
  300. So wie ein Thier, das nichts genießt,
  301. Soll'n den lebendigen Odem wir trinken,
  302. Steht der Spielmann da im grauen
  303. Taumel griff beim Zauberklange,
  304. Teufelsfratzen grinsen mich an –
  305. Thränenlos – seelenlos –
  306. Tiefgezog'ne Furchen haben
  307. Troff es wie Blut –
  308. Um sein versunken Eden weint.
  309. Um's Haupt dir schüttelst, hoch umwittert,
  310. Umwogten mich, und holde Knabenstimmen
  311. Und athemlos lauschendes Schweigen.
  312. Und banne mir des Herzens Eumeniden,
  313. Und bluten wie aus tausend Malen.
  314. Und deine Wunden flossen noch einmal
  315. Und deine Züge lebten noch,
  316. Und deines Athems Hauch mich noch umwittert –
  317. Und dichter wirbelten die Weihrauchwolken
  318. Und Disteln von Dornen gelesen!
  319. Und drunter das Herz mit dem zuckenden Schlag,
  320. Und ein'ge nur,
  321. Und eng sich fürchtend um die Schläfe schmiegen!
  322. Und er sich wand – –
  323. Und es faßt sie ein Ekel und wilder Gram
  324. Und es raunt ihr zu: 's war blendender Schein,
  325. Und es zuckt so mild durch ihr brennend Gesicht
  326. Und Flammen sah ich gierig lecken
  327. Und Flammenschein und Sturmestosen –
  328. Und flechten in den Dornenkranz die Rosen,
  329. Und flieht in unermeßlich ferne Weiten,
  330. Und für mein wehes Herz! –
  331. Und getauscht dafür ein die Schande der Welt –
  332. Und gold'ne Träume vor die Seele gaukelt
  333. Und Gottes gnädige Sonne
  334. Und halte mich an deiner Brust geborgen
  335. Und Hoffnung mir dem Hoffnungslosen?
  336. Und höher rannte die Flamme
  337. Und höher stieg der Weihrauchduft empor
  338. Und in das Gewand,
  339. Und kose mir die glühenden Wangen,
  340. Und lalle und stammle von seligem Loos!
  341. Und lauter wird der heilige Gesang
  342. Und mit uns sinkt auch die Welt in den Staub
  343. Und nimmer an ew'gen Gebilden mehr webt. –
  344. Und nimmer deinen Geist aus ihren Tiefen lasse.
  345. Und nimmer euer glühend Sehnen stillt.
  346. Und oben an dem Kreuze stand
  347. Und öffnete mir das blöde Auge,
  348. Und reißt sie aus träumendem Wähnen –
  349. Und schwellende Orgeltöne
  350. Und sein Hut, der ist nicht glätter;
  351. Und sein Liebstes ward die Fiedel!
  352. Und sie dreh'n sich fest umschlungen,
  353. Und such' in mir und meiner Kraft Genüge,
  354. Und von dem süßen Bangen
  355. Und was auch die Kindheit uns lockend verhieß,
  356. Und was dem Unglücklichen,
  357. Und was den Menschen packt und schüttelt,
  358. Und wie das gewaltige Haus auch erbebt,
  359. Und wie mir's gedämmert, so kam's, so kam's,
  360. Und wieder sah ich Opferdüfte wallen,
  361. Und wird der zehrenden Flammen Raub –
  362. Und wo ist zuletzt erklungen
  363. Und woben um das Haupt dir
  364. Und züngeln roth sich höher –
  365. Vermummte Gestalten –
  366. Verschleppt und mühsam sorgendem Fleiß,
  367. Verspielt, verjubelt mein Glück und mein Geld
  368. Vom erdrückenden Joch sich befreien.
  369. Vom Volk, das liebt ja Schaugepränge –
  370. Von Schmerzen eben noch verzerrt,
  371. Von unten hoch,
  372. Vorbei am Abgrund, auf steinigtem Pfad,
  373. Wanderdrang hat sie getrieben,
  374. Wann einst verweht des Namens letzter Klang.
  375. War das ein Kämpfen, ein Ringen!
  376. Was auch das Herz erhofft, das Hirn ersinnt.
  377. Was bist du Mensch für ein Gewürm,
  378. Was du erlebt, da du am Kreuze hingst,
  379. Was er gebaut, entraffen
  380. Was ihr entgegentrat, voll Wuth zersplittert –
  381. Was ist der Ruhm? Ein luftig Traumgebild,
  382. Was kann mich erquicken, was letzen?
  383. Was meine Seele hemmt, die Götzen mich zerschlagen!
  384. Was müht ihr euch, ihr Durstigen, und ringt
  385. Was nicht mit eig'nem Safte erst zersetzt. – –
  386. Was zogst du auch von dem innersten Sein
  387. Wenn das Aug' uns der letzte Strahl erst erhellt
  388. Wenn deine Blitze zucken, Donner rollen.
  389. Wenn des Spielers dürre, lange
  390. Wenn du der Locken wall'nde Fluthen
  391. Wenn ihn, den Sterbenden,
  392. Wenn meines Lebens Sonne untergeht,
  393. Wer still sein Leben in altem Geleis
  394. Wie blut'ge Zähren, die ein Gott
  395. Wie ein entfesselt Meer
  396. Wie es erzuckt von alten Qualen?
  397. Wie eure, die ihr euch
  398. Wie ihrer Glieder duft'ge Weichheit
  399. Wie meine Brust sich weitet, daß sie ganz dich fasse
  400. Wie plötzlich sie mit jäher Flammenpracht
  401. Wie schön das Weib ist,
  402. Wie sind sie so hastig dahingeschwunden –
  403. Wie Sonnenstrahl in eis'ge Gruft – –
  404. Wie war doch so wenig im Leben geglückt:
  405. Wie's der Dichter in seligen Träumen sich träumt,
  406. Wo die lüsternen Blicke mich höhnen. –
  407. Zerrissen in Lumpen und Fetzen!
  408. Zieht uns die heil'ge besel'gende Kraft –
  409. Zu Boden treten unerbittlich,
  410. Zu Noth und Elend und Todeswust –
  411. Zu trocknen die Thränen, die bitter erpreßt
  412. Zum reinen, wolkenlosen Himmel,
  413. Zum Schiff die Sinne bannend.
  414. Zur Fahrt auf der Schmerzen wildwogende See,
  415. Zusammenpreßte in der Brust
  416. »Gott der Liebe, Gott der Liebe!
  417. »Gott der Liebe, Gott der Liebe!
  418. »Gott der Liebe, Gott der Liebe!
  419. – Das schmerzte. –
  420. – Die Flammen prasseln
  421. – Doch war das Sünde,
  422. – Es naht ein Zug –
  423. – Und einen Scheiterhaufen sah ich hoch gerichtet,
  424. – »Gott der Liebe, Gott der Liebe!


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE