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LYRIK Aloys Blumauer - Poetische Werke 129

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Aloys Blumauer (1755-1798)

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Poetische Werke 129

Auf den Hochw. Großm. von B*n

Als die Loge zur w.E. dessen Geburtsfest den 26sten December 1784 feierte.

In jener alten, gold'nen Ritterzeit,
Wo jede That der Edeln lauters Gold,
Gediegen jedes Wort, und wie im Feu'r
Geprüft der Ritter Brudertreue war,
Da lebt' ein edler Ritter, groß an Geist,
Doch grösser noch an Herz; sein Wandel war
Gerade wie sein Speer, und seine Redlichkeit
So fest und undurchdringlich wie sein Schild.
Der Ritter ohne Tadel war und hieß
Er überall, und dieser Name galt
Ihm mehr, als der, den ihm, von Ahnen schwer,
Sein Vater hinterließ. Wohin er zog,
Da schwand des Armen Noth, da wandelte
Sich der gedrückten Unschuld Thränenblick
In Lächeln um, und wo er wegzog, scholl
Der Wittwen und der Waisen Dank ihm nach.
Nie sah man Rittertugenden
In einem schönern Bund, und wer ihn sah,
Der zweifelt', ob der Ritterorden ihn
Mehr ehre, oder er die Ritterschaft.
Der Name dieses Ritters, ob er gleich
Das, was er Gutes that, so wenig als
Die Rüstung, die er trug, in's Auge schimmern ließ,
Verbreitete sich bald von Ost bis West,
Und zog der Edlen und der Grossen viel
Aus allen Landen her zu diesem Mann,
Um unter ihm zu lernen Ritterdienst,
Zu üben jede schwere Ritterpflicht,
Und fänd' er sie bewährt – von seiner Hand
Den Ritterschlag zum Lohne zu empfah'n.
Der Retterzug war einer Wallfahrt gleich;
Man wollte hin um seinen Ritterschlag,
Wie in's gelobte Land, und mancher Fürst,
Der um zwölf Stufen – freilich nur von Holz –
Sonst höher war als and're Sterbliche,
Der kniete willig vor den Ritter hin,
Und fühlt' es in dem Augenblicke tief,
Daß, trotz dem Fußgestell von Holz, der Mann,
Vor dem er auf den Knien lag, um mehr
Als einen Kopf doch grösser sei als er.
So sammelten der edlen Ritter viel
Sich um ihn her, ein auserles'ner Kreis
Von edlen Kämpfern für der Menschheit Wohl,
Groß an sich selbst, doch grösser noch durch ihn:
Und so entstand der schönste Ritterbund,
So schön als Artus selber keinen sah,
Ein Bund, um den ihr unauflösbar Band
Die Liebe schlang, nicht lösbar selbst dem Tod.
Denn als der edle, grosse Ritter einst
Im letzten Kampfe für sein Vaterland
Zwar siegte; aber auf dem Kampfplatz blieb,
Und dann der Feind im Fliehen noch des Leib's
Des Ritters, den auch er in Ehren hielt,
Als eines Kleinod's sich bemächtigte,
Da gingen seine Waffenbrüder all'
Zum Feind hinüber als Gefangene,
Und lösten mit des Lebens Freiheit nun
Den Leichnahm ihres todten Führers aus. –
So lebt' und handelte der grosse Mann:
So liebten seine Waffenbrüder ihn.
Lang segnete die Nachwelt noch den Bund
Der Edeln, den er schuf, und wer noch itzt
Sich einen ächten Ritter denkt: – denkt ihn.

Seht, Brüder! hier das Bild von unserm Bund.
Er, der die meisten hier in unserm Kreis
Zu Rittern schlug, er ist uns allen das,
Was Bayard seinen Rittern war, und mehr.
Er ist's, nach dessen Beispiel jeglicher
Aus uns die Wahrheit, die allein der Weise liebt,
Zur Dame seines Herzens sich erkohr,
An dessen Hand wir manches Abentheu'r
Mit Ungeheuern mancher Art besteh'n.
Er ist's, der uns die bösen Drachen all',
Die an dem Thor der eingekerkerten
Und festverschloss'nen Wahrheit Feuer spei'n,
Bezwingen, und die Schöne, die zum Raub
Des Stärkern ward, ihm abzukämpfen lehrt.
Er ist's, durch den des Riesen Vorurtheil –
Und käm er auch im ält'sten Ritterschmuck
Auf uns herangerannt – nicht schreckt; denn er,
Er lehrte uns, wie man in Schimpf und Ernst
Mit Ehren für die Wahrheit Lanzen bricht.
Er ist's, der uns zum Dienst der Menschheit nur
Zu Rittern schlug, doch nicht zu irrenden,
Die Donquichotisch auf gerathewohl
Nach Abentheuern zieh'n, und Gespenstern bald
Zu Rittern werden, bald am gold'nen Vließ.

D'rum auf, ihr Brüder! segnet dankbarlich
Mit mir den Tag, der diesen selt'nen Mann
Der Welt, der Menschheit diesen warmen Freund,
Und uns den theuern, grossen Meister gab!

Freimaurer-Gedichte 5

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