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Karl Bleibtreu (1859-1928) - Gedichtzeilen

Karl Bleibtreu (1859-1928) - Gedichte

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Gedichtzeilen

  1. Bleib du ein Gott, ich bleibe doch – ein Mensch!
  2. Der Geist Samuels:
  3. Fliegt durchs Gestreuch an der »gelben Bai«,
  4. Gott wider Mensch, wie einst an Jaboks Furth.
  5. Saul:
  6. Aber Gottes Gnad' und Güte
  7. Ach, die Erinnerung als Alpenglühen
  8. All deine Gedanken – um zu zerschellen.
  9. Alle sie: »Es ist kein Gott!«
  10. Als Blitzstrahl der Begeistrung nieder.
  11. Als religiös-prophetisch nimm nur die Dichterthat an!
  12. Als wär' es gestern. Letzte Offenbarung! –
  13. Also seine Gnade schaltet
  14. An Harmonia's Bucht:
  15. Auch ihr seid ruhelos und zittert droben
  16. Auf Damascener-Stahl ist eingeprägt
  17. Auf den Lebenspfad dir streut.
  18. Auf des Windes Fittich tragen.
  19. Aus den Annalen der Vergangenheit.
  20. Aus Gottes Hand! Die tanzende Bewegung
  21. Aus seinem flammenden Schweif.
  22. Aus seiner Schwinge der Simurg geweiht:
  23. Begeistrung, Genius, Thatkraft – bald sich wälzen.
  24. Beraubt der stolzen Selbstgerechtigkeit,
  25. Beredsamkeit, im Auge Friedensträume!
  26. Bereitet sie dich vor zum Tod,
  27. Berge schmelzen ein wie Wachs
  28. Bin Regenbogen, der sich schlingt
  29. Bin Stab, der zur Erkenntniß führt,
  30. Bin Taube, die den Oelzweig bringt;
  31. Bin Vampyr, der aus wunder Brust
  32. Birgt mich des Herzens tiefste Kammer.
  33. Bis alles Süßen Quintessenz ihr Blut.
  34. Bis auch dies Alpenglühen matt versunken
  35. Bis du zuletzt mit träger fauler Ader
  36. Bis ihre Schmach, ja unsre Schmach gerochen!
  37. Bis ihres Stolzes Tempel niederfiel,
  38. Bist du es, Fürst der Juden? Schaue her!
  39. Bläst und mit dem Blasen trennt
  40. Bleibe mir als Beweis des Sonnenfluges
  41. Da ist's kein Antlitz, das die Mitwelt kennt
  42. Da schallte es wie Orgelklang,
  43. Dafür mir schenkten ihr Gefunkel.
  44. Dahinschleichst: jener allgemeinen Mündung,
  45. Dann sprüh'n die Naphtaquellen empor.
  46. Dann war geschützt ein Jeder.
  47. Darf er dem Aug' des Moses nur allein.
  48. Das auf der Falschheit Schwüre baute.
  49. Das Herz ich weise himmelwärts,
  50. Daß jedes Kind ihn finde –
  51. Das seinen Busen frech dem Mond entblößt,
  52. Das Ueberirdsche brauchst du? Erkennst du denn nicht, Tropf,
  53. Das verdunkelt rings die Welt.
  54. Das wider Gott sich frevelnd aufgebäumt,
  55. Daß wir blühen wie die Blume,
  56. Daß wir ja nur eitel Staub,
  57. Das Wort
  58. Dein Bild nur leuchtet wie ein letzter Funken
  59. Dein Herz, das stets von Siegen nur geträumt,
  60. Dein Wipfel sinkt, du bist verdorrt im Mark.
  61. Dein Zorn hat unsre Nacken tief gebeugt –
  62. Deinen Sonnenwagen, ich will ihn lenken!
  63. Deiner schwarzen Augen Schein.
  64. Dem Busen der Natur.
  65. Dem Goldfink gleich, der so farbenreich
  66. Dem Kinde strahlt als bunter Edelstein.
  67. Dem Mond gleich über's Lebensdunkel.
  68. Dem Verschmachtenden als Wein.
  69. Dem Wesenlosen – dem erliegt das Wesen.
  70. Den alten Fabelgreif;
  71. Den Auserkorenen hat eine Feder
  72. Den Dichter fort durch alle Lebensschranken.
  73. Den Gott meinem Innern verlieh,
  74. Den Himmelsglanz der ewigen Lampe: Liebe.
  75. Den Isthakar-Schatz kann ich heben,
  76. Den Kummer allerwegen.
  77. Den Ort, wo er geflattert dort,
  78. Den rauhen Wald des Lebens und es wehen
  79. Den Schlachtruf, den ich jetzt gen Himmel schleudre:
  80. Denn er weiß vom Menschenthume,
  81. Denn in ihren Herzen meinen
  82. Denn Saul, des Starken, Schild ward dort zerbrochen –
  83. Denn seine Wunden sind des Kämpfers Orden.
  84. Denn so hoch der Himmel waltet
  85. Denn wie die Sonne leite ich
  86. Denn »meine Seele« nannte ich sie immer –
  87. Der Ahnung milde Schauer sie umwehen,
  88. Der allbedeckenden Nacht.
  89. Der Blätterschmuck des Ruhmes dir entfällt –
  90. Der Dämon des Gedankens steht einsam neben mir,
  91. Der Denker jage einsam wie der Löwe
  92. Der des Glückes goldnen Samen
  93. Der Duft der Poesie,
  94. Der erste Geist am Lager stand,
  95. Der irdischen Liebe bin ich geweiht
  96. Der jede Wunde, die er schlug vorher,
  97. Der Jugendleidenschaft Kaskadenstrudel
  98. Der Kaiser von Catay
  99. Der Leidenschaften Truggeflechte.«
  100. Der Mond der Poesie in sanfter Pracht;
  101. Der muntern jungen Glieder wird gelenkt
  102. Der Paradiesesvogel zieht
  103. Der Promethidenfunke, nie verdunkelt,
  104. Der räthselvollen Menschenbrust beschieden.
  105. Der Regen prasselt wild und toll hernieder,
  106. Der reißt ihn fort in tödtliche Gefahr,
  107. Der Ruhm lockt über der Zukunft Wellen
  108. Der schnell durchfurcht die Dämmerung.
  109. Der Schönheit Tand vor'm Blick der Leidenschaft –
  110. Der seltsame Geselle,
  111. Der Sommer fliegt wie ein Erröthen hastig
  112. Der sprudeln soll am Altai-Fels
  113. Der stillen Wälder Stimme hören sie.
  114. Der trägt mich zum siebenten Himmel
  115. Der übers Land streift wie des Todes Schatten,
  116. Der Wahrheit Blitz erhellt des Lebens Nacht;
  117. Der Welt von dem lebend'gen Monument –
  118. Der wilde Vogel in Korassan,
  119. Des Aethers reinen Hauch, der Erde Düfte
  120. Des Harzes Balsam schwillt
  121. Des Herzens Flammen allgemach versprühen
  122. Des Lebens Mai, mein Herz für immer bricht.
  123. Des Magnetbergs Eisenwand
  124. Des Manna's süße Bescheerung.
  125. Des Weltalls Urgeheimniß sie verstehen.
  126. Dich packen, Tod! Doch ach, so ist's: den Löwen
  127. Dich tugendhaft und glücklich leben.
  128. Die Phantasie ist, Wahrheit, deine Nahrung.
  129. Die als Schutzengel sie bewohnen.
  130. Die Andre heißt Philosophie.
  131. Die bald in Dunst wie Schnee sie lösen wird;
  132. Die Beatrice Dante's und Byron-Miltons Satan?
  133. Die Donnerwolke bahnt sich ihren Pfad.
  134. Die Edelsten in Israel erschlagen;
  135. Die Espe schaudert, flüsternd klagt das Blatt,
  136. Die Frauenliebe heilt die Wunde nicht.
  137. Die gar bald des Windes Raub.
  138. Die Geister der Phantasie.
  139. Die Glorie der wahren Dichtung stammt
  140. Die heilige Harfe von den Trauerweiden:
  141. Die Helden sind gewichen aus der Welt
  142. Die Königsblume hat der Tod gepflückt.
  143. Die Poesie gleicht dem Achillesspeer,
  144. Die reuigen Winde jammern tief und schwer;
  145. Die ruhelosen Wolken ballen sich
  146. Die Schakals und die Büffel vor sich her!
  147. Die schneeigen Spitzen nickten fern herüber
  148. Die sich vom Nektar nährt der Himmelslüfte,
  149. Die Sterne veraltet
  150. Die stolzen Feuerrosse
  151. Die Träumer sind Propheten. Was sie schauen,
  152. Die trübe sinnend ich durchwacht.
  153. Die Visionen schwanden, wie
  154. Die Wahrheit vor des Forschers Blick,
  155. Die Weide ahnt den Sturm, der sie zerknickt:
  156. Die zu dem Dienst des Schönen auserlesen.
  157. Dieweil des Herrn Gesalbter dort erstochen!
  158. Doch auch fortfächelt alle Leiden;
  159. Doch aus dem Fieberwahn erwacht er nun zum Schluß,
  160. Doch dann wie Simson laßt uns flehn zum Herrn,
  161. Doch dem Simum, dem körperlosen Schatten,
  162. Doch ein König ohne Land nur
  163. Doch er erwacht als Hetman der Ukraine.
  164. Doch Kinder bleiben wir. Denn ewig glänzt
  165. Doch nur in des Mannes Brust. Das Weib
  166. Doch seine Hand liegt noch auf deinem Haupt,
  167. Doch welken macht, was er berührt –
  168. Doch werde nimmer deinen Reiz vergessen.
  169. Doch, nistend im Wald, läßt schwinden alsbald
  170. Dort ruhn, wo sich zum Thal Gilboa neigt,
  171. Dort spiegeln wieder, reich und bunt,
  172. Drei Geister nahten diese Nacht,
  173. Drum sollt ihr werden wüst und öd' und rauh!
  174. Du gingst – und Glück und Jugend sind vergangen!
  175. Du Silberstrom, der aus dem See der Urkraft
  176. Durch der Gedanken Sternenräume funkelt
  177. Durch die Rückspiegelung der warmen Sonne,
  178. Durch Mongolei, Mandschurei, Tartarei.
  179. Ein Blitzstrahl zuckt – die Helden sind geknickt!
  180. Ein grauer Scheitel!
  181. Ein Gruß der Himmelslüfte.
  182. Ein Ideal uns so vor Schwäche feit.
  183. Ein Koran-Vers, den Lebenszweck zu zeigen,
  184. Ein Mehrer des Reichs fürwahr.
  185. Ein Sonnen- und ein Mondenstrahl
  186. Ein todtes Herz vor Nichts erschrickt.
  187. Ein Zauberlicht in ihres Herzens Schacht;
  188. Ein zweiter Dichter, wie die Hand der Zeit
  189. Eine Lampe setzen, zu erforschen
  190. Einen Schatz nur hat der Kurde
  191. Einsaugen, wie die junge Rebe thut,
  192. Eisbergen gleich, bemalt mit Irisfarben
  193. Endet, zerfiel sein sterblicher Leib.
  194. Entladet sich und blitzt gewaltig fort,
  195. Entquillt des Friedens Segen
  196. Ergreife meine kühle Rechte!
  197. Erkennt er seiner Herrscherkraft Domaine.
  198. Es fleußt kein Blut in diesen Adern mehr
  199. Es rauscht für sie im Wasser und im Laube
  200. Es schwebte in der Andern Mitte
  201. Es wird durchbohrt von deinem eignen Schwert.
  202. Fallen? In Staub zerfallen? Könnt' ich leibhaft
  203. Falls ich nicht stürze sogleich beim kühnen Beginnen,
  204. Fata Morgana täuscht so sinnig –
  205. Fern von unserm Angesicht.
  206. Feuerpfeile durch die Dämmrung schießen,
  207. Flammt hinter mir in stiller Nacht nicht mehr.
  208. Fliegt unser Banner nicht dem Wind entgegen?
  209. Frech sie störend.
  210. Für ihre Schritte sind die öden Berge,
  211. Furcht deiner ebnen Fläche glatte Wange,
  212. Gährt auf die schöpferische Gluth.
  213. Galle bietet man allein
  214. Gebirgeskammern oder sumpfige Moore,
  215. Geheimnißvolle Sehnsucht ist ihr Ferge
  216. Gelassen reit' ich durch die Felsenflur –
  217. Gemeinschaft mit Gemeinem nur verpönen,
  218. Gift oder Balsam, Beides mit ihr theilen.
  219. Gleich wie der Beduine sich seinem Roß vermählt,
  220. Gleich wie ein Splitter Glas im Mittagsschein
  221. Goldumlockter Erzeuger, auf meiner Stirne?
  222. Grünt er, doch die Bösen zittern.
  223. Hagel sprüht sein Wolkenwagen,
  224. Halb Balsam ist die Poesie, halb Gift.
  225. Hat Ruhe nie gekostet. Heimathlos,
  226. Her mit den Zügeln, vorwärts in die Gestirne!
  227. Herabschaut auf den Freien, den er foltert.
  228. Herbstblätter nun im Sturme um mich her.
  229. Hier winkt dir die Houri unsterblich-schön.«
  230. Hoch überm Haupt der Menschen fort –
  231. Hochragend stolz in aller Völker Mitten,
  232. Ich bange nicht dem Sturm, wie die Natur.
  233. Ich bin auch deines Lebens Leuchte.
  234. Ich bin der Schönheit bester Theil.
  235. Ich bin die Muse Poesie
  236. Ich bin die Mutter dieser Beiden.«
  237. Ich bin ein Kalif des Geistes,
  238. Ich bin mein eigner Richter, furchtlos und hoffnungslos;
  239. Ich finde nimmer Frieden als Mensch auf Erden hier
  240. Ich herrsche mit der zweiten nie,
  241. Ich kann dir mehr als jene geben.
  242. Ich schütte Blumen auf die Gruft,
  243. Ich siegreich zöge – ich fragte schnelle:
  244. Ich stehe und vertraue auf meinen Dämon blos.
  245. Ich stürze aus bewölkter Luft
  246. Ich stürze mich selbst in des Eblis Hölle,
  247. Ich trage Leid um dich, mein Jonathan!
  248. Ich wetterleuchte rings umher;
  249. Ihm ist ja schon die Ehrenpalme worden:
  250. Ihn einmal formt. Der Schleier fällt inmitten
  251. Ihn, der nie sein Thun bereut,
  252. Ihr Berge von Gilboa, seid verflucht,
  253. Ihr nie verlöschten heiligen Flammenkörper,
  254. Ihres Liebsten Schicksal fern im Lager –
  255. Im Allerheiligsten der Seelentriebe
  256. Im Alpenglühn. Es dämmert trüb und trüber.
  257. Im großen Weltbazar.
  258. Im Innern steckt's! Das Heil'ge such' du im eignen Kopf,
  259. Im Regenbogenkleid die Dritte.
  260. Immer die gleiche Quelle.
  261. In dem das heiße Blut der Sünde gährt –
  262. In der Bewegung nur sich zeigen.
  263. In der Allmacht Schatten lebt,
  264. In der Reue Marah-Quelle –
  265. In meinem Spiegel man erkennt,
  266. In nächt'ge Zukunft hin. Der Liebe Leuchte
  267. Ins ewige Feuer und Lavagerölle.
  268. Ins Inn're dringen sie:
  269. Ist geborgen, wenn es blitzet,
  270. Ist verwischt für alle Zeit –
  271. Ja, Genien giebt es, die das Sein verschönen,
  272. Jeden Dunst am Firmament.
  273. Kann Schönheit nur im frohen Reigen,
  274. Kein irdisch Glück dich mir ersetzen kann:
  275. Kein Sonnenstrahl der Helden Gruft besucht,
  276. Lebt wohl denn für immer, ihr Himmelshöhn!
  277. Lobet seinen heiligen Namen,
  278. Lockt alle Barken am Kaspierstrand.
  279. Mag ich verrücken auch droben die ewige Ordnung,
  280. Mag mich höhnen die Welt – ich fühle die Gluthen
  281. Mag sich der Feind an unserm Jammer weiden!
  282. Mal' ich das Luftschloß Ideal.
  283. Mazeppa ist gefesselt an seines Renners Flanken.
  284. Mein Auge sank, das thränenfeuchte.
  285. Mein Geist ist frei und mächtig, wie der deine –
  286. Mein Herz, o Bruder, ist mit dir gegangen.
  287. Mein innres Aug' sah Visionen.
  288. Mein Lieben ist für mich mein ganzes Leben,
  289. Mein Lied mein ganzer Ruhm; und wenn gegeben
  290. Meine Seele, Gott, zu dir –
  291. Melodisch der Begeist'rung Bronne fließen;
  292. Mich kümmert nicht der Tod, mich kümmert nicht das Leben.
  293. Mir eine Seele, die unsterblich, dann
  294. Mir sind deine schwarzen Augen,
  295. Mit bewehrten Seraphschaaren?
  296. Mit diesen Thränen flieht von meinen Wangen
  297. Mit dieser Mischung reinstem Strahl
  298. Mit Dunst und Staub; doch die der Sonne Gluth
  299. Mit Engelsflügeln, goldnem Haar,
  300. Mit festem herrschaft-sicherm Tritte.
  301. Mit frischen Blasen, Grübchen gleich, besät,
  302. Mit meinem Messer man zertrennt
  303. Mit Schierling statt Magnolien sich's bekränzt.
  304. Mit seinem Stahl auch einzig konnte heilen.
  305. Mit Sternenaugen süß und klar
  306. Mit süßem Lachen bricht, wie endest du?
  307. Mit ungewissem Licht, und Wolkenschatten
  308. Musik von Elfen, Feenmelodie
  309. Nach hohem Ziel bis auf das Letzte streiten.
  310. Natur in sich zurückeschrickt.
  311. Nicht die Fürstin von Saba, nein,
  312. Nicht Gott noch Teufel kann mich stürzen oder heben.
  313. Nicht lockt sie von der Stelle
  314. Nicht Regen netze euch noch Himmelsthau!
  315. Nie wird aus gleichem Marmor zugeschnitten
  316. Nur das ist Glück, wenn alle Fähigkeiten
  317. Nur Dich. So folge ich immer
  318. Nur einen Spiegel hielt die Maid
  319. Nur einmal, Holde, hab' ich dich gesehen,
  320. Nur so in äußerm Sturm ist innrer Frieden
  321. O Israel, du Ceder fest und stark,
  322. O könnte ich mir beschwören –
  323. O reichte meine wildgeballte Faust
  324. O Zebaoth, wie hast du das gelitten?
  325. Ohnmächtig, blutend, jeder Hoffnung bar.
  326. Olympischen Geistes!
  327. Phaëtons Fall, zum Sturz geboren, beweinen
  328. Phöbus herrscht in ewig heiterem Gleichmaß.
  329. Rollt durch die Tiefen er der Ewigkeit.
  330. Roßschweife ihn umflattern –
  331. Rubin die unsterbliche Seele glüht –
  332. Schau hier in meines Schildes Rund:
  333. Schlägt ein als That.
  334. Schwarz war sein Haar und sein Gewand,
  335. Schwertfeger, dieser Vers fiel mir zu eigen:
  336. Schwimmt auf der Sturmfluth der Begierde, nimmer
  337. Sei du ein Gott – ich neide dir es nicht:
  338. Sei du ein Gott! Du stehst nur über mir,
  339. Sein Flügelroß der Dichter als einz'ge Gattin wählt.
  340. Seiner Farben lachenden Mai –
  341. Seit Gott den ersten Stern erschuf – wie lange!
  342. Selbst die Cikade summt nur träg und matt:
  343. Sich alle Lebensfarben innig.
  344. Sich nach der Sterne schleierloser Schönheit,
  345. Sie einzig tröstet nur
  346. Sie ist beständ'ge Gottesoffenbarung.
  347. Sie lauschen auf der Sphären Harmonie.
  348. Sie lebt in meinem Lied und das stirbt nimmer.
  349. Sie prahlte nicht mit Prunkgeschmaid,
  350. Sie säuselte mit Silberton:
  351. Sie senkt die Zweige siech und kummersatt.
  352. Sie sind Geschöpfe dieser Welt,
  353. Sie thronen nicht im Sternenzelt:
  354. Sie verschmachtet und sie ächzet –
  355. Sie wies auf jene andern Zwei.
  356. Sieh hier mein Diadem: Zumal
  357. Siehst du Ihn herniederfahren
  358. Sing' ich noch süßre Schwanenlieder.
  359. Singt Lerche, Nachtigall und wilde Taube.
  360. So entrückt er alle Sorgen
  361. So habe ich nur den Simurg,
  362. So lehre ich trotz aller Noth
  363. So reißt der Genius durchs Wirrsal der Gedanken
  364. So schleud're ich Brandpfeile der Gedanken
  365. So schlürft das Kind wohl arglos diesen Saft.
  366. So selbst den Tod verklären solche Wesen,
  367. So streu ich Liederrosen in mein Leben.
  368. Statt blonder Locken, zu Aschenflocken versenget
  369. Steh ich vor dir betäubt, doch nicht gestürzt.
  370. Stöhnend und seufzend, eine Welt des Wahnsinns,
  371. Strömst düster du bergab durch vielgewundne
  372. Sturm-Posaune her vor ihm
  373. Stürze denn, unseliger Phaëton, stürze!
  374. Sucht nach der Fluth des Jugendquells,
  375. Sucht nicht den Dichter, nur sein Lied!
  376. Thränen nur sind Labung mir.
  377. Tief in den Schluchten der Vergessenheit.
  378. Trifft mich des Grames giftiger Pfeil,
  379. Tritt euer Glanz zurück am Firmament.
  380. Triumphirt der Thoren Spott,
  381. Tugend sucht Wiedergebärung
  382. Ueber der Erde Antlitz und verweht;
  383. Ueber der Gerechten Weinen
  384. Ueber diesem Erdenball –
  385. Ueber seine Diener all'.
  386. Um den Pfad der Barken so zu leiten –
  387. Umhüllen eure Stirn und bald wie bald!
  388. Umschwebt im fernen Ispahan
  389. Umsonst die Eichen ja gen Himmel ragen:
  390. Umwallen auf dem Zelte
  391. Und dann, befleckt von ungesundem Schutt
  392. Und das Buch des Gerichtes sich entfaltet,
  393. Und der sterblichen schwachen Weiblichkeit!
  394. Und die Stätte, wo sie blühte,
  395. Und dient als Amulet dem, der ihn trägt.
  396. Und dieser ewige Planet der Pein
  397. Und dieses Balsams Düfte
  398. Und hab' ich dich, dann hebe an das Ringen
  399. Und lösen sich und fliegen dort durchs Blau,
  400. Und mit Salomos Siegel beschwören
  401. Und morsch und kalt wie Eis ist mein Gebein –
  402. Und neigte sich in stummer Bitte.
  403. Und nun des Abendsterns Magie entfacht,
  404. Und reichlich überquillt,
  405. Und sanften Zauber spreite ich
  406. Und Schmutz, den Tagsgeschäfte auf dich häufen,
  407. Und seine Strahlen, die Gefühle, gießen
  408. Und selbst mich krümmend unter deiner Sohle,
  409. Und sie höhnen meine Noth:
  410. Und so fern der frühe Morgen
  411. Und sprach mit monotonem Laute:
  412. Und überird'sche Dinge kann ich getrost vermissen.
  413. Und wie die Perle schläft im Meer,
  414. Und wilder Wein rankt selbst sich über Grüfte –
  415. Und wo ihn niederwarf sein Genius,
  416. Und Zwerge herrschen, wo die Riesen stritten.
  417. Und, Mensch! – O Kind, du fröhlich Lichtgebild
  418. Unnahbar-lodernd – aber sichtbar sein
  419. Uns trennt, den Schleier und den Vorwand: David!
  420. Verklungen ist der Sang. Ich muß durchmessen
  421. Versinkend. Wie man Blumen, Kokosnüsse
  422. Versöhnend ob der Sündfluth Jammer.
  423. Verwandt mit Allem, was da groß und gut,
  424. Vom Diesseits wie vom Jenseits hab' ich mich losgerissen.
  425. Vom Dornenstrauch, der auf dem Horeb flammt,
  426. Vom fernen Föhn erbebt die Bergeshalde.
  427. Von deines Wesens innrer Harmonie.
  428. Von dem Sonnenzelte stracks
  429. Von dem späten Abendlicht –
  430. Von höchster Alpe der Vergangenheit,
  431. Von Kochlani's alter Zucht –
  432. Von manchem Fels des Mißgeschicks beengt,
  433. Von unserm Herrn zu Bagdad,
  434. Von unserm tiefen Wehe sing' ich gern –
  435. Vor dem Glanz von seinem Zelt,
  436. Vorm Sturm der Zukunft fliege er!
  437. Vortrat die zweite stolz und frei
  438. Wachtfeuer ihr der Nacht, mit eurer Strahlen
  439. Währt durch alle Ewigkeit.
  440. Warum ruht deiner heiligen Strahlen Abglanz,
  441. Was braucht der Denker prächt'ge Ehrendegen?
  442. Weg reiß ich erst die Scheidemauer, die
  443. Welchen Herolds-Cherubim
  444. Wenn am Ararat hängt der Nebelflor,
  445. Wenn auch kein Licht mein Auge mehr erblickt –
  446. Wenn die Sonne erkaltet,
  447. Wenn dir's im Busen kocht und pocht,
  448. Wenn ihm der Suma milchig Gift kredenzt,
  449. Wenn Schwermuth über der Seele ruht,
  450. Wenn Sinnlichkeit dich unterjocht,
  451. Wenn über Al-Sirats Flammenbrücke
  452. Wenn Wünsche knospen, Hoffnungsveilchen sprießen,
  453. Wer aber wollte drob zu murren wagen?
  454. Wer hat in meinem Schlummer mich gestört?
  455. Wer ihre Kelche leert, muß wie es trifft,
  456. Wer in seinem Schirme sitzet,
  457. Weß Stimme habe ich im Grab gehört?
  458. Wie Aeolsharfen, Sphärensang.
  459. Wie der Gewaltherr auf dem blutigen Thron
  460. Wie der Hirsch nach Wasser, lechzet
  461. Wie ein Oelbaum in Gewittern
  462. Wie eine ruhelose Möve,
  463. Wie eine Seele nach Vollendung, sehnt!
  464. Wie Fahnen auf dem Zelt
  465. Wie in der Fichtenrinde
  466. Wie Matrosen auf dem Bramaputra
  467. Wie Naïra-Mädchen auf den Strom
  468. Wie Simson nehme ich mein Saitenspiel,
  469. Wie Wolken des Mondes Pracht
  470. Wir ritten singend hin im grünen Walde,
  471. Wir wissen nichts, stets weicht zurück
  472. Wird in Jahrhunderten von selbst sich bauen.
  473. Wird nur die Echo.
  474. Wird sie schwelgen mit mir in ewigem Glücke?«
  475. Wo der Halbmond Wache hält.
  476. Wo der Ungerechte bebt.
  477. Wogend und ächzend in Begier und Groll,
  478. Wohl mit der ersten im Vereine.
  479. Wohl, also, König, wirst du morgen sein.
  480. Zeigt nur des Schweifes heller Schwung,
  481. Zerwühlt dein Bett, trübt deinen klaren Spiegel,
  482. Zu Boden ringen kann der Sohn der Steppe,
  483. Zu der selbst Gießbach, Katarakt, Gebirgsstrom –
  484. Zu dir empor, Huld-lächelnder Tyrann!
  485. Zudonnern werde ich dir immer noch
  486. Zuleika's Name nimmer sterben kann.
  487. Zum fernen Wunderland der Phantasie.
  488. Zum Himmel blickt ihr hoffnungsvoller Glaube:
  489. Zum unbekannten Weltmeer seicht und siech
  490. Zur Sänft'gung wirft in Babelmandeb's Brandung,
  491. Zwar saugt das Blut der Lebenslust,
  492. »Die Einsamkeit, so heißt die Eine.
  493. »Daß unsre Seele sterbe mit den Heiden!«
  494. »Erriethest du die Andern schon?«
  495. »Erwähle mich!« so rief sie hell.
  496. »Ich bin der Trost für jeden Schmerz,
  497. »Nein!« ist die Antwort, »denn wie des Dschemschid
  498. »Wir kennen uns ja lang, Gesell,
  499. »Wo ist nun dein Zebaoth?«
  500. »Zuleika, die makellose Gazelle,
  501. – O Unrast, Unrast! Sieh, wie rings das Meer,

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