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LYRIK Sigmund von Birken - Poetische Werke 14

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

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Albrecht von Haigerloch

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Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

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Birken, Sigmund von

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Rückert, Friedrich


Sigmund von Birken (1626-1681)

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Poetische Werke 14

Jesu

Lob- und Leichgedächtniß

Nach der Singweise: Jesu, der du meine Seele, usw.

1.
Fliest, ihr Trehnen, fliest und schiesset,
Fallt und wallet Wangen ab;
Giest, ihr Augen Brunnen, giesset
Gantze Bäche auff das Grab,
Wo im Tode ligt das Leben:
Lasst uns ihm die Letze geben.
Ach, ach, unsre Lebenszier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

2.
Schöner Himmel, such auff Erden
Deinen König nun nicht mehr,
Hilff beweinen sein Entwerden,
Mach die Wolckenbrunnen leer.
Sonne, Mond und Sternen, weinet!
Eure Sonne nicht mehr scheinet.
Ach, deß Himmelskron und Zier,
Jesus, liegt verblichen hier.

3.
Weint, ihr frommen Engelgeister!
Euer Herr und Printz ist todt,
Euer grosser Ordensmeister,
Dem ihr stundet zu geboth.
Die Geburt habt ihr besungen,
Laßt sein Grab auch seyn beklungen.
Ach, ach, ach, der Engel zier,
Jesus, ligt begraben hier.

4.
Weinet, O ihr Menschenheerden,
Euer treuer Hirt ist hin.
Ihn verbannte von der Erden
Der ergrimmten Wölffe Sinn.
Er hat vor der Schäflein Leben
Selber sich in Tod gegeben.
Ach, ach, unsrer Erden Zier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

5.
Weint, ihr seine HirtenKnaben,
Er hat euch, ihr ihn geliebt.
Euer Trost ligt dort begraben.
Freylich, ihr seyd schon betrübt.
Labet doch der Mutter Hertze,
Das zerbrechen wil vor Schmertze.
Ach, ach, aller Hirten Zier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

6.
Alles, was erschaffen, weine,
Himmel, Erde, Meer und Lufft,
Menschen, Thiere, Bäum und Steine,
Bäch und Brunnen, Wald und Klufft!
Klaget, ihr Geschöpfe, klaget,
Von dem Tod deß Schöpfers saget.
Ach, ach, der Geschöpfe zier,
Jesus, ligt begraben hier.

7.
War doch nichts als lauter Lieben
Seine gantze Lebenszeit,
Das ihn Himmel-ab getrieben;
Er trat vor uns in den Streit
Und erwürgte Wölff und Drachen,
Die zur Beut uns wolten machen.
Ach, ach, unsre Liebeszier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

8.
Er, der reiche Gott vom Himmel,
Zog in Armuth üm auf Erd
Durch das wüste Weltgetümmel;
Keine Noth hat ihn beschwert,
Die er trug vor unsre Schulden:
Er konnt wie ein Lämmlein dulden.
Ach, ach, unsre Freundeszier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

9.
Gutes er vor böses thäte,
Er war seiner Feinde Freund.
Niemand ihn ümsonst anflehte,
Niemand hat er Hülff verneint.
Schalt man ihn, er schalt nicht wieder,
Rieb sich schon an ihn ein jeder.
Ach, ach, unsre Freundeszier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

10.
Er, der hohe Fürst der Sternen,
Er, der Herr, war unser Knecht,
Gab die Demut uns zu lernen,
Die er vorgebildet recht.
Warhafft war er mit dem Munde,
Ohne falsch im Hertzensgrunde.
Ach, ach, unsre Demutzier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

11.
Selbst die wilden Wölffe heulen,
Die ihn haben ümgebracht,
Ihm ein schönes Lob mitheilen,
Als er itzt gab gute Nacht.
Warlich, wird die Red vernommen,
Diß war einer von den Frommen.
Ach, ach, unsre Seelenzier,
Jesus, ist nun nicht mehr hier.

12.
Aber, ist er schon verblichen,
Bald er wider leben wird;
Von uns bleibt er unentwichen,
Ob der Tod ihn weggeführt.
Ewig, ob wir ihn nicht sehen,
Wil er üm und bey uns stehen.
Unser Trost und unsre Zier,
Jesu, du bist dannoch hier.

13.
Unterdessen sol auff Erden
Alle Jahr' üm diese Zeit
Dein Tod noch beweinet werden,
Biß du auß der Eitelkeit
Uns holst zu den Himmelshöhen,
Da wir werden wieder sehen
Dich, O Jesu, gleich wie hier.
Ach so komm, hol uns zu dir.

Geistliche Lieder 05

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OPERONE