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LYRIK Otto Julius Bierbaum - Poetische Werke 282

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

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Poetische Werke 282

Das Kreuz

Jüngst war ich auf einem Trödelmarkt
Und sah was das Leben zusammenharckt
Auf dem großen Gerümpelhaufen:
Lumpen und Plunder, Geraffel und Tand,
In Schmutz und Scherben allerhand;
Wer Geld hat kann sichs kaufen.

Da, unter altem Gerüst und Gerät,
Hab ich ein hölzernes Kreuz erspäht.
Zwei Hände lang wars, aus Fichtenholz schlicht;
Ich machte mir gleich ein rührsam Gedicht,
An welcher Andachtsstätte
Es einst gehangen hätte.

Dacht eine Bauernstube mir,
In ders die dürftige fromme Zier
Vielleicht gewesen wäre;
Hing in der Eck an der weißen Wand,
Und manche harte Bauernhand
Schlug vor ihm ihre schwere
Bekreuzung über Brust und Gesicht.

So dacht ich, aber 's war so nicht.

Denn sieh, als schärfer hin ich sah:
Am Querholz war ein Einschnitt da,
Und, als ich leicht darauf gedrückt,
Hat sich ein Dolch heraus gezückt.
Erschrocken schier sah ich das Eisen
Des Kreuzes in der Sonne gleißen.

War eine Blutrinn eingeschnitten,
Und dieses las ich ihr inmitten:
Kreutz und Messer Aines worden
In der Messerkreutzer Orden.

Schlecht bin ich leider nur beschlagen
In Wissenschaft aus alten Tagen,
Auch konnte, wie ich um mich that,
Mir keiner sichere Kunde sagen,
Was für ein Orden es gewesen,
Der Kreuz und Messer sich erlesen
Als Waffe und als Namen hat.

Doch hab das Kreuz ich mitgenommen
Und geb es, wenn sie zu mir kommen,
Als Rätsel gerne denen auf,
So da gehören zu den Frommen.

Mir scheints, als obs ein Sinnbild wäre
Für jenen wundersamen Lauf,
Den des Erlösers milde Lehre
Von Golgatha bis heut genommen.

Irrgarten der Liebe 282 Gedichte 171 / Betrachtende 18

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