Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

HARTMANN VON AUE

Sit ich den sumer truoc

1 Sit ich den sumer truoc riuwe und klagen,
sô ist ze fröiden mîn trôst niht sô guot.
mîn sanc süle des winters wâpen tragen,
daz selbe tuot ouch mîn senender muot.
wie lützel mir mîn stæte liebes tuot!5
wan ich vil gar an ir versûmet hân
die zît, den dienst, dar zuo den langen wân.
ich wil ir anders ungefluochet lân
wan alsô, si hât niht wol ze mir getân.

2 Wolte ich den hazzen, der mir leide tuot,
sô möht ich wol mîn selbes vîent sîn.
vil wandels hât der lîp und ouch der muot,
daz ist an mînem ungelücke worden schîn.
mîn frowe gert mîn niht; diu schulde ist mîn.5
sît sinne machent sældehaften man,
und unsin stæte sælde nie gewan,
ob ich mit sinnen niht gedienen kan,
dâ bin ich alterseine schuldic an.

3 Ich hân des reht, daz mîn lîp trûric sî,
wan mich twinget ein vil sendiu nôt.
swaz fröiden mir von kinde wonte bî,
die sint verzinset, als ez got gebôt.
mich hât beswæret mînes herren tôt.5
dar zuo sô trüebet mich ein varende leit:
mir hât ein wîp genâde widerseit,
der ich gedienet hân mit stætekeit,
sît der stunde, daz ich ûf mîme stabe reit.

4 Dô ir mîn dienest niht ze herzen gie,
dô dûhte mich an ir bescheidenlîch,
daz si ir werden lîbes mich erlie.
dar an bedâhte si vil rehte sich.
zürne ich, daz ist ir spot und altet mich.5
grôz was mîn wandel. dô si den entsaz,
dô meit si mich, vil wol geloube ich daz,
mêre dur ir êre danne ûf minen haz.
si wænet des, ir lop stê deste baz.

5 Si hât mich nach wâne unrehte erkant,
dô si mich von êrste dienen liez.
dur daz si mich sô wandelbæren vant,
mîn wandel und ir wîsheit mich verstiez.
si hât geleistet, swaz si mir gehiez;5
swaz si mir solde, des bin ich gewert:
er ist ein tump man, der iht anders gert.
si lônde mir, als ich si dûhte wert.
michn sleht niht anders wan mîn selbes swert.

Swes fröide an guoten wîben stât

1 Swes fröide an guoten wîben stât,
der sol in sprechen wol
und wesen undertân.
daz ist mîn site und ouch mîn rât,
als ez mit triuwen sol.5
daz kan mich niht vervân
an einer stat,
dar ich noch ie genâden bat.
dâ habe ich mich vil gar ergeben
und wil dar iemer leben.10

2 Möhte ich der schœnen mînen muot
nâch mînem willen sagen,
sô lieze ich mînen sanc.
nu ist mîn sælde niht sô guot,
durch daz ich muoz ir klagen5
mit sange, diu mich twanc.
swie verre ich sî,
doch tuon ich ir den boten bî,
den si wol hœret und niht siht:
der meldet mîch dâ niht.10

3 Diz ist ein klage und niht ein sanc,
dâ ich der lieben mite
erniuwe mîniu leit.
die swæren tage sint alze lanc,
daz ich si genâden bite5
und si mir doch verseit.
swer solhen strît,
der kumber âne fröide gît,
verlâzen könde, des ich niht kan,
der wære ein sælic man.10

Ich sprach, ich wolte ir iemer leben

1 Ich sprach, ich wolte ir iemer leben,
daz liez ich wîte mære komen.
min herze her ich ir gegeben,
daz hân ich nu von ir genomen.
swer tumben antheiz trage,5
der lâze in ê der tage,
ê in der strît
beroube sîner jâre gar.
alsô hân ich getân.
der kriec sî ir verlân,10
für dise zît
wil ich dienen anderswar.

2 Ich was ungetriuwen ie gehaz:
nu wolte ich ungetriuwe sîn.
mir tæte untriuwe verre baz,
danne daz mich diu triuwe mîn
von ir niht scheiden liez,5
diu mich ir dienen hiez.
nu tuot mir wê,
si wil mir ungelônet lân.
ich spriche ir niuwan guot.
ê ich beswære ir muot,10
sô wil ich ê
die schulde zuo dem schaden hân.

3 Waz solte ich arges von ir sagen,
der ich ie wol gesprochen hân?
ich mac wol mînen kumber klagen
und si darunder ungeflêhet lân.
si nimt von mir für wâr5
mînen dienst manic jâr.
ich hån gegert
ir minne und vinde ir haz.
daz mir dâ nie gelanc,
des habe ich selbe undanc.10
dûhte ich si sîn wert,
si hete mir gelônet baz.

4 Sît ich ir lônes muoz enbern,
der ich manic jâr gedienet hân,
sô geruoche mich got eines wern,
daz ez der schœnen müeze ergân
nâch êren unde wol.5
sît ich mich rechen sol,
dêswâr daz sî,
und doch niht anders wan alsô,
daz ich ir wol heiles gan
haz danne ein ander man,10
und bin dâ bî
ir leides gram, ir liebes frô.

5 Mir sint diu jâr vil unverlorn,
diu ich an si gewendet hân.
hât mich ir minnen lôn verborn,
doch trœstet mich ein lieber wân.
ich gerte nihtes mê,5
wan müese ich ir als ê
ze frowen jehen.
menic man nimt sîn ende alsô,
daz im niemer guot geschiht,
wan daz er sich versiht,10
daz ez sule geschehen,
und tuot in der gedinge frô.

6 Der ich dâ her gedienet hân,
dur die wil ich mit fröiden sîn.
doch ez mich wênic hât vervân.
ich weiz wol, daz diu frowe mîn
nâch êren lebet.5
swer von der sîner strebet,
der habe im daz.
in betrâget sîner jâre vil.
swer alsô minnen kan,
der ist ein valscher man.10
mîn muot stêt baz:
von ir ich niemer komen wil.

Dem kriuze zimt wol reiner muot

1 Dem kriuze zimt wol reiner muot
und kiusche site,
sô mac man sælde und allez guot
erwerben dâ mite.
ouch ist ez niht ein kleiner haft5
dem tumben man,
der sîme lîbe meisterschaft
niht halten kan.
ez wil niht, daz man sî
der werke dar under frî.10
waz tougt ez ûf der wât,
der sîn an dem herzen niene hât?

2 Nu zinsent, ritter, iuwer leben
und ouch den muot
durch in, der iu dâ hât gegeben
beide lîp und guot.
swes schilt ie was zer werlte bereit5
ûf hôhen prîs,
ob er den gote nu verseit,
der ist niht wîs.
wan swem daz ist beschert,
daz er dâ woi gevert,10
daz giltet beidiu teil,
der welte lop, der sêle heil.

3 Diu werlt lachet mich triegende an
und winket mir.
nu hân ich als ein tumber man
gevolget ir.
der hacchen hân ich manigen tac5
geloufen nâch,
dâ niemen stæte vinden mac
dar was mir gâch.
nu hilf mir, herre Krist,
der mîn dâ vârende ist,10
daz ich mich dem entsage
mit dînem zeichen, daz ich hie trage.

4 Sît mich der tôt beroubet hât
des herren mîn,
swie nu diu werlt nâch im gestât,
daz lâze ich sîn.
der fröide mîn den besten teil5
hat er dâ hin.
schüefe ich nu der sêle heil,
daz wær ein sin.
mac ich ime ze helfe komen,
mîn vart, die ich hân genomen,10
ich wil ime ir halber jehen.
vor gote müeze ich in gesehen.

5 Min fröide wart nie sorgelôs
unz an die tage,
daz ich mir Kristes bluomen kôs,
die ich hie trage.
die kündent eine sumerzît,5
diu alsô gar
in süezer ougenweide lît.
got helfe uns dar
hin in den zehenden kôr,
dar ûz ein hellemôr10
sîn valsch verstôzen hât
und noch den guoten offen stât.

6 Mich hât diu welt alsô gewent,
daz mir der muot
sich zeiner mâze nâch ir sent
─ dêst mir nu guot,
got hât vil wol ze mir getân,5
als ez nu stât,
daz ich der sorgen bin erlân ─,
diu menigen hât
gebunden an den fuoz,
daz er belîben muoz,10
swanne ich in Kristes schar
mit fröiden wunneclîche var.

Swelh frowe sendet ir lieben man

Swelh frowe sendet ir lieben man
mi mit rehtem muote ûf dise vart,
diu koufet halben lôn dar an,
ob si sich heime alsô bewart,
daz si verdienet kiuschiu wort.5
si bete für si beidiu hie,
sô vert er für si beidiu dort.

Rîcher got, in welher mâze

1 Rîcher got, in welher mâze wirt ir gruoz,
swenne ich si sihe, die ich dâ mîde manigen tac?
sît der dâ heime wankes fürhten muoz,
der doch sîn liep ze rehter zît gegrüezen mac!
da wil ich geniezen ir bescheidenheit5
und daz si vil wol wisse, warumbe ich si meit.
sô tuot si wol, und lît mîn trôst vil gar dar an,
daz stæte herze an friunde wenken niene kan.

2 Nieman lebt, der sînen friunt sô dicke siht,
er müeze an in gedenken sunder sînen danc.
daz erzeiget herzeclîcher liebe niht.
sô ist unser sumelîcher beiten alze lanc,
daz ein wîp ir stæte an uns erzeigen mac.5
gedenke ein frowe, daz unstæte sî ein slac.
gewinne ich nâch der langen frömde schœnen gruoz,
wie sêre ich daz mit dienste iemer mê besorgen muoz.

3 Ist ez wâr, als ich genuoge hœre jehen,
daz lôsen hin ze den wîben sî der beste rât,
wê, waz heiles mac danne einem man geschehen,
der daz und allen valsch durch sîne triuwe lât?
dâeht er vil stæte an sînem reinen site,5
ja erwirbet er ein stætez heil dâ mite,
sô der vil gâhelôsen gæhez heil zergât,
daz er an der vil gâhelôsen gæhes funden hât.

Ob man mit lügen die sêle nert

1 Ob man mit lügen die sêle nert,
sô weiz ich den, der heilic ist,
der mir dicke meine swert.
mich überwant sîn karger list,
daz ich in zeime friunde erkôs.5
dâ wânde ich stæte fünde.
mîn selber sin mich dâ verlos,
als ich der werlte künde:
sîn lîp ist alse valschelôs
sam daz mer der ünde.10

2 War umbe suocht ich frömden rât,
sit mich mîn selber herze trouc,
daz mich an den verleitet hât,
der mir noch nieman guoter touc?
ez ist ein swacher mannes prîs,5
den er begêt an wîben.
süezer worte ist er sô wîs,
daz man si möhte schrîben.
den volget ich unz ûf daz îs:
der schade muoz mir belîben.10

3 Begunde ich vêhen alle man,
daz tæte ich durch sîn eines haz.
wie schuldic wæren si dar an?
jâ lônet meniger sîner baz.
diu hât sich durch ir schœnen sin5
gesellet sæleclîche,
diu lachet, swanne ich trûric bin,
wir alten ungelîche.
nâch leide huop sich mîn begin,
daz senfte got der rîche.10

Ich muoz von rehte den tac iemer minnen

1 Ich muoz von rehte den tac iemer minnen,
dô ich die werden von êrst erkande
in süezer zühte mit wîplîchen sinnen.
wol mich, daz ich den muot ie dar bewande!
daz schat ir niht und ist mir iemer mêre guot,5
wand ich ze gote und ze der welte den muot
deste baz dur ir willen kêre.
sus dinge ich, daz sich mîn fröide noch gemêre.

2 Sich mac mîn lîp von der guoten wol scheiden ─
mîn herze, mîn wille muoz bî ir belîben.
si mac mir leben und fröide wol leiden,
dâ bî alle mîne swære vertrîben:
an ir lît beide mîn liep und mîn leit.5
swaz si mîn wil, daz ist ir iemer bereit.
wart ich ie vrô, daz schuof niht wan ir güete.
got sî der ir lîp und êre behüete.

3 Ich schiet von ir, daz ich ir niht enkunde
bescheiden, wie ich si meinde in dem muote.
sît fuogte mir ein vil sælige stunde,
daz ich si vant mir ze heile âne huote.
dô ich die werden mit fuoge gesach5
und ich ir mîns willen gar verjach,
daz enpfie si mir, daz irs got iemer lône,
si was von kinde unde muoz iemer sîn mîn krône.

Swes fröide hin ze den bluomen stât

1 Swes fröide hin ze den bluomen stât,
der muoz vil schiere trûren gegen der swæren zît.
iedoch wirt eines wîbes rât,
diu die langen naht bî liebem manne lît.
sus wil ouch ich den winter lanc5
mir kürzen âne vogelsanc.
sol ich des enbern, dêst âne mînen danc.

2 Die friunde habent mir ein spil
geteilet vor, dêst beidenthalp verlorn;
doch ich ir einet nemen wil.
âne guot wal, sô wære ez baz verborn:
si jehent, welle ich minne pflegen,5
sô müeze ich mich ir bewegen.
doch sô tâtet mir der muot ze beiden wegen.

3 Wær ez mîner friunde rât,
jâ herre, wes solt er mir danne wizzen danc?
sît erz wol gedienet hât,
dâ von sô dunket mich sîn bîten alze lanc.
wand ich wâgen wil durch in5
den lîp, die êre und al den sin,
sô muoz mir gelingen, ob ich sælic bin.

4 Er ist alles des wol wert,
─ ob ich mîn triuwe an im behalten wil ─
des ein man ze wîbe gert.
dêswâr dekeiner êren ist im niht ze vil.
er ist ein sô bescheiden man5
─ ob ichs an im behalten kan ─
minne ich in, dâ missegêt mir niemer an.

Maniger grüezet mich alsô

1 Maniger grüezet mich alsô
─ der gruoz tuot mich ze mâze frô ─:
»Hartmann, gên wir schowen
ritterliche frowen.«
mac er mich mit gemache lân5
und île er zuo den frowen gân!
bî frowen truwe ich niht vervân,
wan daz ich müede vor in stân.

2 Ze frowen habe ich einen sin:
als si mir sint, als bin ich in,
wand ich mac baz vertrîben
diu zît mit armen wîben.
svar ich kum, dâ ist ir vil,5
dâ vinde ich die, chu mich dâ wil,
diu ist ouch mînes herzen spil.
waz toue mir ein ze hôhez zil!

3 In mîner tôrheit mir beschach,
daz ich zuo zeiner frowen gesprach:
»frowe, ich hân mîne sinne
gewant an iuwer minne.«
dô wart ich twerhes an gesehen,5
des wil ich, des sî iu bejehen,
mir wîp in solher mâze spehen,
diu mir des niht enlânt beschehen.

Diz wæren wunneclîche tage

1 Diz wæren wunneclîche tage,
der si mit fröiden möhte leben.
nu hât mir got ein swære klage
ze dirre schœnen zît gegeben,
der mir leider niemer wirdet buoz.5
ich hån verlorn einen man,
daz ich für wâr wol sprechen muoz,
daz wîp nie liebern friunt gewan.
dô ich sin pflac, dô fröit er mich;
nu pflege sîn got, der pfliget sîn baz danne ich.10

2 Mîn schade wær niemanne reht erkant,
ern diuhte in grôzer klage wert.
an dem ich triuwe und êre ie vant
und swaz ein wîp an manne gert,
der ist alze gæhes mir benomen.5
des mac mir unz an mînen tôt
niemer niht ze staten komen,
ine müeze lîden sende nôt.
der nu iht liebers sî beschehen,
diu lâze ouch daz an ir gebærden sehen.10

3 Got hât vil wol zuo zir getân,
sît liep sô leidez ende gît,
diu sich ir beider hât erlân.
der gêt mit fröiden hin diu zît.
ich hân klage manigen liehten tac,5
und ir gemüete stêt alsô,
daz si mir niht gelouben mac.
ich bin von liebe worden frô:
sol ich der jâre werden alt,
daz giltet sich mit leide tûsentvalt.10

Ich var mit iuweren hulden

1 Ich var mit iuweren hulden, herren unde mâge,
liut unde lant die müezen sælic sîn.
ez ist unnôt, daz ieman mîner verte vrâge,
ich sage wol für wâr die reise min.
mich vienc diu minne und lie mich varn ûf mîne sicherheit.5
nu hât si mir enboten bî ir liebe, daz ich var.
ez ist unwendic, ich muoz endelîchen dar.
wie kûme ich bræche mîne triuwe und mînen eit!

2 Sich rüemet maniger, waz er dur die minne tæte.
wâ sint diu wert? die rede hœre ich wol.
doch sæhe ich gern, daz si ir eteslîchen bæte,
daz er ir diente, als ich ir dienen sol.
ez ist geminnet, der sich dur die minne ellenden muoz.5
nu seht, wie si mich ûz mîner zungen ziuhet über mer.
und lebte mîn her Salatîn und al sîn her
dien bræhten mich von Vranken niemer einen fuoz.

3 Ir minnesinger, iu muoz ofte misselingen,
daz iu den schaden tuot, daz ist der wân.
ich wil mich rüemen, ich mac wol von minnen singen,
sît mich diu minne hat und ich si hân.
daz ich dâ wîl, seht, daz wil alse gerne haben mich.5
sô müest aber ir verliesen underwîlent wânes vil.
ir ringent umbe liep, daz iuwer niht enwil.
wan müget ir armen minnen solhe minne als ich?

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