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LYRIK Gottfried Arnold (1666-1714) - Poetische Werke 42

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

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Hart, Heinrich

Hart, Julius

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Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Gottfried Arnold (1666-1714)

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Poetische Werke 42

16.

Uber Hohel. 1. v. 14.

Mein freund ist mir ein püschel Myrrhen, der zwischen meinen brüsten übernachtet.

Wie: Jesu deine tieffe wunden.

1.
Wenn vernunfft von Christi leiden
Und von dessen nutzen spricht:
Will sie sich von aussen weiden
Mit dem trost, den sie erdicht.
Oder kommt es hoch, so kan
Sie viel klagens fangen an
Uber Christi pein und schmertzen,
Gleichwol gehts ihr nie von hertzen.

2.
Aber meines Geistes sehnen
Zielt auff die gemeinschafft hin,
Stäts zum sterben zu gewehnen
Den so tieff verderbten sinn.
Hier heng ich den Myrrhen-strauch
Nicht nur auff die brust zum brauch:
In den tieffsten grund der seelen
Soll der Geist die krafft verhölen.

3.
Diß geheimnis wird verborgen
Und als thorheit angesehn:
Aber meine größte sorgen
Sollen auff diß wunder gehn,
Daß nur Christi tod in mir
Durch ersterben für und für
Zu dem leben außgebiehret,
Im gericht den sieg außführet.

4.
Drum such ich den freund im grunde
Meines hertzens, wo er sich
Aus dem sonst verschloßnen munde
Mir einflößt so süßiglich
Seine gantze sterbens-krafft,
Die ein neues wesen schafft:
Als die rosen in dem Lentzen
Nach dem todt des Winters gläntzen.

5.
Wenn ich denn vom Oster-lamme
Mit recht bittern salsen speiß;
Das die heisse liebes-flamme
Selbst in mir zu braten weiß:
Frag ich nicht erst, wer er sey,
Weil ich ihn selbst esse frey,
Und wenns noch an kräfften fehlet,
Ist er mir zu Alls erwehlet.

6.
Diß druckt mich in hoffart nieder,
In betrübnis hälts empor
Gibt in schwachheit stärcke wieder
Aus verzweifflung ziehts hervor,
Hält mich zwischen lieb und leid
In der rechten mässigkeit:
Ja ich find die tieffste stille,
Wenn am creutze hangt mein wille.

7.
O geheimnis-reiche liebe,
Die sich im verborgnen schenckt!
Öffne die geheimen triebe,
Wenn mein sinn ans creutz hin denckt:
Keine leidens-krafft von dir
Müsse jemals manglen mir.
Außer mir mag alls vergehen,
Bleibe du in mir nur stehen!

Poetische Lob- und Liebes-Sprüche 5

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