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LYRIK Gottfried Arnold (1666-1714) - Poetische Werke 31

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

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Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


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Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Gottfried Arnold (1666-1714)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 31

118.

Mel: Was mein Gott will das etc.

1.
Als ich das nichts nahm wohl in acht/
Und mich darein ergeben:
Ward ich zum rechten ziel gebracht/
Wornach ein Christ muß streben:
Und wurde lebend in dem tod/
o wunder über d' massen!
Ich kriegt das höchste Gut in Gott/
So bald ich mich verlassen.

2.
So bald der creaturen dunst
Ich floh und gantz ließ fahren,
da wust' mein geist voll liebes-brunst
Sich mit dem Eins zu paaren.
Ich hab erlangt nach langen streit/
den meine seel begehret/
Und leb in nichts als lauter freud
Weil ich so hoch gewehret.

3.
Auch weil ich blöd und alber bin/
Und alles lasse sincken/
So find ich Gott in meinem sinn/
Der mir sein licht läßt blincken.
Selbst finsterniß ist ietzt mein licht/
Weil ich in nichts mich übe;
denn nichts eröffnet mein gesicht/
Nichts führt ins land der liebe.

4.
Nichts quählt/ und wär es noch so scharff/
Den/ der im nichts stets wohnet;
Weil nichts ist/ das ein mensch bedarff/
dem Gott mit sich selbst lohnet.
Laß Gott zu schauen mit reiner brunst/
Die welt nichts in dir werden;
Es lescht sonst nichts der seelen-lust/
Als bloß das nichts auff erden.

5.
Es sucht das nichts/ in dieser welt
Was etwas/ nicht zu schauen;
Nichts hat sich gantz in Gott gestellt/
Und will sonst auff nichts bauen;
Wohl mir/ daß ich in dieser zunfft
Werd glaubig stehend funden/
Weil ich die blinde unvernunfft
Hierdurch hab überwunden.

6.
Es kan die lieb mit ihrem gut/
das Gott ist/ also handeln/
das nichts/ durch ihre feuer-glut/
Sich muß in all's verwandeln/
Nichts/ ist so arm/ bloß/ g'ring und klein/
Kan sich mit nichts verbinden/
drumb suchts sein reichthum bloß allein
Im lautern nichts zu finden.

7.
Als ich diß dunckle nichts erwehlt/
Zu gehn auf seinen wegen/
Werd ich von den nicht mehr gequält/
das mir z'vor stund entgegen/
Ich kunt in diesem reichen nicht
Nichts creatürlichs lieben/
Weil ich in Gottes glantz und licht
All' meine zeit vertrieben.

8.
Gelehrte/ kommt zum nichts heran/
Sonst ist eur thun gewirre;
Wer sich nicht find auff diese bahn/
Bleibt ewig in der irre.
Ohn nichts ist nichts was je geschicht.
Im nichts muß ichts verschwinden/
Im nichts auch wenn ichs recht bericht/
Ist ichts allein zu finden.

9.
Die enge schmale lebens-pfort
Von Christo hoch gepriesen/
Vor etwas mich geführet hat/
Und bloß zum nichts gewiesen/
Denn wer sein seel einmahl verliert/
Im grund des nichts verdrungen/
Der wird zur allzeit eingeführt
Und davon gantz verschlungen.

10.
Fürwahr aus nichts kommt alles her
Was jemahls war verborgen/
Nichts macht das leben ohn beschwer/
Nichts hat für nichts zu sorgen/
Es ist der reichst' auff dieser welt/
der ärmste an begehren/
Dann was er mehr als nichts behält
Kan ihn von all abkehren.

11.
Das nichts ist arm/ das nichts ist reich
Vor allen andern dingen;
Es acht als unflat alles gleich/
Das nichts kan nichts bezwingen:
Das nichts das redt/ Das nichts ist stumm/
Sein ruffen ist ein schweigen/
Sein gantzes leben um und um
Ist/ sich in Gott zu neigen.

12.
Nichts ruhet stets/ nichts läufft und hüpfft/
Sein lauff ist stilles bleiben/
das nichts ist gantz mit nichts verknüpfft/
Nichts kan sein' ruh vertreiben/
Das nichts ists schwerste vom gewicht/
Und ist doch leicht zu tragen.
Das blinde nichts hats schärfste g'sicht/
Nichts weiß von nichts zu klagen.

13.
Nichts ist gantz loß und höchst befreyt/
Ist Herr/ und wirds wohl bleiben;
Sein herrschafft streckt sich weit und breit/
Kan alle feind vertreiben.
Das nichts ist von so edler art/
Es kan kein mund aussprechen/
Wer sich mit nichts nur einmahl paart/
Dem kan nichts mehr gebrechen.

14.
Denn nichts macht ihn durchaus vergnügt/
Wer hat diß ja vernommen?
Ein sturm/ wann er das nichts bekriegt/
Muß bald zur ruhe kommen/
Das nichts allein triffts rechte ziel/
Wann etwas nichts kan richten/
Nichts mit dem reichsten all/ im spiel/
Kan alle zwietracht schlichten.

15.
Wie wenig sind/ den nichts beliebt?
Weil man so viel muß lassen:
Denn wer dem nichts nur etwas gibt/
Der muß sich selber hassen.
Es find sich nichts das nichts will seyn/
das nichts heist ichts auff erden/
Es ist dem ichts die schwerste pein/
Wenn es zu nicht soll werden.

16.
Allein das nichts/ wie g'ring es ist/
Kan spreu vom weitzen scheiden/
Der böse kan zu keiner frist
Solchs in dem Hertzen leiden:
Dem ichts ist bey dem nichts nicht wohl/
Weil solchs ihm gantz entgegen/
daß man an ichts nicht kleben soll/
Lernt man auff dessen wegen.

17.
Nichts führt dahin/ da der verstand
Sich selber muß entwehnen/
dafern er suche das reiche pfand
Sich nach dem nichts zu sehnen.
Nichts kennen macht das all bekandt/
Nichts sehn ist Nichts ab'r gebieret sicherheit/
da ist kein wahl zu spüren/
Leid Gott mit grund vertrauen.

18.
Vertrauen wo kein g'wißheit ist/
Streit't gegen unsre sinnen/
Natur/ vernunfft und kluge list
Hält diß für närrsch beginnen/
Nichts ab'r gebieret sicherheit/
da ist kein wahl zu spüren/
Leid ist ihm freud/ und freud wie leid/
Dann nichts kan nichts verlieren.

19.
O selges nichts höchst lobens werth/
du fels/ drauff all's gegründet!
Der steig gen Himmel von der erd/
Wer dich wahrhafftig findet.
Nun komm ich auch mit nichts zum ziel/
Draus jeder leicht kan ziehen
daß/ der Gott selber schmecken will/
Sich nichts zu seyn muß mühen.

Recht-geistliche Lieder 1

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OPERONE