L Y R I K
LYRIK Gottfried Arnold (1666-1714) - Poetische Werke 23

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Gottfried Arnold (1666-1714)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 23

139.

Der beste Führer.

Im Thon: Jehova ist mein Licht und Gnaden-Sonne.

1.
So führst du doch recht selig/ Herr/ die Deinen/
ja selig und doch meistens wunderlich!
Wie könntest du es böse mit uns meynen/
da deine Treu nicht kan verleugnen sich?
Die Wege sind offt krumm und doch gerad/
darauff du läst die Kinder zu dir gehn/
da pflegt es wunderseltzam außzusehn:
doch triumphirt zuletzt dein hoher Rath.

2.
Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen/
So die Vernunfft und gute Meynung stellt:
Den Zweiffels-Knoten kan dein Schwerdt verletzen/
Und lösen auff/ nachdem es dir gefällt.
Du reissest wohl die stärcksten Band entzwey/
Was sich entgegen setzt/ muß sincken hin.
Ein Wort bricht offt den allerhärtsten Sinn/
dann geht dein Fuß auch durch Umwege frey.

3.
Was unsre Klugheit will zusammen fügen/
das theilt dein Witz in Ost und Westen auß:
Was mancher unter Joch und Last will biegen/
Setzt deine Hand frey an der Sternen Hauß.
Die Welt zerreist und du verknüpffst in Krafft/
Sie bricht/ du baust; sie baut/ du reissest ein.
Ihr Glantz muß dir ein dunckler Schatten seyn.
Dein Geist bey Todten Krafft und Leben schafft.

4.
Will die Vernunfft was fromm und selig preisen/
So hast dus schon auß deinem Buch gethan:
Wenn aber niemand will diß Zeugnuß weisen/
das führst du in der Still selbst Himmel an.
Den Tisch der Pharisäer lästu stehn/
Und speisest mit den Sündern/ sprichst sie frey:
Wer weiß/ was öffters deine Absicht sey?
Wer kan der tieffsten Weißheit Abgrund sehn?


5.
Was alles ist/ hat nichts in deinen Augen/
Was nichts ist/ hast du/ grosser HERR/ recht lieb/
der werthe Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen/
du gibst die Krafft und Nachdruck durch den Trieb.
Die besten Wercke bringen dir kein Lot/
Sie sind versteckt/ der blinde geht vorbey/
Wer Augen hat/ sieht sie doch nicht so frey;
die Sachen sind zu klar/ der Sinn zu grob.

6.
O Herrscher sey von uns gebenedeyet/
der du uns tödtest und lebendig machst.
Wann uns dein Geist der Weißheit Schatz verleyhet/
So sehn wir erst/ wie wohl du vor uns wachst.
Die Weißheit spielt bey uns/ wir spielen mit.
Bey uns zu wohnen ist dir lauter Lust/
die reget sich in deiner Vatter-Brust/
Und gängelt uns mit zarten Kinder-Schritt.

7.
Bald scheinst du uns was harte anzugreiffen/
Bald fährest du mit uns gantz säuberlich. Geschichts/
daß unser Sinn sucht außzuschweiffen/
So weist die Zucht uns wieder hin auff dich.
Da gehn wir denn mit blöden Augen hin/
du küssest uns/ wir sagen Bessrung zu/
drauff schenckt dein Geist dem Hertzen wieder Ruh/
und hält im Zaum den außgeschweifften Sinn?

8.
Du kennst/ o Vatter/ wohl das schwache Wesen/
die Ohnmacht und der Sinnen Unverstand.
Man kan uns fast an unser Stirn ablesen/
Wie es um schwache Kinder sey bewand/
drum greiffst du zu und hältst und trägest sie/
Brauchst Vatter-Recht und zeigest Mutter- Treu/
Wo niemand meynt/ daß etwas deine sey/
da hegst du selbst dein Schäfgen je und je.

9.
Also gehst du nicht die gemeine Wege/
dein Fuß wird selten öffentlich gesehn/
damit du sehst/ was sich im Hertzen rege/
Wenn du in dunckelheit mit uns wilt gehn.
Das Widerspiel legst du vor Augen dar
Von dem/ was du in deinem Sinne hast.
Wer meynt/ er hab den Vorsatz recht gefast/
der wird am End ein anders offt gewahr.

10.
O Auge/ das nicht Trug noch Heucheln leidet/
Gib mir der Klugheit scharffen Unterscheid/
dadurch Natur von Gnade wird entscheidet/
das eigne Licht von deiner Heiterkeit.
Laß doch mein Hertz dich niemahls meistern nicht:
Brich gantz entzwey den Willen/ der sich liebt/
Erweck die Lust/ die sich nur dir ergibt/
Und tadelt nie dein heimliches Gericht.

11.
Will etwa die Vernunfft dir wiedersprechen/
Und schüttelt ihren Kopff zu deinem Weg;
So wolst du die Bevestung niederbrechen/
daß ihre Höh sich nur bey Zeiten leg.
Kein frembdes Feuer sich in mir anzündt/
das ich vor dich in Thorheit bringen möcht/
Und dir wol gar so zu gefallen dächt.
Ach selig der dein Licht ergreifft und findt.

12.
So zieh mich dann hinein in deinen Willen/
Und trag und heg und führ dein armes Kind.
Dein innres Zeugnuß soll den Zweiffel stillen/
dein Geist die Furcht und Lüste überwind.
Du bist mein Alles/ denn dein Sohn ist mein/
dein Geist regt sich gantz kräfftiglich in mir.
Ich brenne nun nach dir in Liebs-Begier/
Wie offt erquickt mich deiner Klarheit Schein?

13.
Drum muß die Creatur mir immer dienen/
Kein Engel schämt nun der Gemeinschafft sich:
die Geister/ die vor dir vollendet grünen/
Sind meine Brüder und erwarten mich.
Wie offt erquicket meinen Geist ein Hertz/
das dich und mich und alle Christen liebt/
Ists möglich/ daß mich etwas noch betrübt?
Komm Freuden-Quell/ weich ewig aller Schmertz!

Göttliche Liebesfunken, Erster Teil 23

◀◀◀ ▶▶▶


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE