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LYRIK Gottfried Arnold (1666-1714) - Poetische Werke 22

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Gottfried Arnold (1666-1714)

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Poetische Werke 22

135.

Gegen-Satz.

1.
Ach! triumphier nicht vor dem Siege/
O Seel/ wo wiltu fliehen hin/
Da dein geblendter Eigen-Sinn
Vor Feinden frey und sicher liege.
Suchstu noch Ruh in äussern Dingen?
Ach! glaube mir/ du findst sie nicht.
Wirstu nicht nach dem innern ringen/
So ists mit dem nicht außgericht.

2.
Laß dein Verlangen weißlich hangen
An jener wahren Einsamkeit/
Die dich erst von dir selbst befreyt/
Wenn du bist auß dir selbst gegangen.
Die Selbst-Lieb muß dich gantz verlassen/
Die Dauben-Flügel müssen dich
In Krafft des Geistes starck erfassen/
Mit Gott verbinden festiglich.

3.
Drum bleib nur im Gehorsam stehen;
Kein Kriegs-Mann weicht von seiner Post/
Obs auch schon Blut und Leben kost!
Wenn ihn sein Herr dahin heißt gehen.
Der Glaube weiß nicht von eignem Willen/
Er sieht ihm selbst den Weg nicht auß/
Dadurch er Gottes Will erfüllen/
Und auß dem Streit will kommen rauß.

4.
Du bist dir selbst die gröste Plage/
Du trägst noch Babel stäts in dir.
Wiltu noch Ruh geniessen hier/
So laß dir keine süsse Tage
Durch süsse Träume hier vorlegen/
Du machst dich nur mehr mißvergnügt;
Die Liebe Jesu wird dich hegen/
Die alles Wissen überwiegt.

5.
Nun freue dich auff jene Kammer
des Friedens/ da du wohnen wirst/
Wenn dich nicht mehr nach Ruhe dürst/
Und bist befreyt von allem Jammer/
Den hier noch Städt und Wüsten haben/
Und wo du nur wilt fliehen hin.
Die Einsamkeit kan dich nicht laben/
Wenn mit dir zieht dein eigen Sinn.

6.
Du kanst auch mitten im Getümmel
Der Welt den Vatter beten an/
Der dich doch bald erlösen kan/
Wenn dir schon nützte jener Himmel/
Und dich Egypten nicht soll üben/
Daß deiner Treiber schweres Joch
Dich lernte recht den Himmel lieben/
Und dein Verlangen stillte noch.

7.
Da ist ein Canaan zu hoffen/
Kein Paradieß ist mehr allhier.
Es hat noch niemand/ der mit dir
Entfliehen will/ den Zweck getroffen.
Die Hoffnung mehrt sich mit den Dingen/
Die süß und doch unsichtbar sind/
Es muß uns doch zuletzt gelingen:
Bleib nur in Einfalt Gottes Kind.

Göttliche Liebesfunken, Erster Teil 22

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