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LYRIK Gottfried Arnold (1666-1714) - Poetische Werke 18

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Gottfried Arnold (1666-1714)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 18

126.

Babels Grab-Lied. Herem. 51. v. 9.

Melod. Nur frisch hinein es kan so tieff etc.

1.

Der Wächter Rath
den Gott bestellet hat
Spricht die Sententz schon über Babels-wunden
Es sey kein Artzt noch Kraut vor sie gefunden
So gar verzweiffelt sey der Schad
den Babel hat.

2.
Ein jeder will
den Schmertz zwar machen still
Wie viel Quacksalber wollen Ritter werden An diesem Krebs?
Und sehn nicht die Beschwerden
daß Babel selbst Gott niemals halten still
Und folgen will.

3.
Sie inficirt den Artzt der sie berührt
Und läßt an ihm zum Trinckgeld Plagen kleben
der sie doch will erhalten bey dem Leben
Und flickt an ihr. So daß man deutlich spürt
Wer sie berührt.

4.
Es zieh ihr an die Larve wer noch kan
Such seine Kunst mit Schwätzen zu beweisen
die Zorn-Fluth wird den Heuchel-Schmuck abreissen.
Das Feuer kommt und zündt die Stoppeln an.
So bleibt nichts dran.

5.
Seht ihr noch nicht
daß ihr gar nichts außricht
Ihr die ihr sie so gerne woltet heilen?
Wollt ihr in dem Pest-Hause noch verweilen? Seht
daß euch ja der Patiente nicht
den Halß noch bricht.

6.
Man siht den Greul
der Boßheit starcke Seul.
O pfuy wie stinckt die Hure hier auff Erden!
Wie soll sie nicht ein Abscheu Engeln werden?
Wenn sie entdeckt von so gar langer Weil
der Boßheit Greul.

7.
So lasst sie gehn
und ihrem Richter stehn!
O reisset Band und Pflaster ihr vom Leibe
damit sie bloß und nackend stehen bleibe!
Die Schande muß der gantze Himmel sehn.
Drum laßt sie gehn!

8.
Des Bechers Grimm schweigt ihre Zauber-Stimm:
Der Könge Muth fängt sie schon an zu hassen.
Man wird ihr nichts als Schand und Blösse lassen.
Es zeigt ihr schon von fern die Engels-Stimm des Bechers Grimm.

9.
Der Tod sitzt ihr schon auff der Zungen schier
Ihr Aas soll bald in Abgrund seyn begraben
da mögen sich die Buhler an ihr laben.
Die fürchten schon es falle ihre Zier
Und merckens schier.

10.
Drüm stürmt ihr Nest
Darinn sie stoltz gewest
Zerschmettert ihre Kinder an den Steinen!
Die Schlangenbrut soll ja niemand beweinen.
Gebt ihrem Bau dem Frevel-Sitz den Rest
Und stürmt ihr Nest.

11.
Seht welcher Christ erst auff der Mauren ist
Soll zur Belohnung Schwerdt und Feuer haben
Bey diesem Sieg ertheilt man solche Gaben.
Doch bey Gott kriegt ein solcher Helden-Christ
Was ewig ist.

12.
Auff auff! Es rufft auß jener Sternen-Lufft
Und bläßt schon Lerm der Wächter auff der Mauren der Sion- Stadt.
Es müsse keinen dauren Ehr
Gut und Blut! Hört wie euch in der Lufft der Wächter rufft.

13.
Laufft an
und streit in Helden-Tapfferkeit!
Soldaten müssen nicht so feige kämpffen;
Wer will dann sonst der Hure Herrschafft dämpffen
Wann auch nicht Hirten-Knaben sind bereit
Zur Tapfferkeit?

14.
Zwar mit dem Maul Ist annoch keiner faul;
Es weiß ein jeder was davon zu sagen.
Wer kan nicht über das Verderben klagen?
Doch wenn es weiter geht
als an das Maul
So ist man faul.

15.
Drum dämpffet nicht den Geist
wenn er außbricht In euch und andern
Babels Grund zu stöhren; Ihr sonderlich
die ihr wollt viel bekehren
Seht daß nur erst in euch gantz Babel bricht
Und heuchelt nicht.

16.
Nennt fein das Kind Mit Namen wie ihrs findt
Und schmieret nicht ein Pflaster auf den Schaden
das euch selbst zum Gerichte möcht gerathen.
Geht auß! schreyt an das höllische Gesind
Wo ihr es findt!

17.
Bey Heuchel-Tand Wird Zion nicht bekandt
Wenn niemand will den Fuchs ins Fell recht beissen.
Wollt ihr der Hur noch Reverentz beweisen
Die balde soll mit Feur seyn verbrannt?
O Heuchel-Stand!

18.
Indeß Geduld! Gott find schon Babels Schuld
Thriumph! Es ist der Sturm Sion gelungen!
Drum sey Gott schon im Vorrath Lob gesungen!
Ein richtig Hertz bleibt doch in Gottes Huld
Darum Geduld!

Göttliche Liebesfunken, Erster Teil 18

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