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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 474

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 474

Selbstgefühl

Fliegendes Blat.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich bin nicht krank und bin nicht gesund.
Ich bin blessirt und hab keine Wund.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich thät gern essen und geschmeckt mir nichts,
Ich hab ein Geld und gilt mir nichts.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich hab sogar kein Schnupftaback,
Und hab kein Kreutzer Geld im Sack.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Heirathen thät ich auch schon gern,
Kann aber Kinderschrein nicht hörn.

Ich weiß nicht, wie mir ist,
Ich hab erst heut den Doktor gefragt,
Der hat mirs unters Gesicht gesagt,

Ich weiß wohl, was dir ist,
Ein Narr bist du gewiß;
Nun weiß ich, wie mir ist!

Dies ist das alte deutsche Uebel
und wers nicht hat, der nehms nicht Übel

Welcher Mann ein Henn hat die nicht Eyer legt,
Und ein Sau die nicht Junge trägt,
Und ein Kuh die nicht Milch giebt,
Und ein Tochter die all Nacht ausliegt,
Und ein Sohn der allzeit gern spielt,
Und ein Frau die ihm heimlich abstiehlt,
Und ein Magd die da geht mit einem Kind,
Fürwahr der hat ein unnütz Hausgesind.
Doch ist noch eine schlimmre Qual,
Die trit die Leute an auf einmal,
Auf den hohen Roßen die Reitersknaben,
Die können ihr nicht leicht enttraben,
Die kommt von freundlicher Botschaft schicken,
Brieflein schreiben, Augen blicken,
Mündlein küßen. Händlein greifen,
Lauten spielen, Nachtes Pfeifen,
Unter dem Tisch die Füßlein treten,
Untern Bänken die Knielein kneten,
Darnach dann zusammen rucken
Und in die heimlichen Winkel schmucken,
Die rothen Wänglein dreschen,
Die schwarzen Hemdlein wäschen,
Silbern Kleinod schenken,
Mit den Augbrölein wenken,
Aus der Kirchen sich verstehlen,
Und in engen Gassen sich verhehlen,
All Stunden verbey laufen,
Heut schlagen, morgen raufen.
Wer nun ein solches Uebel hat,
Der merk, wie es hernach ihm gaht,
Sein Schlaf wird ihm genommen gar,
So muß er laufen her und dar
Gleich wie ein wütender Hund,
Und kann geruhn zu keiner Stund.
Wann er soll zu Tische sitzen,
So wird er vor Aengsten schwitzen,
Hat manchen seltsamen Gedank,
Zeit und Weil wird ihm lang
Und thut nichts als Hölzlein schnitzen,
Mit denselben die Wänd zerkritzen,
Henkt unter sich sein Haupt,
Von ihm wird gar niemand erfreut.
Fuß rutschen, Teller stupfen,
Hand-Zwehlen knüpfen
Und auch die Gläser klenken,
Manchen tiefen Seufzer senken,
Mit Messern Brod klopfen,
Und die Finger ropfen,
Dazu auch über sich sehen,
Treibt er viel, es muß geschehen,
Die Augen wirft er hin und dar
Und jetzt wird er der Metze Narr.
Alte Schuld und Schaden rächen,
Niemand mehr freundlich gesprechen
Und Tischlacken schaben,
Solche Zeichen muß er an sich haben.
Was ander Leut thun ist ihm schwer,
Er ist ein rechter groß Martrer,
Und liegt stetig in großem Weh.
Zu Nacht lauft er in den Schnee,
So er dann hört der Metzen Stimm,
Dann sticht ihn erst des Uebels Grimm,
Von Frost und Regen leidet er viel,
Also treibt der Thor sein Saitenspiel
Wohl hin über die Wochen ganz.
Am Sonntag schenkt ihm die Metz ein Kranz,
Der ist nicht einer halben Haselnuß werth,
Den die Metz dem Narren gewehrt,
So er nun den Kranz auftreit,
So dünkt er sich zehenmal so breit
Und lauft damit in alle Gassen,
Er dünkt sich stolz ohn alle Maaßen.
Was ihm die Metz heist, muß er thun,
So kann er ohne Krieg nicht ruhn.
Welcher sich des Uebels will erwehren,
Der soll sich zu guten Gesellen kehren,
Wo sie sitzen bey dem kühlen Wein
Und soll die Metze ein Metze lassen seyn,
Bis daß sie ihm werd gegeben zu der Eh,
Ihm wird dennoch wahrlich wohl weh,
Wenn er ein Jahr zu Hause sitzt bey ihr,
Er wollt daß sie ein Reutlinger Ochs wär,
Er gäb sie wieder um das halbe Hauptgut,
Also spricht Nicklas Wohlgemuth.

Des Knaben Wunderhorn 258 Band 2 - 41

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