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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 47

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 47

Die Einsegnung

Leise tret ich in die heil'gen Hallen,
Kleine Kinder stehen vor der Thür,
Wähnen, daß ihr Beten nicht gefalle,
Wissen noch kein richtig Wort dafür.

Lasset doch die Kindlein zu mir kommen,
Wehret ihnen nicht! geschrieben steht
Auf der Pforte ihnen zum Willkommen,
Wer nicht lesen kann, es nicht versteht.

Wahrlich, wahrlich, das sei euch gesaget,
Wer nicht ist wie ihr, der tret' nicht ein,
Wo bewundrungsvoll so kühl es taget
Durch der Fenster bilderreichen Schein.

Wie die Kränze mit dem goldnen Schimmer,
Wo die Gitterstühle für so manch Geschlecht,
Gräber zahllos, ordnungslos wie Trümmer,
Und die Orgel wandelnd rein und recht.

Nur in diesen ernsten, sanften Tönen
Wandelt noch von Gott ein Ebenbild,
Nur dein Lispeln kann, was lebt, versöhnen,
Und dein Ernst ist dieser Gräber Schild.

Alles, was hier dauret, ist vergangen,
Die da draußen standen jugendfromm,
Gehen nicht mehr ein mit dem Verlangen,
Weil der Flamme Funken hier entglomm.

Seht sie heilig an, ihr frommen Bilder,
Sie verstehn nicht eurer Sehnsucht Blick,
Und sie reißen euch in Stücken wilder,
Denn ihr steht im Wege ihrem Glück.

Schlägt ein Würgeengel die Gebornen,
Rieselt auf den Saaten rothes Blut,
Dann so zeigen sich auch die Erkornen,
Und ich hab sie zu erwarten Muth.

Milde hat die Orgel euch gemahnet,
Und ich finde doch die Kirche leer,
Wenn ein hoher Traum darin geahndet,
Wenn ein Geist darin gebannet wär.

Nein, wie sollt' ich das alleine hören,
Sollt' ich sein alleine so entzückt,
Der die Falschen alle kann bekehren
Und die Wahren allesammt beglückt.

Nein, gelobt der Herr, die Frommen kommen,
Mädchenschaaren paarweis, schüchtern, bleich,
Wollen sein zur Kirche aufgenommen,
Sind am Lebensbaum die frischen Zweig.

Wie der Engel überm Taufstein bebet,
Wie er freudig seine Hand bewegt,
Und die heil'ge, lichte Taube schwebet,
Über diese Schaar im Kreis sich trägt.

Und von allen diesen glatten Stirnen,
Ist nur eine, wo ein Flämmlein brennt,
Schön Gestade, laß die Winde stürmen,
Der erfahrne Schiffer dich erkennt.

Hülflos war sie einst wie andre Kinder,
Eh' das heil'ge Wasser sie getauft,
Doch das Feuer taufet den geschwinder,
Der's mit seiner ganzen Seele kauft.

Ernst spricht jetzt der Pred'ger in der Mitte,
Ältern, Diener, Freunde weinen fern,
Beten, daß der Herr erhör' die Bitte,
Säh' in ihrer Prüfungsstund' sie gern.

Alle sagen an die Glaubensworte,
Geben nach der Vorschrift hin die Hand,
Ach wo bleibt die Eine und ich warte,
Ach ich seh im öden Meere Land.

Eine, jene, könnt' ich sie nur nennen,
Ist es jener reine Orgelgeist,
Nicht in Schönheit will die Heil'ge brennen,
Ihre Locken sind verstecket meist.

Eine Trauerahndung in den Augen,
Um die Lippen sanfter Duldersinn,
Doch zum Sprechen nicht die Lippen taugen,
Sie erröthet schwebend bis zum Kinn.

Beide Hände legt sie vor die Stirne,
Sinket vor dem Pred'ger sprachlos hin,
Mitleid lächelt manche kluge Dirne,
Doch die Taube schwebet in dein Sinn.

Über ihr mit gleichen Flügeln schwebet,
Hebt die Nacht von ihrem Auge weg,
Daß sie auch für alle heilig lebet,
Nimmt sie Schwindel von dem Himmelssteg.

Denn sie sah erhoben sich zum Blauen
Und den Pred'ger sah sie unter sich,
Beide Hände reicht sie mit Vertrauen,
Eine ihm, die andre fasse ich.

Laß du heil'ger Geist sie nimmer sinken,
O so bleibt die Hand auch immer mein,
Hohes Kind, du lallest, kannst nur winken,
Mache uns von allen Sünden rein.

Wie, du hörst nicht in den kühlen Fluthen,
Aus der heißen Welt hinaufgeweht,
Über dir die ew'gen Morgengluthen
Thaues Perlen auf dem Busen seht.

Hör' ich doch den Geist noch wieder tönen,
In der Orgel ernstem Trauerspiel,
Was die Welt im Leichtsinn kann versöhnen,
Ist ein Tod in seligem Gefühl.

Nein, du lebst noch, aber diese Schrecken
Haben ausgetilgt die irdsche Lieb',
Keine Rosen können Sehnsucht wecken,
Gegen Himmelsrosen sind sie trüb'.

O so sei dein Leben ein Verkünden,
Und mein Leben meine Demuth sei,
Liebe kann uns nimmermehr verbinden,
Höh're Liebe läßt dich nimmer frei.

Sei gegrüßt wie jene Gnadenbilder,
Aus der Vorzeit ihr verlassen steht,
Täglich seht ihr gnadenreich und milder,
Wenn auch keiner hier euch mehr versteht.

Sieh, Maria, wer den Blick empfindet,
Den du nieder auf die Welt gesandt,
Als der Engel sich dir hat verkündet,
Hat dich auch in seiner Höh' erkannt.

Nicht um Dienste, nicht um Wallfahrtgaben,
Nein, dem Treuen zeigtest du den Sinn,
Während auf dem Haupt dir nisten Raben,
Überm Herzen hängt ihr Netz die Spinn.

Alle Stern' des heiligen Gewandes
Sind erloschen vor dem höhern Sohn,
Dessen Bild noch heut das Glück des Landes,
Sieht sie ihn am Kreuz im höchsten Thron.

Ja auf Erden, was aus Liebe kommen,
Wird in Leiden sich allein bewußt,
Wie ich in der Kirche aufgenommen,
Fühlt ich nichts von all der hohen Lust.

Trostlos Klügeln war in aller Herzen,
Und ein Streiten, was es doch bedeut,
Was dreieinig, was das Blut der Schmerzen,
Was das Brod des Lebens uns bereit.

Alle Stimmen sinken, wenn sie lange,
Sangen so alleine in der Ruh;
Doch die Orgel hält sie fest im Klange,
Und die Noth läßt kein Versinken zu.

Harte Zeit nur kann die Kirche füllen,
Die verödet stand nach leerem Streit,
Und ich ahnd' es gläubig hier im Stillen,
Dich und mich trennt heil'gend diese Zeit.

Mein Stammbuch 45

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