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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 408

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 408

Das Gnadenbild Mariä-Hülf bey Passau

Procopii Mariale festivale. S. 9.

Es wohnt ein schönes Jungfräulein
Bekleidet mit Sammt und Seiden,
Ob Passau in ein Kirchel klein,
Auf einer grünen Heiden,
Dort auf dem Kapuziner-Berg,
In Gnaden sie verbleibet,
Mit Zeichen und mit Wunderwerk
Ihr meiste Zeit vertreibet.

Aus fremden Landen führt sie her,
Erzherzog Leopoldus,
Ihr zu erzeigen alle Ehr,
Das war sein gröste Wollust.
Den schönen Sitz hat ihr bereit,
Ein edler Herr von Schwendi,
Jezt genießt er in der Seligkeit,
Ihr mütterliche Hände.

Auf ihrem Haupt trägt sie ein Kron,
Von Gold und Edelsteinen,
Von Silber ist gemacht ihr Thron,
Auf dem thut sie erscheinen,
Jesus der wahre Gottes Sohn,
In ihren Armen wohnet,
Die Seel, die ihm und ihr thut schön,
Bleibt wohl nicht unbelohnet.

An ihr ist nichts denn Heiligkeit,
Und majestätisch Leben,
Ganz englisch ist ihr Reinigkeit,
Demüthig doch darneben,
Ihr Ursprung ist sehr adelich,
Von königlichem Stamme,
Ich darf sie nennen öffentlich,
Maria heißt ihr Namen.

Vor ihr die Engel neigen sich,
Weil sie Gott selber ehret,
Dienstwillig sie erzeigen sich,
Sobald sies nur begehret,
Die Kaiser beugen ihre Knie,
Die König sie schön grüßen,
Fürsten und Herrn rühmen sie,
Und fallen ihr zu Füßen.

Es stehn vor ihrem Angesicht,
Viel tapfre Edelknaben,
Zu ihrem Dienst dahin gericht,
Die Schild in Händen haben.
Wie Engel stehen ihr so nah,
Der Ablaß und die Gnade,
Die grüßen uns von Ferne da,
Und hin zu ihr uns laden.

Mit vielen zarten Blümelein,
Ist sie gar fein umstecket,
Mit Nägeln und mit Röselein
Wird ihr Altar bedecket,
Davon das ganze Kirchel schier
Ueberaus lieblich schmecket,
Damit das Volk durch solche Zier
Zur Andacht werd erwecket.

Oft Musikklang und Orgelspiel
Thut man da bey ihr hören,
Aemter und Litaneien viel,
Haltet man ihr zu Ehren,
Ihr viel Personen immerdar
Lichter und Ampeln brennen,
Durch welche sie sich ganz und gar
Zu ihrem Dienst bekennen.

Dort sieht man durch die Sommerzeit,
Prozession und Fahnen,
Die Prediger nach Gelegenheit
Das Volk zur Buß vermahnen,
Sie, Reich und Arm, Mann, Weib und Kind,
Loben und benedeien,
Und so sie beichten ihre Sünd,
Thut mans ihnen verzeihen.

Allda sich in ein Klösterlein,
Nicht weit von ihr gelegen,
Viel arme Diener schließen ein,
Allein von ihretwegen;
Daß sie ohn alle Hinderniß
Der Jungfrau mögen pflegen,
Und letzlich nach gethaner Buß,
Erwerben ihren Segen.

Sie hat ein kleines Glöckelein,
Gar wunderschön es klinget,
Gleich wie ein kleines Waldvögelein
In aller Früh es singet,
Sobald es hört ein liebreichs Herz,
Vor Freuden es aufspringet:
Das Volk es locket hinaufwärts,
Wanns in die Luft sich schwinget.

Sie liegt mir an dem Herzen mein,
Holdselig von Gebärden
Wollt Gott, ich könnt ihr Diener seyn,
So lang ich leb auf Erden,
Drum sofern ist in mir was Guts,
Und auch sogar das Leben,
Bis auf den lezten Tropfen Bluts
Will ich gern für sie geben.

Den Bogen sie mit Liebes-Pfeil,
Die Herzen durchzuschießen,
Gespannt zu halten alleweil,
Läst sie sich nicht verdrießen.
Verbreitet ihres Sohnes Licht,
Die Seelen zu gewinnen,
Ihr große Macht darauf sie richt,
Spart keinen Fleiß hierinnen.

Wer nur ansieht ihr schön Gestalt,
Der thut sich gleich verlieben,
Als wär an ihr Magnets Gewalt,
So wird er angetrieben,
Viel tausend Leut so manche Meil,
Ihr zu Gefallen reisen,
Zu kurz ist ihnen Zeit und Weil,
Wann sie ihr Ehr erweisen.

Den sie nur freundlich blicket an,
Den hat sie schon gewonnen,
Ihr Anblick ihn bald fangen kann,
Kommt nimmer gern von dannen,
Nicht wenig thun bekennen das
Von Bösen und von Frommen;
Meinen, es zieh sie weiß nicht was,
So sind sie eingenommen.

Geb Gott, daß stets an diesem Ort,
Sein Name werd gepriesen,
Daß ihm sogar mit keinem Wort,
Ein Unehr werd bewiesen,
Das liebe Kindlein Jesus Christ,
Der Mutter zu gefallen,
Woll helfen thun zu jeder Frist,
All die zur Jungfrau wallen.

Des Knaben Wunderhorn 192 Band 1 - 192

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