L Y R I K
LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 264

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 264

Der Bettelvogt

Mündlich.

Ich war noch so jung, und war doch schon arm,
Kein Geld hat ich gar nicht, daß Gott sich erbarm,
So nahm ich meinen Stab und meinen Bettelsack,
Und pfiff das Vaterunser den lieben langen Tag.

Und als ich kam vor Heidelberg hinan,
Da packten mich die Bettelvögte gleich hinten und vornen an;
Der eine packt mich hinten, der andre packt mich vorn;
»Ey ihr verfluchte Bettelvögt, so laßt mich ungeschorn.«

Und als ich kam vors Bettelvogt sein Haus,
Da schaut der alte Spizbub zum Fenster heraus,
Ich dreh mich gleich herum und seh nach seiner Frau:
»Ey du verfluchter Bettelvogt, wie schön ist deine Frau.«

Der Bettelvogt der faßt einen grimmen Zorn,
Er läßt mich ja setzen im tiefen tiefen Thurm,
Im tiefen tiefen Thurm bey Wasser und bey Brodt,
»Ey du verfluchter Bettelvogt, krieg du die schwerste Noth!«

Und wenn der Bettelvogt gestorben erst ist,
Man sollt ihn nicht begraben wie 'nen andern Christ,
Lebendig ihn begraben bey Wasser und bey Brodt,
Wie mich der alte Bettelvogt begraben ohne Noth.

Ihr Brüder seyd nun lustig, der Bettelvogt ist todt,
Er hängt schon im Galgen ganz schwer und voller Noth,
In der verwichenen Woch am Dienstag um halber neun,
Da haben sie 'n gehangen in Galgen fest hinein.

Er hätt die schöne Frau beynahe umgebracht,
Weil sie mich armen Lumpen freundlich angelacht.
In der vergangenen Woch, da sah er noch hinaus,
Und heut bin ich bei ihr in seinem Haus.

Des Knaben Wunderhorn 48 Band 1 - 48

◀◀◀ ▶▶▶


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE