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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 197

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 197

Aloys

»Wer rasselt mit den Ketten
Auf Arburg in dem Schloß,
Eilt keiner ihn zu retten,
Sein Blut schon röthlich floß?«
Die Folter hats getrunken,
Er rufet: Tröste dich,
Der Tag ist bald versunken
Auf Rosen liege ich.

Ihr grüßt mich Abendstrahlen
Gefärbt mit meinem Blut,
Die Rache mir zu malen,
Zu wecken meinen Muth,
Ich höre Abendlieder
In einsam stillen Thal,
Ich sehe Rosen wieder
Am Berg im Abendstrahl.

O sieh die Alpenrose,
Der lieben Freiheit Bild,
Mein Röschen auf dem Moose.
Uns deckt das blaue Schild,
Das milde ausgespannet
Der Freiheit Streiter lohnt,
Wer von der Welt verbannet,
Auf hohen Alpen thront.

Wir haben treu gestritten
Für unser heilig Recht,
Und was wir hier erlitten,
Gerechte Nachwelt rächt:
Auf denk der ältern Brüder,
Der Todten Seligkeit,
Wir sehen heute wieder
Den Tell, der uns befreit.

Du siehst das Eiland scheinen,
So still im milden See,
Drei Palmen zu vereinen,
Auf seiner stillen Höh;
Es grünen ihre Blätter
Im Tode Siegertrost,
Die Freiheit siegt im Wetter
Im Blitzstrahl und im Frost.

Es gehen in dem Schatten
Die drei vom alten Bund,
Was sie geschaffen hatten
Geht wahrlich nicht zu Grund:
Das Alphorn soll erschallen,
Zum hohen Strafgericht,
Die Feinde sollen fallen,
Wenn unsre Kette bricht.

Mein Aloys ich höre,
Spricht Werner, Unken schrei'n,
O sehe ich beschwöre
Des Hochgerichtes Schein:
Da winket keine Palme,
Es rauscht das gelbe Laub,
Am Felsen dürre Halme,
Sind schon der Winde Raub.

So sollen wir verwehen,
Wenn wir hier nicht bekannt,
Da sollen wir vergehen
Wenn wir sie nicht genannt:
Die sich in Tells Kapelle
Mit uns zum neuen Bund
Verschworen an der Stelle,
Wo Tell entfloh gesund.

Wir können nicht entfliehen
Drei Pfeiler seh ich stehn,
Die Todtentänze ziehen,
Mein Weib nur möcht ich sehn:
Sieh das ist unser Himmel,
Da steigen wir hinan,
Der Geister bunt Gewimmel,
Schaut uns schon grüßend an.

Vergebens sind gestorben
Die Edlen in dem Kampf,
Der Feind hat schlau erworben,
Den Preis von unserm Kampf:
Verträge schlau gebrochen,
Durch Falschheit uns besiegt,
Die Freiheit ist gebrochen,
Ihr Held in Ketten liegt.

Ach alles ist verloren,
Die Freiheit zog nun fort
Wo sie vom Tell geboren,
Genährt in heil'gem Ort:
Dem Sommer folgen Schauer,
Der Berge Haupt wird weiß,
Der Winter auf der Lauer,
Berühret sie schon leis.

Der Winter wird vergehen,
Spricht Aloys mit Lust,
Der Frühling wird erstehen,
Und Rache füllt die Brust:
Und wenn wir auch gestorben,
Es fließ der Henker Blut,
Die Freiheit jetzt erstorben,
Ersteht aus unserm Blut.

Bewaffnet sind die Schaaren,
Der Morgenstern ihr Hort,
Die Nacht wird sie bewahren,
Sie ziehn von Ort zu Ort.
Dann sammeln sich die Brüder,
Im heil'gen Gotteshaus,
Dann flammen hohe Lieder,
Die Freiheit hoch hinaus.

Sie werden eingeweihet
Zum Leben und zum Tod,
Die Fremden bald zerstreuet,
Ein Fremdling alle Noth.
So sterben wir für jene
Und wachen herrlich auf.
Der Freiheit höchste Töne,
Sind Auferstehungs-Kauf.

Nur das will mich betrüben,
Ich lasse meine Braut,
Mein Röslein Feindestrieben
Verlasse meine Braut,
Die Treue mir geschworen,
Auf's Schwert, das sie mir reicht,
Ich hab das Schwert verloren,
Auch Treue weicht vielleicht.

Wer rasselt mit den Ketten
Auf Arburg in dem Schloß,
Eilt keiner ihn zu retten,
Sein Blut schon röthlich floß?
Sein Röschen hats gehöret,
Als Wächter ist sie nah,
Verkleidet ungestöret,
Die Rettung sie ersah.

Sie steiget in das Zimmer,
Wo beide eng bewahrt,
Die Rose bei dem Schimmer,
Den noch der Mond bewahrt,
Still lößt sie ihre Ketten
Sie folgen ihr so gern,
Sie hoffen sich zu retten,
Er siehet seinen Stern.

Sie steigen auf und nieder,
Die Rose führt sie leicht,
Auf geistigem Gefieder
Der feuchte Nebel streicht.
Sie redet keine Worte,
Mit ihrem Bräutigam
Sie horcht an jedem Orte,
Ihr Haar weht ohne Kamm.

O Rose flüstert jener,
Du bist es liebe Braut
Ein Engel ist nicht schöner!
Sie spricht: Nur mir vertraut,
Und bin ich auch verblichen
Aus Gram und Angst um dich,
Die Ketten sind gewichen,
Die Freiheit rette ich.

Doch bald scheint sie verschwunden
Zum Morgen ging ihr Lauf,
Die Täuschung reißt die Wunden
Der alten Hoffnung auf:
Sie wagen nicht zu regen,
Den Fuß vom Boden auf,
Sie beten Abendsegen,
Da geht die Sonne auf.

Sie staunen, zweifeln, fassen,
Die Brüder an im Wahn,
Die Brüder sie umfassen
Auf ihrer Siegerbahn.
Es fehlte noch der Führer,
Zum kühnen Überfall,
Und Aloys als Führer,
Begrüßt des Alphorns Schall.

Die Freunde ausgezogen
Vom hohen Alpenland,
Vom Feinde fortbetrogen,
Führt jetzt des Helden Hand:
Und wer ihn hat geführet
Aus finsterm Schloß den Held,
Die Liebe hat geführet,
Die Freiheit in die Welt.

Sein Liebchen ruht im Arme,
Auf Aloys die Braut,
Doch ach, daß Gott erbarme,
Zugleich des Todes Braut:
Die Angst hat sie erdrücket,
Der Freiheit reicht der Held,
Zur Leiche hingebücket,
Den Arm, den sie noch hält.

So stirbt die Mutter kreißend,
Ihr Kindlein in dem Schooß,
Die Lieb zum Himmel reißend
Bleibt Freiheit nackt und blos:
O Held auf dir gebauet
Stehn wir am Felsenrand,
O Fels auf dir vertrauet

Nachlese 46

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