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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 192

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 192

Hippolita

Sie (singt in der Kammer).

Nur einen Tag mir dauert
Der Ehrenblume Pracht,
Das hab' ich lang betrauert,
Sie haben mich verlacht.
Warum so kurz die Freude,
Warum so lang das Leid?
Bey meinem Hochzeitkleide
Liegt jetzt mein Trauerkleid.

Hier war ein herrlich Wesen
Von Reitern schön und kühn,
Und der mich hat erlesen
Vor allen thäte ziehn;
Sie folgten ihm doch alle,
Wenn er vor ihnen ritt,
Bey dem Trompetenschalle
Lief auch mein Blut so mit.

Ich fuhr in hohem Wagen,
Mein Herr, der führte ihn,
Die Rappen wiehernd jagten,
So hell die Sonne schien,
Ich sah noch fern die Hütte,
Zum Himmel stieg ihr Rauch;
Aus ihrer stillen Mitte
Ich zog, verflog nun auch.

Die Kirche frisch gestreuet
Mit buntem, krausen Sand,
Vom leisen Tritte schreiet,
Ich reiche ihm die Hand.
»Nicht Mutter weint gebeuget,
Der Ring ist golden ganz.«
Doch sie den Goldschaum zeiget,
Auf manchem Sterbekranz.

Der Priester trat zurücke,
Mein Mann mich hielt so lieb,
Mich grüßten alle Blicke,
Das Blut zur Wange trieb;
Mein Glück, wer kann es fassen,
Es faßte mich so fest,
Und hat mich doch verlassen,
Mich so verlassen läßt.

Ich träumte keine Sorgen,
Mein Aug' der Sonne lacht;
Wo bliebst du Lieber im Morgen,
Eh ich noch war erwacht?
Wo bliebst du Lieber im Morgen,
Es hat dich keiner gesehn;
Mein Kind blieb mir verborgen,
Ich sah es nicht in den Wehn.

Ich sitze zwischen Seen
In meiner Eltern Haus,
Muß dienen und muß gehen
Mit Pilgern ein und aus;
Viel Knaben Mitleid haben
Mit meiner Traurigkeit,
Ihr Trost könnt mich wohl laben,
Ach, blieben sie nur heut!

Muß selber ihnen reichen
Den Pilgerstab und Huth,
Die Hand ich möchte reichen,
Dem, der so traurig thut.
Doch könnte er wohl meinen
Ich liebte ihn wohl gar,
So aber muß ich weinen
Das ganze, ganze Jahr.

Ein Pilger.

Die Pilgersleut vergaßen
Den Rosenkranz im Haus.
Sie kamen wieder, saßen,
Bey diesem Ohrenschmaus;
So schön sie hörten singen
Der Wirthin Töchterlein,
Ganz heimlich zu ihr gingen
Wohl in das Kämmerlein.

Sie gaben ihr die Hände,
Und nahmen sie auch mit,
Daß sie zur Wallfahrt wende
Den hohen, edeln Schritt,
Zu jenen heil'gen Gipfeln,
Die Gottes Lieb' erbaut,
Wo in der Bäume Wipfeln
Ihr Schmerzensbilder schaut.

Da fand sie leer ihr Leiden,
Sie fand ihr Herz so voll,
Sang da zu aller Freuden,
Daß hoch die Kirch erscholl;
Viel Knaben knieten nieder,
Die Noten halten ihr,
Sie dienen ihr wie Brüder,
Und wie die Engel schier.

Darum viel Pilger glauben,
Cäcilien zu sehn,
Mit Ros' und blauen Trauben
Sie da umwinden schön;
Ein Lämmlein zu ihr führen
An einem rothen Band,
Mit hohen Kerzen zieren
Der Kirche dunkle Wand.

Da fühlet sie ein Wehen,
Die Taube fliegt zu ihr,
Mit tiefster Ehrfurcht sehen
Die Lästrer auf zu ihr;
Mit hellen Blicken schauet
Der Muttergottes Bild,
Wer sich ihr ganz vertrauet,
Dem zeiget sie sich mild.

Nachlese 41

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