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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 150

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

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Arent, Wilhelm

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Arnim, Achim von

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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 150

Schill

1809.

Alle Straßen stehen voller Leute,
Keiner sieht den Andern an,
Wie viel Thränen fallen heute
Um den einen Mann,
Doch von Tausend war nicht einer
Der ist wie Schill, nein keiner, keiner;

Wenn für uns der Herrlichste gefallen,
Wofür leben wir in Schand',
Laßt die Feuerglocken schallen,
Zeigt der Liebe Brand,
Daß sie in der Gluth der Rache
Ihm die Todtenfeier mache.

Scharfe Sensen hebet zu dem Streite,
Eure Hände hebt empor,
Betet, daß euch Gott begleite,
Allesammt im Chor,
So wie Schill vor's Thor,
Und dann frisch mit Gottes Segen
Gleich dem bösen Feind entgegen.

Allen Deutschen hat es Schill beschworen,
Jeder Deutsche lebe frei,
Die sich ihren Tod erkoren,
Ihrem Lande treu,
Aber nicht wie Opferthiere fallen
Fremden Götzen zu Gefallen.

Hundert Meilen ist er hingezogen,
Aus Chursachsen nach Stralsund,
Zu verkünden, wie betrogen
Die im Rheinschen Bund,
Daß sie nur Franzosenknechte
Zeigt er ihnen im Gefechte.

Hört, es schlug bei Todtendorf so prächtig,
Hieb mit seiner Reiterei
Die Franzosen, die so mächtig,
Ließ Westphalen frei,
Daß sie alle Ohren dann verkünden,
Wie es sie vom Joche wollt' entbinden.

Zeigen wollte er da allen Seinen,
Die Kanonen sei'n zum Spott,
Wo's die Leute ehrlich meinen,
Ist mit ihnen Gott,
Ihre Säbel hau'n zusammen,
Alle wilde Pulverflammen

Festung Dömitz hat er eingenommen
Mit der Ohrfeig' ganz allein,
Die die Schildwach hat bekommen,
Und sie ließ ihn ein.
Bei Hitzacker die Holländer,
Machten sich noch viel elender.

Bei Damgarten er mit Macht zerstreute
Selbst das mecklenburgsche Heer,
Und Stralsund vom Feind befreite,
Der es drückte schwer;
Hat erstürmt dreihundert der Kanonen,
Die Franzosen tödtet ohne Schonen.

Hier vernimmt er, daß sein König zürne,
Und der Gram verzehrt ihn ganz,
Ew'ge Unruh martert ihn im Hirne
Und ihn drückt der Kranz;
Sterben will er da mit allen Seinen,
Seine Treue soll darin erscheinen.

Er verweilet bis sein Schiff verbrennet,
Bis ein mächtig dänsches Heer,
Mit Gewalt ihn hat berennet,
Fiel mancher Schuß so schwer,
Bis sie ins Thor gedrungen
Ist mancher Kopf gesprungen.

Alle Seinen sind ihm treu gefallen,
England schicket ihm ein Boot,
Daß er sie einst räche Alle,
Doch er will den Tod,
Reitet ganz allein zurücke,
Ruhig wie im alten Glücke.

Ihm entgegen vor dem Regimente
Reitet Genral Carteret,
Und den schießt er wie die Ente,
Daß er untergeht.
Doch die Kugeln speihen ihm entgegen,
Unsern Schill zur Ruhe legen.

Lag er doch schon todt bei Vierzehnheilgen,
Doch er träumte neuen Sieg,
Wachte auf nach einem Weilchen,
Machte seinen Krieg
Mit drei Männern, die sich ihm verbunden,
So genas er erst von seinen Wunden.

Die Gesunden all' sich übergeben.
Er, verwundet, macht sich frei,
Weiß ganz Pommern zu beleben,
Colberg bleibet treu.
Und aus Dreien werden Tausend,
Die den Feinden wurden grausend.

Liegt er jetzt vielleicht an seinen Wunden,
Er vergißt uns sicher nicht,
Alles Glück hält seine Wunden,
Wie das Tageslicht.
Auf, bereitet euch zum muth'gen Streiten,
Und er kommt, wird unserm Sieg begleiten.

Hört! die schwarzen Rächer ziehen,
Todtenköpfe vor der Stirn,
Rachegluth in ihren Herzen glühen,
Glühn in ihrem Hirn.
Schill hat ihren Weg gebahnet,
Hört ihr, wie das Horn euch mahnet
Mitzuziehen euch ermahnet.

Mein Stammbuch 148

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