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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 142

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 142

Die Elfenkönigin bei der Taufe

Der Vertraute.

Brennen die Lampen am Morgen noch alle,
Löschen die himmlischen Sterne bedacht,
Nach der Hochzeit lautem Schalle
War das Schloß sehr schlecht bewacht.

Chor.

Doch ein Geist wacht über alle,
Amor wachte diese Nacht,
Liebet einer, lieben alle,
Und so ward die Zeit vollbracht.

Der Vertraute.

Seht Ungeduld ungenügsamer Freude,
Alle die Bäche reißt an sich der Fluß,
Wo recht glücklich sind zwei beide,
Wird die Welt ein Mitgenuß.

Chor.

Blumenflur und dürre Haide,
Alles dränget sich zum Gruß,
Doch die Welt vergessen beide,
In dem nächsten längsten Kuß.

Der Vertraute.

Größter der Höfe bei glücklichen Seelen,
Bäume sich drängen zum Schatten so dicht,
Und auf ihren Wipfeln fehlen
Auch die holden Sänger nicht.

Chor.

Unbemerkt sie selber wählen,
Einsamkeit zu ihrem Glück,
Denn geschaffen sie zu quälen
Ist der Neugier kalter Blick.

Der Vertraute.

Leuchtend der Sonne entgegen sie treten,
Steigend aus erster und seligster Nacht,
Morgenwinde leise wehen,
In der hellen Purpurtracht.

Chor.

Als das Licht von Nacht geschieden,
Freute sich erst recht die Welt,
Denn es giebt nun einen Frieden,
Der ein doppelt Glück enthält.

Der Vertraute.

Gluthen der Unschuld ihr himmlischen Flammen,
Wie ihr durchstrahlet die Fürstin so licht,
Daß wir noch von Gott herstammen
Zeigt des Fürsten Angesicht.

Chor.

Himmel ist und Erd' beisammen,
Küsset er ihr süß Gesicht,
Seht ihr wohl die heil'gen Flammen,
Auf dem Scheitel über Licht.

Fürstin.

Ungenügsam bist du immer,
Nimm auch diese Rose hin,
Meine Myrthen sind in Trümmer
Zeige die den neuen Sinn.
Glücklich bist du dadurch worden,
Oder ich bin ewig arm,
Und der keusche Blumenorden
Macht mich roth und macht mich warm.

Fürst.

Glücklich bin ich, wer kann's sagen,
Der nicht glücklich ist wie ich,
Und ich fühl' in diesen Tagen,
Wie ein Kind so denk' ich mich.

Selig saug' ich junges Leben,
Nun mich Schönheit wieder schützt,
Glück ist mit dem Tag gegeben,
Nächte fröhlich hell durchblitz.

Also wie ich niemals dachte,
Schlummernd blieb Erinnerung,
Was ich nimmermehr dir sagte,
Weil es niemals wiederklung.

Also war mir in der Wiege,
Und ich denk's zum ersten mal,
Als in jenem Schreckenskriege
Ich vernahm so süßen Schall.

Wie er zu mir war gedrungen
Ahndete ich damals nicht,
Wer von Herzen hat gesungen,
Aus dem Himmel zu uns spricht.

Leise hört' ich sie und sachte
Wie ein ferner Erntekranz,
Der den Dank dem Herren brachte
Bei der Sensen hellen Glanz.

Blut'ger Zauber war vertrieben
Und die Stimme kam mir nah,
Mich zu herzen, mich zu lieben,
Ich der Mutter Schwester sah.

Jene Königin der Elfen
Kam zum Schutz zurück ins Land,
Mich zur Taufe zu verhelfen,
Mich heut segnet ihre Hand.

Elfenbein mit Adernbläue
Und mit Steinen wunderbar,
Und ihr Kopf in hoher Freie
Und ihr Auge sonnenklar.

Und wie sie sich auch mag wenden,
Immer schöner, immer schön,
Wie der Demant an den Händen
Rein und durch und durch zu sehn.

Kindlich ihre sanfte Mienen,
Und ihr Wesen gnadenreich,
Spielend schon wollt ich ihr dienen,
Und doch schien sie mir so gleich.

Alles blieb mir in den Sinnen,
Doch vor allem blieb ihr Sang,
Sah ich doch die Töne rinnen,
Wie ein Quell der allen sprang.

Mit Entzücken einzusingen
Sang sie aus der Ferne her,
Die Entzücken mich durchdrangen,
Als wenn ich im Himmel wär'.

Gleich als ob ich dort erzogen,
Heute klingt ein Wiederhall,
Und des Blickes Farbebogen
Spannst du fesselnd überall.

Deine sanften Kinderblicke
Von der hohen edlen Stirn,
Dieses Lächeln von dem Glücke,
Kann wie damals mich verwirrn.

Also schimmerten die Töne
In mein dunkles Zimmer hin,
Ewig sah ich nun das Schöne,
Denn ich sah die Königin.

Ach wo ist sie doch geblieben,
Tanzt sie mit der Elfenschaar,
Wohl auf jenen Blumen drüben?
Klingen blaue Glöckchen klar?

Sie versucht nur ihre Schritte
Und es ist ein hoher Tanz,
Und aus ihrer Elfen Mitte
Ragt sie mit dem Lilienglanz.

Wie erleichternd Seufzer klingen,
Klinget es mir in das Ohr,
Die durch Äolsharfen dringen,
Und kein Ton sich drinn verlor.

Wie ich war so bang beklommen,
Eh' ich Liebe dir bekannt,
O so hat sie weggenommen
Sorge von dem weiten Land.

Wo die Schönheit sich verweilet,
Drehte sich das Weltgeschick,
Und zurück zur Erde eilet
Das zum Himmel flücht'ge Glück.

Krank war sie hinweg getragen,
Blühend kam sie da zurück,
Wer das Unglück kann ertragen,
Der versöhnet sein Geschick.

Glücklich bin ich ohne maßen,
Heut in jenem alten Glück,
Und in dir glaub' ich zu fassen,
Was mir damals nur ein Blick.

Und du taufest mich hier wieder,
Feurig kühl mit Rosenglanz,
Und durch deine Augenlieder
Seh' ich selig mich so ganz.

Du bist einer jener Töne,
Die sie in die Welt gesandt,
Daß mein Schicksal sich verschöne,
Kamst du Kind aus fernem Land.

Chor.

Schönheit ist ein himmlisch Zeichen,
Eine Krone wunderbar,
Keine Macht kann sie erreichen,
Nur auf Liebe sinkt sie wahr.
Ja der Herr hat sie gegeben,
Und der Herr nimmt sie zurück,
Immer neuer Schönheit Leben
Knüpft uns an's vergangne Glück.
In der Schönheit Rosenketten
Sticht sich nur die rohe Welt,
Ungeheuer kann sie ketten,
Glücklich frei fühlt, spielt darin der Held.

Mein Stammbuch 140 Bei Gelegenheiten 10

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