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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 141

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 141

Die Wahrsagerin

Vater von allen,
Was soll ich flehen?
Klagen erschallen,
Müde Seufzer ergehen;
Woher der Wind mag wehen,
Wohin die Fahnen stehen,
Fürchten und Hoffen,
Donnernd steht der Himmel offen.

Was soll ich beten,
Bittend abwenden?
Über dem Beten
Schon mit uns kann es enden.
Woher die Boten kommen,
Sind alle schon beklommen,
Fürchten nicht Hoffen
Lebet in der Erd' verschlossen.

Löse entbinde
Meine Geschwinden
Über dem Winde,
Ahndend Schicksal zu künden!
Bin meines Schicksals müde,
Der Zauberkessel siede,
Fürchten und Hoffen,
Brause zu der Erde offen.

Lasse die Karten
Friedlicher fallen,
Menschlich wir warten,
Halten's zürnend mit allen;
Wer kann Vernichten künden,
Es weht in allen Winden,
Läßt sich nicht bannen,
Thränen von dem Himmel rannen.

Blaugrüne Reihen
Drängen wie Wellen,
Fürchterlich dräuen,
An der Küste zerschellen!
Ich kann nicht Sieger finden!
Ein Geist will sich verkünden!
Alle betroffen!
Schrecken scheidet Streit und Hoffen!

Keiner geht weiter,
Alle beklommen;
Wer ist der Streiter,
Der für uns kommen?
Um den wir all' noch weinen,
Er führet an die Reinen,
Über den Höhen
Könnt ihr ihn als Stern schon sehen.

Reißen im Eise
Drohende Spalten,
Endet die Reise,
Laßt gewarnet euch halten!
Es stürzt ein Sturm die Wälder
Und trennt die blut'gen Felder;
Nein ich vergehe,
Über'm Sehn vergeht das Sehen.

Vater von allen,
Was soll ich flehen?
Klagen erschallen,
Schmerzensseufzer ergehen,
Woher der Wind mag wehen,
Wohin die Fahnen stehen,
Fürchten und Hoffen,
Donnernd steht der Himmel offen.

Nächtliche Feuer,
Feindegetümmel,
Stören die Feier,
Stürmten gern den Himmel.
Er läßt sich nicht erstürmen,
Die Fahnen stehn auf Thürmen.
Gott wird sie halten,
Wird der Feinde Wuth erkalten.

Löse in Ruhe
Menschlich Geschäfte,
Winter umthue
All' sünd'gende Kräfte,
Mit kalter weißer Decke,
Daß Unglück sich verstecke,
Augen voll Thränen
Mögen sie in Unschuld wähnen.

Fliehen die Feinde,
Brennen mit Lachen
Tobende Freunde
Hirtenhäuser zum Wachen;
Vom Heerd ist nichts geblieben,
Die Heerden sind vertrieben.
Lieber Gott! schreiend,
Flieht der Hirt dem Himmel dräuend.

Lämmlein, von allen
Einzig ihm blieben,
Wölfe anfallen,
Kommend witternd von drüben,
Sie sind vom Wind geladen,
Die Todten zu begraben,
Heldenlied schweiget,
Heulend sie der Wolf umreiget.

Schon ist vergessen
Eigenes Leiden,
Nimmer vermessen
Stör' ich ahndend die Freuden.
Und sollt' es auch geschehen,
Ich will's voraus nicht sehen,
Fürchten und Hoffen,
Wie mir steht die Zukunft offen.

Wisset es glühet
Heilig im Sitze,
Über mir ziehet
Kühlung labend im Blitze,
Die Thränen fallen alle
Im Becher ein mit Schalle,
Trink' sie du Rächer,
Schrecklich ist ein Thränenzecher.

Lächelnd verzweifeln
Ist ein Entsetzen
Nicht in den Zweifeln
Ist des Zaubers Ergötzen,
Die Sterne stehen feste,
Es geht noch all auf's beste,
Glaubet dem Hoffen,
Bläulich steht der Himmel offen.

Auge der Liebe
Über den Schlachten,
Nimmermehr trübe,
Laß dich wieder betrachten,
Wie von Erinnerungen
Von Sternen so durchdrungen,
Glauben und Hoffen
Hält dich segnend für uns offen.

Mein Stammbuch 139 Bei Gelegenheiten 9

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