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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 104

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 104

Mutter und Tochter

Mutter.

Mädchen laß die schmachtend süßen Blicke,
Mach die Augen nicht so klein,
Denn zu ihrem schmerzlichsten Geschicke
Alle Männer sehn hinein,
Jeder meint, daß er gemeinet wäre.

Tochter.

Laß sie doch so eitel sein.

Mutter.

Nein, es schadet endlich deiner Ehre,
Meide wenigstens den Schein.

Tochter.

Mutter, sprich, wie soll ich denn nun lassen,
Was mir angeboren ist,
Wenn ich auch mit niemand möchte spaßen,
Bebt mir doch die Wang' von List.

Mutter.

Nein, das ist kein Blick, der bloß zum Lachen,
Du verwirrest jederman,
Willst du einen wirklich glücklich machen,
Sieh allein auf Einen Mann.
Mädchen, nicht bei stillen, edlen Frauen
Kannst du solches Auge sehn,
Einige so ruhig vor sich schauen,
Andre gar verschämet gehn.

Tochter.

Meine Augen flüchtig sich bewegen,
Müde von dem Stillestehn,
Keinen Ausdruck mag ich drinnen hegen,
Gleich hinaus muß er da gehn.
Mutter, sprich, von wem die Deutungsaugen,
Gerngeb ich sie dem zurück,
Denn zum Glücke sie wohl nimmer taugen,
Und ich fürchte meinen Blick.

Mutter.

Tochter, könntest du den Vater finden,
Diesen Flüchtling ohne Ruh',
Gern vergäb' ich alle seine Sünden
Und vergäb' dir auch dazu.

Tochter.

Laß mich einsam, daß ich keinem schade,
Denke still bei mir an ihn,
Und erfleh' für ihn des Himmels Gnade,
Und so will ich fromm verblühn.
Alte Jungfer will ich bei dir werden,
Blühen unter Schnee und Eis,
Denn kein Jüngling, den ich sah auf Erden,
Hat verstanden meine Weis'.

Mutter.

Wie ein Vogel, der im Fluge träumte,
Sinket auf des Sees Fluth,
Siehst du bald im Spiegel die versäumte
Aufgeschreckte Liebesgluth,
Daß der Jugend goldne Zeit verrinne,
Lieblos über Lieb' hinaus;
Sieh hinaus, was dir dein Aug' gewinne,
Ob's ein Hüttchen, ob's ein Haus.

Mein Stammbuch 102

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