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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 101

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 101

Ausbildung

Das Kind.

Sternlein des Abends am Leuchtthurm der Höhen,
Willst du im Kreise ewig uns drehen,
Keiner erblicket, wo du gegangen,
Warum von Abend nach Morgen verlangen?

Lieber in Blitzen möcht' ich erblinden,
Als in den thauenden Wolken verschwinden,
Hinter den Wolken harrend zu stehen,
Ist nur ein langsam verzweifelnd Vergehen.

Der Abendstern.

Kindlein ich leuchte dir nicht alline,
Komm in des Südens himmlische reine
Immer verklärte, verklärende Lüfte,
Nimmer bestehn da umnebelnde Düfte.

Sonnendurchstrahlet müssen sie sinken,
Schöner in glühenden Früchten zu winken,
Bilden sie weichlich das Bette der Sonne,
Immer sich opfernd, sich ehrend in Wonne.

Ich nur bestehe den Menschen zum Zeichen,
Flügel den Armen unfühlbar zu reichen,
Werth ist das Glück nur der menschlichen Mühe,
Genius bin ich der ahndenden Frühe.

Will sich der Wärme feuriger Regen
Abends und Morgens auf Ferne hinlegen,
Warum verschmachten danach und erfrieren?
Laß dich zur goldenen Ferne hinführen.

Schuldlose Herzen trauen der Ferne,
Nimmer veralten ihnen die Sterne,
Warnen heut, lächeln dann morgen auch wieder,
Abend und Morgen sind himmlische Brüder.

Ja ich komm wieder! Schwankt dann der Boden,
Fangen die Netze des Dunkels den Oden;
Siehe nach mir, denn wisse mein Flügel
Wecket dich auf an dem römischen Hügel.

Das Kind.

Ja das ist Roma, selber die Trümmer
Fügen sich wieder zum herrlichen Schimmer,
Lasset die Erde taumelnd nur schwanken,
Trägt sie mein Glück doch und meine Gedanken.

Schimmern die Tempel bei Kirchen so dichte,
Himmlische Wüste umschließet sie lichte,
Langsam die Tiber, Sehnsucht im Blicke,
Fließt sie zum Meere und wünscht sich zurücke.

Bin ich geworden, bin ich vollkommen,
Gestern ein Kindlein, bang' und beklommen;
Heut in Italien findet mein Sehnen
Endlich des Busens hochherrliches Dehnen.

Ist dies die Heimath? Ist dies die Fremde?
Wie ist es kommen, daß ich mich grämte?
Schwimmen die Äpfel nicht golden im Bache,
Wenn ich erinnernd und hoffend erwache?

Wißt, wo die fröhlichen Mädchen noch hausen,
Nimmer die Stürme des Nordens einbrausen,
Merkt, daß Italien die schwimmende Insel,
Fliehend das stürmische Menschengewinsel.

Lachet ihr Mädchen, sehet sie weilet,
Nicht mit dem Morgenroth wieder zertheilet,
Alle Erinnrung im Schilfe da rauschet,
Alles Ersinnen im Athem sich tauschet.

Sehet auf tausend hellströmenden Wellen
Herrliche Freunde zu uns sich gesellen
Und in dem blumigen Meere der Wiesen
Lasset die Stimmen tauchen und fließen.

Saget, was sind das für heil'ge neun Schwestern,
Ferne auf Sternen erblickt ich sie gestern,
Kommen mit Masken und Flöten und Leiern,
Jeglichen Morgen Italiens zu feiern?

Der Morgenstern.

Musensohn, kennest du noch nicht die Musen
Fühlst du nicht Liebe zu ihnen im Busen,
Fühlst du nicht Pochen im innersten Herzen,
Und auf den Lippen ein zärtliches Scherzen?

Nur im Genusse kannst du dich bilden,
Und nur die Armuth machet den Wilden,
Alles ist nahe, was zu erstreben,
Was unerreichbar, laß es verschweben.

Mein Stammbuch 99

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