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LYRIK Ernst Moritz Arndt - Poetische Werke 260

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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 260

Mimerung unter deutschen Eichen

1846.

Träumend in Mimerung wandelte jüngst im Schatten
Deutschesten Hains ich sturmbewegter Eichen,
Und wie sie rauschten, rauschten mir Gedanken
Wild durch die Seele,

Dunkle Gedanken – Wie der Blitz, auf schwarzen
Wolken sich wälzend, schaurig durch die Luft schießt,
Schoß es mit Blitzesleuchtung mir mit scharfem
Weh durch die Seele.

Hundert und tausend, wie des Blitzes Funken
Fliegen, so flogen Vögel heißer Schwingen
Mir um den Busen, hiehin, dahin flatternd,
Mächtige Wühler.

Wühler, aufreißend tiefsten Grund des Herzens,
Reißend der glücklich dicht verhüllten Zukunft
Dunkles Gewölk auf, wo es wie gespenstisch
Mitternachtspiel spielt.

Mitternachtspiel; denn gleich entbundnen Geistern,
Nicht wie aus Windeln in der Zukunft Wiege,
Nein, wie aus Gräbern, tanzten vor mir grausig
Säkeln den Tanz ab.

»Weh mir der Zeichen!« rief ich, »du gewaltiges
Wehen des Geistes! Schone deiner Blitze!
Schone des Donners! Denn er donnert Schrecken,
Geistesverwirrung.

Weh mir der Zeichen! Weh der Sehnsuchtsfragen
Ahnender Sehnsucht, ob von diesen Eichen
Freie Germanen Siegeskränze flechten?
Enkel noch flechten?

Ob, wann Gefahr, wann Kriegsgetümmel andrängt,
Blut nur der Fremden deutsche Klingen rötet?
Vielheit der Fürsten wie ein Mann dann vorficht?
Einheit in Treue?

Ob, wann aus Welschland ein Orkan, aus Rußland
Brausend ein zweiter Deutschlands Mitte fasset,
Fern kein Arminius sein wird und kein zweiter
Gneisenau-Blücher?«

Da hat's gelispelt: »Hoffe! Wahrlich, beide
Augen, du könntest sie am Born der Weisheit
Mimern verpfänden, vollen Trunk der Seele
Schlürftest du doch nicht.

Laß drum das Mimern, wolle nicht ergrübeln,
Was von den künftigen Tagen Gott verhüllte:
Tropfen nur schenkt er; wer des vollen Borns will,
Will die Verwirrung.«

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