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LYRIK Ernst Moritz Arndt - Poetische Werke 259

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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 259

Zu Martin Luthers 300jähriger Todesfeier

Frühlingsmond 1846.

An die Protestanten.

Ihr wagt's, die Toten aufzuwecken?
O laßt den alten Luther ruhn!
Erbebt ihr nicht den blassen Schrecken
Des Donnerkinds für euer Tun?
Dreihundert Jahr hat er geschlafen –
Seid ihr die Reinen, Freien, Braven,
Die seiner Klinge Blitz bestehn?

Denn Blitz führt seines Wortes Klinge –
Hui! Turm und Mauer, Wall und Burg!
Hui! Feinster Listen Kettenringe
Er stürmt und bricht und haut sie durch. –
Doch horch'! Wie? Naht sein Waffenklirren?
Es lispelt nicht wie Taubengirren –
In Säuseln kommt der Donner nicht.

»Wie,« ruft er, »zaubert aus dem Grabe
Prophetenstimmen ihr herauf?
Längst trug ich meiner Arbeit Habe
Zu meinem Gott und Christ hinauf.
Laßt Tote modern bei den Toten!
Zu höchsten Sternen sendet Boten,
Da fragt der Zukunft Donnerlaut.

Denn Donnerglocken könnt' ich läuten,
Worob Gesicht und Ohr vergehn,
So nahe ferne Zeichen deuten,
Mit solchem Grausen euch durchwehn,
Daß ihr im Zittern und Verzagen
Mit euren Klagen, euren Fragen
Verstummtet vor dem Schreckenklang.

Denn wohl könnt' ich zuerst euch fragen,
Wie ihr das Erbe angewandt,
Das einst in Sorgen, Kämpfen, Plagen
Ich euch errang mit starker Hand,
Das Erb' und Recht des tapfern Wortes;
Ob ihr des goldnen Freiheitshortes
Die kühnen, wachen Wächter seid;

Ob von Innozenzen und Gregoren,
Von Loyolas Assassinenschwarm,
Von Rittern von den goldnen Sporen
Euch keiner bog den deutschen Arm,
Ob welschen Schleichern, Spähern, Schranzen
Ihr hieltet vor die rechten Lanzen
Für Gott und Recht und Vaterland.

Denn wohl zum zweiten könnt' ich fragen,
Ob Menschenwitz und Satanslist
Mit leersten Künsten nicht sich schlagen
Um meinen Glauben, meinen Christ,
Ob ihr in guten, frohen Dingen
Noch könnt mit mir von Herzen singen:
›Das Wort sie sollen lassen stehn!‹

Jawohl zum ersten, zweiten, dritten –
Ich hauche weg wie Wind die Spreu,
Was ihr gelitten, was gestritten,
War's nicht um, für und durch die Treu',
Denn fallt ihr hier der scharfen Frage,
So wird zum Märchen gar die Sage,
Daß keinen Deutschen Gott verläßt.

Doch schon zuviel der strengen Worte,
Es ziemt der Zorn dem Feste nicht.«
Er schweigt; ausgießt die Himmelspforte
Den hellsten, vollsten Strom von Licht.
So fährt der alte, tapfre Meister
In Licht und Blitz ins Reich der Geister
Zu seinem Gott und Christ zurück.

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