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LYRIK Ernst Moritz Arndt - Poetische Werke 192

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

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Bierbaum, Otto Julius

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Bodenstedt, Friedrich von

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Hart, Julius

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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 192

Grutz der Heimat

1817.

Geliebte Felder, süße Haine,
So bin ich endlich wieder da,
Wo ich als Kind beim Sternenscheine
So oft die Engel wandeln sah,
Wo mir aus himmlischen Geschichten
Ein Himmel diese Erde schien,
Von Freuden wimmelnd und Gedichten,
Wie Adams Eden lieb und grün?

So seh' ich dich, mein Schoritz, wieder,
Wo mir das Meer mit dunkelm Klang
Die ahnungsvollen Wunderlieder
Der Zukunft um die Wiege sang?
So kann ich wieder dich begrüßen,
Mein Dumsevitz, du trauter Ort?
So traut, daß meine Tränen fließen,
Und meine Lippe weiß kein Wort?

Wie vieles muß ich nicht bedenken,
Wenn euch ich also wiederseh'?
Wohin sich meine Schritte lenken,
Tut alles mir so lieb, so weh,
An jeden Baum, an jede Quelle
Hängt liebend die Erinnrung sich,
Und jedes Blättchen, jede Welle
Fragt freundlich: Wandrer, kennst du mich?

Und diese leise Kinderfrage
Fällt wie ein Stein mir auf das Herz,
In stiller Rückflut ferner Tage
Kommt inhaltschwer ein ernster Scherz,
Und zwischen Weinen, zwischen Lachen
Die Wehmut endlich mächtig siegt:
Es läßt sich nicht zum Spaße machen,
Worin ein ganzes Leben liegt.

Sind einst nicht hier auch sie getreten
In Jugendkraft und Freudigkeit,
Die jetzt für mich im Himmel beten
Hoch über Erdenlust und Leid?
Habt ihr mich hier nicht eingesegnet
Fürs Leben, Eltern fromm und treu,
Und Lieb' auf mich herabgeregnet,
Wie's Blüten regnet in dem Mai?

Was ward aus euren frommen Sorgen?
Was trug die treue Liebe ein?
Reicht wohl an jenen schönen Morgen
Des Lebens voller Mittagschein?
Mögt ihr von euren lichten Höhen,
Wo nichts mehr zwischen Schatten schwebt,
Noch auf den Wandrer niedersehen,
Der unten heiß im Staube strebt?

Wie kommt er aus der weiten Ferne
Auf seiner Kindheit Feld zurück?
Schaut noch zum Spiegel sel'ger Sterne
Ein heitrer Spiegel auf sein Blick?
Und spielt er noch mit reinen Händen
Das süße Kinderblumenspiel?
Ach! Abwärts muß er sich hier wenden –
Wo steht er nun? Wo steht sein Ziel?

O ernster Klang der fernen Tage!
O süße Mahnung schönster Zeit!
Die Träne tritt als stumme Klage
Auf gegen den, der viel bereut:
Die Blumen und die Sterne bleiben
In steter Unschuld licht und rein,
Doch Menschenwandern, Menschentreiben
Mag nimmer ohne Sünde sein.

Doch nehmt mich, ihr geliebten Fluren,
Fromm auf in euren süßen Schoß,
Die Reinheit himmlischer Naturen
Ward hier nur eines einz'gen Los;
Bei uns ist's Ahnen, Träumen, Sehnen
Und vielfach Irren auf und ab –
Drum rinnet nur, ihr heißen Tränen,
Als Balsam auf den Wanderstab.

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