Anonym


Al diu welt mit grimme stêt,
der dar undir muozic gêt,
der ginge wol verwerden,
sîn êre muoz ersterben.


Contra uermes

Iob lage in dem miste.
er rief ze triste,
er chot: »du gnadige crist,
du der in demo himile bist,
du buoze demo mennisken des wurmis!«
Durch die iobes bete,
dier zuo dir tete,
do er in demo miste lâg,
do er in demo miste riêf
zuo demo heiligin crist:
der wurm ist tôt,
tôt ist der wurm!

12. Jahrhundert


Der walt in grüener varwe stât:
wol der wunneclîchen zît!
mîner sorgen wirdet rât.
sælic sî daz beste wîp
diu mich trœstet sunder spot.
ich bin vrô: dêst ir gebot.

Ein winken unde ein umbe sehen
wart mir do ich si nâhest sach.
da moht anders niht geschehen
wan daz si minneclîche sprach
«vriunt, du wis vil hôchgemuot.»
wie sanfte daz mîm herzen tuot!

«Ich wil weinen von dir hân»
sprach daz aller beste wîp.
schiere soltu mich enphân
unde trœsten mînen lîp.
swie du wilt sô wil ich sîn.
lache, liebez frowelîn.

12. Jahrhundert


Der ze chílchùn gât
und âne rûè dâ stât,
der wirt zeme iungistime tage
âne wâfin resclagin.
swer dâ wirt virteilt,
dér hêt imir leit.

12. Jahrhundert


Dir enbíutet, edel rîter guot,
ein vrowe, der dîn scheiden tuot
alse herzeclîchen wê.
nu lis den brief, er seit dir mêr,
Wáz dír enbiutet,
diu dich ze herzen triutet.


«Diu linde ist an dem ende
nû jârlanc sleht unde blôz.
mich vêhet mîn geselle:
nû engilte ich des icli nie genoz.
Vil ist unslæter wibe:
diu benement ime den sin.
got wizze wol die wârheit,
daz ich ime diu holdeste bin.
Si enkunnen niewan triegen
vil menegen kindeschen man.
owê mir sîner jugende!
diu muoz mir al ze sorgen ergân.»


Der zi chilcun gat
vnd ane rve da stat,
der wirt zeme ivngistime tage
ane wafin resclagin.
Sver da Wirt virteilt,
der het imir leit.


Dû bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen:
verlorn ist daz slüzzelîn:
dû muost immer drinne sîn.

12. Jahrhundert


«Gruonet der walt allenthalben.
wâ ist mîn geselle alse lange?
der ist geriten hinnen.
owî! wer sol mich minnen?»


liubene ersazta sine gruz unde kab sina tohter uz.
to cham aber starzfidere, prahta imo sina tohter uuidere.

10. Jahrhundert


Mich dunket niht sô guotes
noch sô lobesam
sô diu liebte rôse
und diu minne mines man.
diu kleinen vogellîn
diu singent in dem walde:
dêst menegem herzen liep.
mirn kome mîn holder selle,
in hân der sumerwunne niet.

12. Jahrhundert


«Mir hat ein ritter» sprach ein wîp
«gedienet nâch dem willen mîn.
ê sich verwandelôt diu zît
sô muoz im doch gelônet sîn.
mich dünket winter unde snê
schœne bluomen unde klê
swenn ich in umbevangen hân.
und wærez al der welte leit,
sô muoz sîn wille an mir ergân.»


Swaz hie gât úmbè,
daz sint alle mégedè,
díe wéllent ân mán
allen disen sumer gân.


Swer an dem maentage dar gât,
dâ ér den vuoz lât,
deme ist alle die wochun
dést úngemacher.


Tif furt trvbe
und schone wiphurre -
sweme dar wirt ze gach,
den geruit iz sa.

12. Jahrhundert


Tougen minne diu ist guot,
si kan geben hôhen muot.
der sol man sich vlîzen.
swer mit triwen der niht phliget,
dem sol man daz verwîzen.

12. Jahrhundert


Ubermuot diu alte
diu rîtet mit gewalte,
untrewe leitet ir den vanen.
girischeit diu scehet dane
ze scaden den armen weisen.
diu lant diu stânt wol allîche en vreise.

12. Jahrhundert


Wær diu werlt alliu mîn
von dem mere unz an den Rîn,
des wolte ich mich darben,
dàz diu künegîn von Engellant
læge an mînen armen.

12. Jahrhundert


Ad equum errẹhet

Man gieng after Wege,
zoh sin Ros in handon.
do begagenda imo min trohtin
mit sinero arngrihte.

»wes, man, gestu?
tune ridestu?«
»waz mag ih riten?
min ros ist errẹhet.«

»nu ziuhez da bi fiere!
tu rune imo in daz ora!
drit ez an den cesewen fuoz!
so wirt imo des erræheten bůz.«

11. Jahrhundert


Augsburger Gebet

Got, thir eigeNhaf ist, thaz io geNathih bist.
INtfaa gebet uNsar, thes bethurfun uuir sar,
thaz uns thio ketinun bindent thero sunduN,
thiNero mildo geNad intbinde haldo!

10. Jahrhundert


De Heinrico

Nunc almus thero euuigero assis thiernun filius
benignus fautor mihi, thaz ig iz cosan muozi
de quodam duce, themo heron heinriche,
qui cum dignitate thero beiaro riche beuuarodẹ.

Intrans nempe nuntius, then keisar namoda her thus:
»cur sedes«, infit, »otdo, ther unsar keisar guodo?
hic adest heinrich, bringt her hera kuniglich,
dignum tibi fore thir seluemo ze sine.«

Tunc surrexit otdo, ther unsar keisar guodo.
perrexit illi obuiam inde uilo manig man
et excepit illum mid mihilon eron.

Primitus quoque dixit: »uuillicumo, heinrich,
ambo uos equiuoci, bethiu goda endi mi;
nec non et sotii, uuillicumo sid gi mi.«

Dato responso fane heinriche so scone
coniunxere manus. her leida ina in thaz godes hus;
petierunt ambo thero godes genatheno.

Oramine facto intfieg ina auer otdo,
ducxit in concilium mit michelon eron
et amisit illi, so uuaz so her par hafode,
preter quod regale, thes thir heinrih nigerade.

Tunc stetit al thiu sprakha sub firmo heinricho.
quicquid otdo fecit, al geried iz heinrih,
quicquid ac amisit, ouch geried iz heinrihc.

Hic non fuit ullus (thes hafon ig guoda fulleist
nobilibus ac liberis, thaz tid allaz uuar is),
cui non fecisset heinrich allero rehto gilich.

11. Jahrhundert


Ezzo

Nv wil ih iv, herron, heina war reda vor tuon
uon dem angenge, uon alem manchunne,
uon dem wistuom aise manicualt, ter an dien buchin stet gezalt,
uzer genesi unde uzer libro regum, tirre werlte al ze dien eron:

Lux in tenebris, daz sament uns ist;
der uns sin lieht gibit, neheiner untriwon er nefligit.
in principio erat uerbum, daz ist waro gotes sun.
uon einimo worte er bechom dire werlte al ze dien gnadon.

Ware got, ih lobin dih, din anegenge gihen ih.
taz anagenge bistu, trehten, ein, ih negiho in anderz nehein:
der gor tes himilis, wages unde luftes
unde tes in dien uiern ist ligentes unde lebentes.
daz geskuofe du allez eino, du nebedorftost helfo darzuo.
ih wil dih ze anegenge haben in worten unde in werchen.

Gor, tu gescuofe al, daz ter ist, ane dih neist nieht.
ze aller iungest gescuofe du den man, nah tinem bilde gtan,
nah tiner getate, taz er gewalt habete.
du blies imo dinen geist in, taz er ewic mahti sin
noh er neuorhta imo den tot, ub er gehielte din gebot.
ze allen eron gescuofe du den man - du wissos wol sinn ual.

Wie der man getate, tes gehugen wir leider note:
turh tes tiufeles rat wie skier er ellende wart!
uil harto gie diu sin scult uber alle sin after chumft;
sie wvrden allo gezalt in des tiuveles gewalt.
uil mihil was tiv unser not, to begonda richeson ter tot,
ter hello wos ter ir gewin, manchunne al, daz fuor dar in.

Do sih adam do beuil, do was naht unde uinster.
do skinen her in welte die Sternen be ir ziten,
die uil lucel liehtes paren, so berhte so sie waren,
wanda sie beskatuota diu nebiluinster naht,
tiv uon demo tieuele chom, in des gewalt wir waren,
unz uns erskein der gotis sun, ware sunno, uon den himelen.

Der sternen aller ielich, ter teilet uns daz sin lieht:
sin lieht, taz cab uns abel, taz wir durh reht ersterben.
do lerta uns enoch, daz unseriv werh sin al in got.
uzer der archo gab uns noe ze himile reht gedinge.
do lert uns abraham, daz wir gote sin gehorsam,
der uil guote dauid, daz wir wider ubele [...]

11. Jahrhundert


Hildebrandslied

lk gihorta dar seggen,
dar sih urhettun ænon muotin
hiltibrant enti hadubrant untar heriun tuem,
sunufatarungo. iro saro rihtun,
garutun se iro gudhamun, gurtun sih iro suert ana,
helidos, ubar ringa, do sie to dero hiltiu ritun.
hiltibrant gimahalta, heribrantes sunu - her uuas heroro man,
ferahes frotoro -, her fragen gistuont
fohem uuortum, wer sin fater warf
fireo in folche [...]
[...] »eddo welihhes cnuosles du sis.
ibu du mi ęnan sages, ik mi de odre uuet,
chind in chunincriche; chud ist mi al irmindeot.«
hadubrant gimahalta, hiltibrantes sunu:
»dat sagetun mi usere liuti,
alte anti frote, dea érhina warun,
dat hiltibrant hætti min fater, ih heittu hadubrant.
forn her ostar giweit - floh her otachres nid -
hina miti theotrihhe enti sinero degano filu.
her furlaet in lante luttila sitten
prut in bure barn unwahsan,
arbeo laosa. her raet ostar hina.
der sid detrihhe darba gistuontun
fateres mines; dar uuas so friuntlaos man.
her was otachre ummet tirri,
degano dechisto miti deotrichhe.
her was eo folches at ente, imo wuas eo fehta ti leop,
chud was her chonnem mannum.
ni waniu ih, iu lib habbe.«
»wettu irmingot«, quad hiltibrant, »obana ab heuane,
dar du neo dana halt mit sus sippan man
dinc ni gileitos.«
want her do ar arme wuntane bauga,
cheisuringu gitan, so imo se der chuning gap,
huneo truhtin: »dat ih dir it nu bi huldi gibu.«
hadubrant gimalta, hiltibrantes sunu:
»mit gern scal man geba infahan,
ort widar orte.
du bist dir, alter hun, ummet spaher,
spenis mih mit dinem wuortun, wili mih dinu speru werpan.
pist also gialtet man, so du ewin inwit fŏrtos.
dar sagetun mi sęolidante
westar ubar wentilsęo, dar inan wie furnam.
tot ist hiltibrant, heribrantes suno.«
hiltibrant gimahalta, heribrantes suno:
»wela gisihu ih in dinem brustim,
dat du habes heme herron goten,
dat du noh bi desemo riche reccheo ni wurti.«
»welaga nu, waltant got«, quad hiltibrant, »wewurt skihit!
ih wallota sumaro enti wintro sehstic ur lante,
dar man mih eo scerita in folc sceotantero.
so man mir at burc ęnigeru banun ni gifasta,
Nu scal mih suasat chind suertu hauwan,
breton mit sinu billiu, eddo ih imo ti banin werdan.
doh maht du nu aodlihho, ibu dir din ellen taoc,
in sus heremo man hrusti giwinnan,
rauba bihrahanen, ibu du dar enic reht habes.
der si doh nu argosto«, quad hiltibrant, »ostarliuto,
der dir nu wiges warne, nu dih es so wel lustit,
gudea gimeinun. niuse de muotti
werdar sih hiutu dero hregilo hrumen muotti
erdo desero brunnono bedero uualtan.«
do lęttun se ærist asckim scritan
scarpen scurim, dat in dem sciltim stont.
do stoptun tosamane staim bort chludun,
hevwun harmlicco huittę scilti,
unti im iro lintun luttilo wurtun.
giwigan miti wabnum [...]

8. Jahrhundert


Lorscher Bienensegen

Kirst, imbi ist hucze! nu fluic du, vihu minaz, hera
fridu frono in godes munt heim zi comonne gisunt.
sizi, sizi, bina: inbot dir sancte Maria.
hurolob ni habe du: zi holze ni fluc du,
noh du mir nidrinnes, noh du mir nintuuinnest
sizi vilo stillo, uuirki godes uuillon.

10. Jahrhundert


Ludwigslied

RITHMUS TEUTONICUS DE PIAE MEMORIAE
HLUDUICO REGE, FILIO HLUDUICI AEQUE REGIS.

Einan kuning uueiz ih, Heizsit her hluduig,
Ther gerno gode thionot; Ih uueiz; her imos lonot.
Kind uuarth her faterlos, Thes uuarth imo sar buoz:
Holoda inan truhtin, Magaczogo uuarth her sin.
Gab her imo dugidi, Fronisc githigini,
Stuol hier in urankon. So bruche her es lango!
Thaz gideilder thanne Sar mit karlemanne,
Bruoder sinemo: Thia czala uuunniono.
So thaz uuarth al gendiot, Koron uuolda sin god,
Ob her arbeidi - So iung - tholon mahti.
Lietz her heidine man Obar seo lidan,
Thiot urancono Manon sundiono,
Sume sar uerlorane Uuurdun sum erkorane;
Haranskara tholota, Ther er misselebeta.
Ther, ther thanne thiob uuas Inder thanana ginas,
Nam sina uaston; Sidh uuarth her guot man.
Sum uuas luginari, Sum skachari,
Sum fol loses, Inder gibuozta sih thes. -
Kuning uuas eruirrit, Thaz richi al girrit,
Uuas erbolgan krist, Leidhor, thes ingald iz.
Thoh erbarmedes got, Uuuisser alla thia not.
Hiez her hluduigan Tharot sar ritan:
»Hluduig, kuning min, Hilph minan liutin!
Heigun sa northman Harto biduuungan.«
Thanne sprah hluduig: »Herro, so duon ih
- Dot ni rette mir iz -, Al thaz thu gibiudist.«
Tho nam her godes urlub, Huob her gundfanon uf,
Reit her thara in urankon Ingagan northmannon.
Gode thancodun, The sin beidodun.
Quadhun al: »fro min, So lango beidon uuir thin.«
Thanne sprah luto Hluduig, ther guoto:
»Trostet hiu, giselleon, Mine notstallon!
Hera santa mih god Ioh mir selbo gibod,
Ob hiu rat thuhti, Thaz ih hier geuuhti,
Mih selbon ni sparoti, Uncih hiu gineriti.
Nu uuillih, thaz mir uolgon Alle godes holdon.
Giskerit ist thiu hieruuist So lango, so uuili krist.
Uuili her unsa hinauarth, Thero habet her giuualt.
So uuer so hier in ellian Giduot godes uuillion,
Quimit he gisund uz, Ih gilonon imoz,
Bilibit her thar inne, Sinemo kunnie.«
Tho nam her skild indi sper; Ellianlicho reit her.
Uuolder uuar errahchon Sina uuidarsahchon
Tho ni uuas iz burolang, Fand her thia northman.
Gode lob sageda: Her sihit, thes her gereda.
Ther kuning reit kuono, Sang lioth frano,
Ioh alle saman sungun: »Kyrrieleison!«
Sang uuas gisungan, Uuig uuas bigunnan,
Bluot skein in uuangon, Spilodun ther urankon.
Thar uaht thegeno gelih, Nichein soso hluduig:
Snel indi kuoni, Thaz uuas imo gekunni.
Suman thuruhskluog her, Suman thuruhstah her.
Her skancta cehanton Sinan fianton
Bitteres lides. So uue hin hio thes libes!
Gilobot si thiu godes kraft! Hluduig uuarth sigihaft.
Ioh allen heiligon thanc! Sin uuarth ther sigikamf.
Uuolar abur hluduig, Kuning unser salig!
So garo soser hio uuas, So uuar soses thurft uuas,
Gihalde inan thruhtin Bi sinan ergrehtin!

9. Jahrhundert


Erster Merseburger Zauberspruch

Eiris sazun idisi, sazun hera, duoder.
suma hapt heptidun, suma heri lezidun,
suma clubodun umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandun! inuar uigandun!

8. Jahrhundert


Zweiter Merseburger Zauberspruch

Phol ende uuodan uuorun zi holza.
du uuart demo balderes uolon sin uuoz birenkit.
thu biguol en sinhtgunt, sunna, era suister;
thu biguol en friia, uolla, era suister;
thu biguol en uuodan, so he uuola conda:
sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki:
ben zi bena, bluot zi bluoda,
lid zi geliden, lose gelimida sin!

8. Jahrhundert


Melker Marienlied

Iu, in erde leit Aaron eine gertæ,
diu gebar mandalon, nuzze also edile.
die sůezze hast du fure braht, můter ane mannes rat,
Sancta MaRia.

Iu, in deme gespreidach moyses ein fiur gesach.
daz holz niene bran, den louch sah er obenan,
der vvas lanch unde breit; daz bezeichint dine magetheit,
Sancta MaRia.

Gedeon, dux israel, nider spræit er ein lamphel.
daz himeltů die vvolle betouvvete almitalle;
Also chom dir diu magenchraft, daz du vvurde berehaft,
Sancta MaRia.

Mersterne, morgen rot, anger ungebrachot,
dar ane stat ein blůme, diu liuhtet also scone.
si ist under den anderen so lilium undern dornen,
Sancta MaRia.

Ein angel snůr geflohtin ist, dannen du geborn bist:
daz vvas diu din chunnescaft. der angel vvas diu goteschraft,
da der tot vvart ane irvvorgen, der uon dir vvart uerborgen,
Sancta MaRia.

Ysayas, der vvissage, der habet din gevvage.
der quot, vvie vone iesses stamme vvǒehse ein gerten imme,
da uone scol ein blůme varen; diu bezeichint dich unde din
Sancta MaRia.

Do gehit ime so vverde der himel zů der erde,
da der esil unde daz rint vvole irchanten daz vrone chint.
do vvas diu din vvambe ein chrippe deroe lambe,
Sancta MaRia.

Dǒ gebære du daz gotes chint, der unsih alle irloste sint
mit sinem heiligen blůte uon der ewigen nœte.
des scol er iemmer gelobet sin. uile vvole gniezze wir din,
Sancta MaRia!

Du bist ein beslozzeniu borte, entaniu deroe gotes vvorte,
du vvaba triefendiu, pigmenten so uolliu.
du bist ane gallen glich der turtiltůben,
Sancta MaRia.

Brunne besigelter, garte beslozzener,
dar inne flǒzzit balsamum, der vvæzzit so cinamomum.
du bist sam der cederboum, den da flǒhet der wůrm,
Sancta MaRia.

Cedrus in libano, osa in iericho,
du irvvelte mirre, du der vvæzzest also uerre.
du bist uber engil al, du besůntest den euen ual,
Sancta MaRia.

Eua braht uns zvvissen tot, der eine ienoch richsenot.
du bist daz anden vvib, diu uns brahte den lib.
der tiůfel geriet daz mort. Gabrihel chunte dir daz gotes wort,
Sancta MaRia.

Chint gebære du magedin, aller vverlte edilin.
du bist glich deme sunnen, uon nazareth irrunnen,
hierusalem gloria, israhel lęticia,
Sancta MaRia.

Chuniginne des himeles, porte des paradyses,
du irvveltez gotes hus, sacrarium sancti spiritus,
du wis uns allen vvegunte ze iungiste an dem ente,
Sancta MaRia!

12. Jahrhundert


Millstätter Blutsegen

Der heligo christ vvas geboren ce betlehem,
dannen quam er vvidere ce ierusalem.
da vvard er getoufet uone iohanne
in demo iordane.
Duo uerstuont der iordanis fluz
unt der sin runst.
Also uerstant du, bluot rinna,
durh des heiligen christes minna!
Du uerstant an der note,
also der iordan tate,
duo der guote sancte iohannes
den heiligen christ toufta!
verstant du, bluot rinna,
durch des heliges cristes minna!

12. Jahrhundert


Mûspilli

. . . sîn tac piqueme, daz er touuan scal.
uuanta sâr sô sih diu sêla in den sind arhevit,
enti si den lîhhamun likkan lâzzit,
sô quimit ein heri fona himilzungalon,
daz andar fona pehhe: dâr pâgant siu umpi.
sorgên mac diu sêla, unzi diu suona argêt,
za uuederemo herie si gihalôt uuerde.
uuanta ipu sia daz Satanazses kisindi kiuuinnit,
daz leitit sia sâr dâr iru leid uuirdit,
in fuir enti in finstrî: daz ist rehto virinlîh ding.
upi sia avar kihalônt die die dâr fona himile quemant,
enti si dero engilo eigan uuirdit,
die pringent sia sâr ûf in himilo rîhi:
dâr ist lîp âno tôd, lioht âno finstrî,
selida âno sorgun: dâr nist neoman siuh.
denne der man in pardîsu kiuuinnit,
hûs in himile, dâr quimit imo hilfa kinuok
pidiu ist durft mihhil
allero manno uuelîhemo, daz in es sîn muot kispane,
daz er kotes uuillun kerno tuo
enti hella fuir harto uuîse,
pehhes pîna: dâr piutit der Satanasz altist
heizzan lauc. mac huckan za diu,
sorgên drâto, der sih suntîgen uueiz.
uuê demo in vinstrî scal sîno virinâ stûên,
prinnan in pehhe: daz ist rehto paluuîc dink,
daz der man harêt ze gote enti imo hilfa ni quimit.
uuânit sih kinâda diu uuênaga sêla:
ni ist in kihuctin himiliskin gote,
uuanta hiar in uuerolti after ni uuerkôta.
sô denne der mahtîgo khuninc daz mahal kipannit,
dara scal queman chunno kilîhaz:
denne ni kitar parno nohhein den pan furisizzan,
ni allero manno uuelîh ze demo mahale sculi.
dâr scal er vora demo rîhhe az rahhu stantan,
pî daz er in uuerolti eo kiuuerkôt hapêta.
daz hôrtih rahhôn dia uueroltrehtuuîson,
daz sculi der antichristo mit Eliase pâgan.
der uuarch ist kiuuâfanit, denne uuirdit untar in uuîc arhapan.
khenfun sint sô kreftîc diu kôsa ist sô mihhil.
Elias strîtit den êuuîgon lîp,
uuili dên rehtkernôn daz rîhhi kistarkan:
pidiu scal imo helfan der himiles kiuualtit.
der antichristo stêt pî demo altfîante,
stêt pî demo Satanase, der inan varsenkan scal:
pidiu scal er in deru uuîcsteti uunt pivallan
enti in demo sinde sigalôs uuerdan.
doh uuânit des vilo . . . gotmanno,
daz Elias in demo uuige aruuartit uuerde.
sô daz Eliases pluot in erda kitriufit,
sô inprinnant die perga, poum ni kistentit
ênîhc in erdu, ahâ artruknênt,
muor varsuuilhit sih, suilizôt lougiu der himil,
mâno vallit, prinnit mittilagart,
stên ni kistentit, verit denne stûatago in lant,
verit mit diu vuiru viriho uuîsôn:
dâr ni mac denae mâk andremo helfan vora demo mûspille.
denne daz preita uuasal allaz varprinnit,
enti vuir enti luft iz allaz arfurpit,
uuâr ist denne diu marha, dâr man dâr eo mit sînên mâgon piehc?
diu marha ist farprunnan, diu sêla stêt pidungan,
ni uueiz mit uuiu puaze: verit si za uuîze.
pidiu ist demo manne sô guot, denner ze demo mahale quimit,
daz er rahôno uuelîha rehto arteile.
denne ni darf er sorgên, denne er ze deru suonu quimit.
ni uueiz der uuênago man, uuielîhan uuartil er habêt,
denner mit den miatôn marrit daz rehta,
daz der tiuval dâr pî kitarnit stentit.
der hapêt in ruovu rahôno uuelîha,
daz der man êr enti sîd upiles kifrumita,
daz er iz allaz kisagêt, denne er ze deru suonu quimit;
ni scolta sîd manno nohhein miatun intfâhan.
sô daz himilisca horn kilûtit uuirdit,
enti sih der suanari ana den sind arhevit
[der dâr suannan scal tôten enti lepentên],
denne hevit sih mit imo herio meista,
daz ist allaz sô pald, daz imo nioman kipâgan ni mak.
denne verit er ze deru mahalsteti, deru dâr kimarchôt ist:
dâr uuirdit diu suona, dia man dâr io sagêta.
denne varant engila uper dio marha,
uuechant deota, uuîssant ze dinge.
denne scal manno gilîh fona deru moltu arstên.
lôssan sih ar dero lêuuo vazzôn: scal imo avar sîn lîp piqueman,
daz er sîn reht allaz kirahhôn muozzi,
enti imo after sînên tâtin arteilit uuerde.
denne der gisizzit, der dâr suonnan scal
enti arteillan scal tôtên enti quekkhên,
denne stêt dâr umpi engilo menigî,
guotero gomôno: gart ist sô mihhil:
dara quimit ze deru rihtungu sô vilo dia dâr ar restî arstênt.
sô dâr manno nohhein uuiht pimîdan ni mak,
dâr scal denne hant sprehhan, houpit sagên,
allero lido uuelîhc unzi in den luzîgun vinger,
uuaz er untar desen mannun mordes kifrumita.
dâr ni ist eo sô listîc man der dâr iouuiht arliugan megi,
daz er kitarnan megi tâto dehheina,
niz al fora demo khuninge kichundit uuerde,
ûzzan er iz mit alamusanu furimegi
enti mit fastûn dio virinâ kipuazti.
denne der paldêt der gipuazzit hapêt,
denner ze deru suonu quimit.
uuirdit denne furi kitragan daz frôno chrûci,
dâr der hêligo Christ ana arhangan uuard.
denne augit er dio mâsûn, dio er in deru menniskî anfênc,
dio er duruh desse mancunnes minna fardolêta.


Petruslied

Unsar trohtîn hât farsalt sancte pêtre giuualt,
daz er mac ginerian ze imo dingênten man.
kyrie eleyson! christe eleyson!

Er hapêt ouh mit vuortun himilriches portûn.
dar in mach er skerian den er uuili nerian.
kirie eleison! christe eleison.

Pîttêmês den gotes trût allâ samant upar lût,
daz er uns firtânên giuuerdo ginâdén!
kirie eleyson! christe eleison!

9. Jahrhundert


Weingartner Reisesegen

Ic dir nâch sihe, ic dir nâch sendi
mit mînen funf fingirin funvi undi funfzic engili.
Got dich gisundi, hein dich gisendi.
offin sî dir diz sigi dor, sami sî dir diz seldi dor,
Bislozin sî dir diz wâgi dor, sami sî dir diz wâfin dor.

12. Jahrhundert


Wessobrunner Schöpfungsgedicht

De poeta

Dat gafregin ih mit firahim firiuuizzo meista,
Dat ero ni uuas noh ufhimil,
noh paum noh pereg ni uuas,
ni [...] nohheinig noh sunna ni scein,
noh mano ni liuhta noh der maręo seo.
Do dar niuuiht ni uuas enteo ni uuenteo,
enti do uuas der eino almahtico cot,
manno miltisto, enti dar uuarun auh manake mit inan
cootlihhe geista. enti cot heilac [...]

Cot almahtico, du himil enti erda gauuorahtos enti du mannun so manac coot forgapi, forgip mir in dino ganada rehta galaupa enti cotan uuilleon, uuistôm enti spahida enti craft, tiuflun za uuidar stantanne enti arc za piuuisanne enti dinan uuilleon za gauurchanne!

9. Jahrhundert


Floret silva nobilis
floribus et foliis.
ubi est antiquus
meus amicus?
hinc equitavit.
eia! quis me amabit?

Floret silva undique,
nâch mîme gesellen ist mir wê!


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