L Y R I K
LYRIK Angelus Silesius - Poetische Werke 48

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Angelus Silesius (1624-1677)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 48

Sie betrachtet seine am Kreuz ausgespannten Arme und Hände

1
Was bedeut dies, ihr Jungfrauen,
Daß wir unseren Bräutgam schauen
Mit ausgestreckten Armen stehn?
Daß er beide Händ ausbreitet
Und sein Blut heraußer spreitet
Und daß er sich läßt so erhöhn?

2
Tut ers nicht, uns zu erlangen,
Zu umhalsen, zu umfangen
Und unsre Seel zu sich zu ziehn?
Freilich ja, er will vom Bösen
Seine Braut hiermit erlösen,
Drum geht doch näher zu ihm hin.

3
Gehet, daß ihr seht die Plagen
Seiner Hände, die durchschlagen
Und an das Kreuz geheftet sein.
Daß ihr seht, mit was für Wunden
Euer Bräutgam sich verbunden,
Euch zu erretten aus der Pein.

4
Schaut das Leiden seiner Armen,
Daß es einen Stein erbarmen
Und einen Stock bewegen sollt!
Ist nicht alles so zerrenket,
Ausgezogen und gekränket,
Wie seine Feinde selbst gewollt!

5
O der großen Liebesflamme,
Die ihn an des Kreuzes Stamme
So ausgespannet stehen macht!
Hat man vormals auch gesehen
Solches Wunderwerk geschehen,
Als der verliebte Gott erdacht?

6
Dank sei dir für diese Schmerzen,
Jesu Christ, von ganzem Herzen
Und für die große Mildigkeit!
Denn dadurch hast du erworben
Meine Hände, die verdorben
Durch Neid und Unbarmherzigkeit.

7
Gib, daß ich nicht müde werde
Guts zu tun auf dieser Erde
Mit meinen Händen, was ich kann.
Daß ich deine Leiden preise
Und dir wieder Dienst erweise,
Weil du hast mir so viel getan.

8
Daß du mir an meinem Ende
Reichest deine treuen Hände
Und seligmachenden Verdienst.
Daß ich in den keuschen Armen
Hocherfreulich mög erwarmen
Mit unaufhörlichem Gewinst.

Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder - Zweites Buch 8

◀◀◀ ▶▶▶


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE