L Y R I K
LYRIK Angelus Silesius - Poetische Werke 1885

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Angelus Silesius (1624-1677)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 1885

1
O Ewigkeit, o Peinlichkeit,
O Wort voll Donnerkeile!
O Wort voll Tods und Ängstlichkeit,
Voll Schreckens, voller Pfeile!
O Wort, das aller Menschen Herz
In Trauern sollte bringen
Und einen inniglichen Schmerz
Aus ihrem Grund erzwingen.

2
Weh denen Menschen, die sogar
Die Ewigkeit vergessen
Und die erschreckliche Gefahr
Keinmal bei sich ermessen!
Weh, weh, sie wandeln auf dem Mund
Der aufgesperrten Höllen,
Die sie zuletzt in ihren Schlund
Verschlucken wird und fällen.

3
Man bankettiert und lebet wohl,
Man folget seinen Lüsten,
Man frißt und säuft sich toll und voll,
Läßt Sünd und Schand einnisten.
Und man gedenkt nicht an die Zeit,
Die unaufhörlich währet,
Die alle Freud in Traurigkeit
Und ewge Pein verkehret.

4
Der Weg ist breit und hat den Schein,
Daß er voll Rosen lieget,
Die Pfort ist groß, man kann hinein,
Ob man sich gleich nicht bieget.
Man fährt hinunter glatt und frei
Mit Roß, Sack, Pack und Wagen,
Mit Jauchzen und mit Gastgeschrei,
Ohn Anstoß, ohne Klagen.

5
Es pflegt sich aber dieser Dunst
Im Augenblick zu enden,
Wenn du hinein bist und umsonst
Dich mühest umzuwenden.
Da siehst du denn, was du getan
Mit deinem Zeitvertreiben!
Zurück ist weder Weg noch Bahn,
Du mußt nun drinne bleiben.

6
Sobald du kommst, empfahen dich
Die teufelischen Hunde
Und machen dir ganz grausamlich
Den Leib zu einer Wunde.
Der Teufel nimmt dich selber an
Mit seinen Henkersarmen
Und preßt dich ein, so sehr er kann,
Ohn einziges Erbarmen.

7
Der feurgen Schergen grimmge Schar
Wirft dich stracks an die Ketten,
Bindt, reißt, schlägt, tritt, bis du fast gar
Zermergelt und zertreten.
Stürzt dich darauf mit solcher Macht
Auf Abgrunds scharfe Schwellen,
Daß Leib und Seel davor zerkracht
Und ewig sich zerschellen.

8
Der Ort ist schrecklich, rauh und kalt
Und doch voll Glut und Hitze,
Schwarz, finster, grausam, ungestalt,
Ein Unflat, eine Pfütze.
Der Schwefel strömt wie eine Bach,
Von Pech sind große Seen.
Geschmolzen Blei fällt von dem Dach
Und von den jähen Höhen.

9
Es donnert, hagelt, kracht und blitzt
Ohn Unterlaß, ohn Ende,
Es brennet, flammet, sticht und hitzt
Durch alle Stein und Wände.
Es tauet Gift und regnet Feur,
Es schneiet Pflöck und Keulen,
Es stürmt und wettert ungeheur,
Daß Grüft und Lüfte heulen.

10
Die Hunde, die darinnen sein,
(Ich meine die Verdammten)
Bindt Satan in Gebünder ein
Durch seines Zorns Beamten.
Sie liegen wie das tote Vieh,
Wie Hering auf dem Haufen
Und können ewiglich doch nie
Ersterben noch ersaufen.

11
Von unten brennet sie die Glut
Des Feuers und der Flammen,
Auf allen Seiten schlägt die Flut
Des Pfuhls ob ihn'n zusammen.
Von oben trauft das heiße Blei
Auf ihre nackten Glieder,
Bald trennet sie ein Strahl entzwei,
Bald schlägt sie Hagel nieder.

12
Die Pestilenz, die plaget sie
Mit Eiterbeuln und Schlieren,
Carbunkel, Sprenkeln und was nie
Auf Erden war zu spüren.
Die Gicht, das Zahnweh und der Stein,
Das Nagen in dem Herzen
Sind gegen ihrer andern Pein
Noch gar geringe Schmerzen.

13
Unsäglich ists, was sie alldar
Vom Ungeziefer leiden,
Die sich an der Verfluchten Schar
Ersättigen und weiden.
Die Frösch und Kröten setzen sich
Ganz frei auf ihr Gesichte
Und machens ihnen ewiglich
Zuschanden und zunichte.

14
Die Schlangen sieht man fort und fort
An ihrem Fleische hängen
Und sie auf jeder Stell und Ort
Anfallen und bedrängen.
Die Nattern haben ihre Lust,
Wenn sie Maul, Nas und Ohren
Durchschlüpfen und die ganze Brust
Bis auf das Herz durchbohren.

15
Der Läus ist ein unzählig Heer,
Ingleichen auch der Wanzen,
Die nach der Läng und nach der Quer
Auf ihrer Haut rumtanzen.
Die Mücken kühlen ihren Mut,
Die Bremsen sind ergötzet,
Wenn sie die Hunde bis aufs Blut
Gestochen und verletzet.

16
Der Spinnen ist ein Überfluß
Und auch der Skorpionen,
Es müssen sie auch zum Verdruß
Die Mäuse nicht verschonen.
Die Ratten fressen sie stets aus
Und wühlen nach Belieben,
Bis daß an manchen nichts als Graus
Von Beinen übrigblieben.

17
Zum Unglück können sie sich nicht
Auf eine Seite kehren
Und einer Fliege, die sie sticht,
Mit einem Finger wehren.
Der Leib ist wie ein Zentner Blei,
Plump, grob und ohn Gelenke,
Die Flechsen alle sind entzwei,
Die Bein aus dem Gerenke.

18
Und dieses haben sie davon,
Weil sie nicht wollten gehen,
Wenns Zeit war, vor des Herren Thron
Zu knieen oder stehen.
Sie waren langsam, träg und faul
Dem Nächsten beizuspringen
Und konnten ihren frechen Gaul
Nicht von der Stelle bringen.

19
Betrachtet dies, ihr faules Vieh,
Die ihr Gott selten dienet,
Die ihr vor seinem Antlitz nie
Mit einer Tugend grünet,
Die ihr so hurtig lauft zum Spiel,
Zum Saufen, Tanzen, Springen
Und könnt zu eures Leibes Ziel
Nicht einen Fuß fortbringen.

20
Sie haben weder Ruh noch Rast
Von allen diesen Plagen,
Es kränkt sie ewig diese Last,
Die Pein und dieses Nagen.
Das Fleisch, das ihnen hat die Zahl
Der Ratten ausgefressen,
Wächst stracks aufs neu und hegt die Qual
Unendlich, ungemessen.

21
Die Raben fallen sie auch an,
Die Habicht und die Geier,
Ein jeder pflücket, was er kann,
Und hackt nach seiner Leier.
Sie werden oft mit solchem Strauß
Verschlucket von den Drachen
Und wiederum gespieen aus,
Daß die Gewölbe krachen.

22
Das Ärgst ist, daß kein Gras noch Kraut
Noch Arznei da zu finden,
Kein Arzt, der die versehrte Haut
Kann salben und verbinden.
Kein Trost, kein Labsal in der Qual,
Kein Öle für die Schmerzen,
Kein Trank, kein Wasser überall
Für die ermatten Herzen.

23
Sie werden mehr geschwächt und krank,
Wenn man den Schacht aufrühret
Und den unleidlichen Gestank
Vor ihre Nase führet.
Dies ist der Myrrhn und Benzoin,
Den sie verdienet haben,
Der Schnupftabak, der Haupt und Sinn
Erleichtern soll und laben.

24
Der Hunger plaget sie auch sehr,
Sie heulen wie die Hunde,
Nach Wasser lechzen sie noch mehr
Mit aufgesperrtem Munde.
Und doch wird ihnen nichts zuteil,
Die Hoffnung ist verschlissen,
Sie müssen so die ganze Weil
Ihr Bankettieren büßen.

25
Wenn ihnen Satan gütlich will,
So füllt er ihren Rachen
Mit Hüttenrauch, Kot und Gespül
Von grauerlichen Sachen.
Drauf schöpft er ihnen einen Trank
Aus der vergiften Quelle
Und füllt sie an mit Mordgestank
Aus seines Unflats Kelle.

26
Anstatt der Musik hören sie
Das teuflische Geschreie,
Welchs sie erschrecket je und je
Ohn Ordnung, ohne Reihe.
Sie hören ihren Hohn und Spott,
Wie sie verlachet werden,
Daß sie den Teufeln mehr als Gott
Gefolget auf der Erden.

27
Da werden ihnen eingetränkt
Die tausend Sakramente,
Die Donner, Hagel und was kränkt,
Die Sternen-Elemente.
Da hören sie im Dampf und Rauch
Das Blut und Gottes Wunden,
Das ihnen durch den bösen Brauch
Entworden und entschwunden.

28
Sie wissen nicht vor Ungeduld,
Vor Zorn und großem Grimme,
Wie sie nur solln in dieser Schuld
Erheben ihre Stimme.
Sie wollen fluchen, lästern, schmähn
Und sich darmite rächen
Und können kaum ein Wort ausdrehn
Noch vor Verbosung sprechen.

29
Die Zung ist noch dazu verwundt,
Sie können sie kaum rühren,
Verschlossen ist der Hals und Mund
Mit schmerzlichen Geschwüren.
Und so noch eins in dieser Pein
Kann einen Fluch erzwingen,
Dem dreht man einen Knebel ein,
Daß Mund und Schlund zerspringen.

30
Ein unnatürliches Geschrei
Ertönt aus ihren Rachen,
Sie grunzen wie die vollen Säu,
Sie krächzen wie die Drachen.
Sie bellen wie das Hundevieh,
Sie heulen, blöken, brüllen,
Sie murrn und brummen je und je
Mit ewgem Widerwillen.

31
Schaut, dies soll eure Kurzweil sein,
Ihr schändlichen Schandierer!
Dies sind die Hurenliedelein,
Ihr Buhler, ihr Verführer!
Singt nur und reißet, wie ihr wollt,
Die Zoten und die Possen,
Im Abgrund werdt ihr diese Schuld
Genug bezahlen müssen.

32
Zu diesem sind sie so verstalt,
Zerstümmelt und zerhauen,
Daß man sie beide, jung und alt,
Nicht kann ohn Schrecken schauen.
Kohlpechschwarz ist ihr Angesicht,
Voll Blasen, voller Grinde,
Der Leib so hart und runzelicht
Als Bast und eichne Rinde.

33
Dem hängt die Nase bis ins Maul,
Der hat durchfressne Backen,
Dem dritten sind die Lippen faul,
Dem vierten schwürt der Nacken.
Ein anderer hat einen Kropf
Wie eine Wasserkanne,
Ein anderer glüht um den Kopf
Wie indiansche Hanne.

34
Dem einen rahn die Augen vor
Wie große Käsenäpfe,
Dem andern stehn die Haar empor
Und sind voll Wichtelzöpfe.
Der eine hat die Gusche nicht,
Der andre Nas und Ohren
Und gar sein menschlich Angesicht
Zu ewger Schmach verloren.

35
Viel sehn dem Ungeziefer gleich,
Den Kröten und den Schlangen,
Dieweil sie auf dem Erdenreich
Voll Gifts und Hasses gangen.
Der Hund ist eine große Zahl,
Der Säu und Böck ingleichen,
Viel Neid, Fraß, Unzucht überall
Bei Armen herrscht und Reichen.

36
Sie sind so schrecklich zugericht,
Daß sie selbst drob erschrecken
Und ihr verfluchtes Angesicht
Stets suchen zu bedecken.
Der Teufel ist nicht greulicher
Noch seine Spießgesellen,
Kein Wurm und Kröt abscheulicher
Im Pfuhl der ganzen Höllen.

37
Zu diesem allen kommt auch noch
Daß sie nicht Friede hegen
Und ihnen selber erst das Joch
Des Widerwillns anlegen.
Sie quäln einander ewiglich
Mit Fluchen und Verdammen,
Sie schlagen, kratzen, beißen sich
Ohn Unterlaß zusammen.

38
Dies ist des Abgrunds Eigenschaft,
Dies ist des Teufels Friede.
Mit solcher Liebe sind behaft
Die ewgen Höllenriede.
Weh euch, die ihr Krieg, Zank und Streit,
Haß, Hader, Zwietracht liebet,
Ihr müsset darauf in Ewigkeit
Mit Zwietracht sein betrübet.

39
Erschrecklich muß es ihnen sein,
Wenn sie von Teufeln allen
Noch über jetzt erzählte Pein
Erst werden angefallen.
Weiß doch nicht ein beherzter Held,
Was er vor Angst soll machen,
Wenn ihn nur ein Gespenst anfällt;
Was sind dann tausend Drachen!

40
Sie falln sie an mit großem Grimm
Und unerhörtem Schreien,
Mit einer höllschen Donnerstimm,
Mit Brüllen wie die Leuen.
Sie wüten, toben, stechen, haun,
Sie speien, schnauben, kratzen,
Sie fassen sie mit ihren Klaun
Und teufelischen Tatzen.

41
Da ist das Elend erst recht groß
Und nimmer anzusprechen,
Mit was für Pein und was für Stoß
Sie ihnens Herze brechen.
Wie sie sie peinigen und quäln,
Wie grimmig sie verfahren,
Kann kein verschwatzter Mann erzähln
In vielen langen Jahren.

42
Dem brechen sie im Zorn den Hals,
Daß ihm die Sehnen knacken,
Dem andern drehn sie gleichen Falls
Das Antlitz auf den Nacken.
Dem reißen sie die Augen aus,
Zerschmettern dem die Beine,
Den werfen sie mit großem Strauß
Und Toben an die Steine.

43
Den henkert man, wie man nur kann,
Den jaget man durch Spieße,
Den speiet man mit Feuer an,
Verhauet dem die Füße.
Die tritt man in den höllschen Kot,
Die schläget man mit Keulen,
Die nagelt man zu Hohn und Spott
Auf Stangen wie die Eulen.

44
Viel schleppet man im Abgrund rum
Und zaust sie bei den Haaren
So grimmig, daß sie um und um
Die Schwarte lassen fahren.
Drauf brüht man sie bis aufs Gebein
In allen feurgen Flüssen,
Schließt sie in glühend Eisen ein
Mit Händen und mit Füßen.

45
Dem stoßet man das Herz entzwei
Mit Rädern und mit Rammen,
Den stampft man gar wie einen Brei
Mit Spinnengift zusammen,
Dem schneidet man das Fleisch vom Rump,
Den peitschet man mit Schlangen,
Den schlägt man lahm, den andern krumb,
Den reißet man mit Zangen.

46
Viel werden an den Spieß gesteckt
Und lebendig gebraten,
Viel auf der Folterbank gereckt,
Bekennend ihre Taten.
Viel werden bis aufs Mark zerfeilt,
Viel jämmerlich geschunden,
Viel klein zerhackt und ausgeteilt
Zur Kost der höllschen Hunden.

47
Man köpft und henkt sie ewig hin
Man siedt sie stets im Öle,
Treibt ihnen von entbranntem Kien
Durch alle Glieder Pfähle.
Bald wirfet man sie aus der Glut
In ein eiskalte Wuhne,
Aus der bald wieder in die Flut
Und feuerheiße Trune.

48
Die Laster haben noch dazu
Ihr eigne Straf und Plagen,
Die den Verbrechern alle Ruh
In Ewigkeit versagen.
Wem dein verruchtes Herz allhier
Am meisten war ergeben,
Das quälet dich da für und für
In diesem toten Leben.

49
Die Hoffart lieget da im Kot,
Dem Satan zu den Füßen
Und muß ihm, ihr zu Schimpf und Spott,
Auch gar den Hintern küssen.
Wie sie gepranget und stolziert,
Wie sehr sie sich erhaben,
So sehr wird sie nunmehr vexiert,
Gedrucket und vergraben.

50
Der Geizige klaubt überall
Den Teufelskot zusammen
Und frißt in sich mit großer Qual
Die Kohlen samt den Flammen.
Er scharrt, er gratscht, er greift nach Geld,
Schnappt nach den höllschen Fliegen,
Er kränkt sich, daß er nicht die Welt
Soll ganz in Rachen kriegen.

51
Man gießet ihm geschmolzen Gold
In seinen Schlund die Menge,
Füllt ihm damit, wie er gewollt,
All Adern, alle Gänge.
Was er mit Unrecht an sich bracht
Und andern hat entzogen,
Das wird ihm alls durchs Teufels Macht
Erschrecklich ausgesogen.

52
Der Neid frißt ihme selbst das Herz
Und nagt an eignen Brüsten,
Er muß dem Beelzebub zum Scherz
Sich kränken und entrüsten.
Man nimmt ihm auch, was er nicht hat,
Man gönnt ihm nicht die Stelle,
Man leidt ihn kaum in diesem Bad
Und in der ganzen Hölle.

53
Die Schleckerbißlein, die dem Fraß
In seinen Wanst geflogen,
Die werden ihm da ohne Maß
Mit Haken rausgezogen.
Er muß sich würgen in der Pein
Und unaufhörlich kröcken,
Das Bier muß raus und auch der Wein,
Sollt er gleich bald verrecken.

54
Der Durst und Hunger plaget ihn
Und, wie er hier gesessen,
So hat er da auch noch den Sinn
Zum Saufen und zum Fressen.
Man gibt ihm aber nichts als Kot
Und Eiter von den Wunden,
Das ist sein Trank und täglich Brot
All Augenblick und Stunden.

55
Der Zorn muß aller Teufel Zorn
Auf seinem Kopfe tragen
Und zu allm ihrem Schnurrn und Purrn
Auch nicht ein Wörtlein sagen.
Er brennt, er flammt, er schnaubt, er gischt,
Bleibt ewiglich zerrüttet,
Weil er hier alls mit Grimm vermischt
Und ohn Vernunft gewütet.

56
Der Faule, der nichts Gutes tat
Noch jemals wollte beten,
Der wird gepeitscht mit scharfem Draht
Und jämmerlich zertreten.
Man kauft ihm Lust mit einem Beil,
Mit Kolben und mit Prügeln,
Man laust ihn für die lange Weil
Mit allen Hölleriegeln.

57
Die Böck und Brömmer, die allhier
Manch ehrlich Mensch verführten
Und manche Dirn zur Ungebühr
Bekleideten und zierten,
Die müssen unerhörte Pein
Von ihrer Brunst empfinden
Und ewiglich gequälet sein
Mit Fühlung dieser Sünden.

58
Die geilen Säcke, die so oft
Den Jünglingen nachgingen
Und manchen, der es nicht verhofft,
Mit ihren Stricken fingen,
Die werden jämmerlich gekränkt
Von ihren bösen Lüsten,
Mit Skorpionen hart bedrängt
An Leib und an den Brüsten.

59
In Summa, wer ists, der sogar
Die Peinen kann beschreiben,
Die der Vermaledeiten Schar
Ohn Ende werden bleiben.
Es wird mit höchster Grimmigkeit
An ihnen da gerochen,
Was sie mit ihrer Üppigkeit
Und bösem Tun verbrochen.

60
Noch eins ist über alle Pein
Und über alle Plagen,
Das sie so lang, als Gott wird sein,
Am schrecklichsten wird nagen.
Das sie mehr brennt als siedig Zinn
Und alle höllschen Flammen,
Das sie mehr kränkt im Geist und Sinn
Als alle Pein zusammen:

61
Es ist, daß sie in Ewigkeit
Die Marter müssen leiden
Und die verscherzte Himmelsfreud
In Ewigkeit vermeiden.
Daß sie von Gottes Angesicht
Verstoßen bleiben müssen
Und sein so lieblich seligs Licht
Nun nimmermehr genießen.

62
Da geht erst die Verzweiflung an,
Da gehts in ein Verfluchen,
Da will man erst im Pfuhl die Bahn
Zur Buß und Beichte suchen.
Da fängt man an, jedoch umsonst,
Das Böse zu bereuen
Und sich vor viehscher Lust und Brunst,
Vor Sünd und Schand zu scheuen.

63
Sie fluchen, daß sie Menschen sein,
Und wolln sich stets ermorden,
Sie wünschen Gott die ewge Pein,
Daß sie geschaffen worden.
Sie schrein und gillen nach dem Tod,
Und sieh! er fleucht vor ihnen,
Sie henkern selbst sich, daß sie Gott
Nicht haben wollen dienen.

64
Es schmerzet sie das milde Blut,
Das Christus hat vergossen,
Sie denken an die Gnadenflut,
Die sie umsonst genossen.
Sie wissen, wie Gott sie geliebt,
Was er für sie gelitten,
Wie er gewest um sie betrübt
Und bis in Tod gestritten.

65
Ach, schrein sie, wie leicht hätten wir
In Himmel können kommen,
Nun ists umsonst und müssen hier
In Ewigkeit verstummen.
Wie leichte konnten wir zu Gott
Durch Buß und Christi Wunden,
Nun sind uns alle Mittel tot
Und sein Verdienst verschwunden!

66
Nun müssen wir in Ewigkeit
Vergehn in diesen Qualen
Und unsre Lust und Eitelkeit
Mit Leib und Seel bezahlen.
O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wer kann die Läng aussprechen?
Wer zählt die Jahre dieser Zeit,
In der man uns soll rächen?

67
Dies ist der Wurm, der nimmermehr
In den Verdammten stirbet,
Durch den die Seele noch so sehr
Als durch das Feur verdirbet.
Dies ist der allergrößte Schmerz,
Den sie, die Hund, empfinden,
Dies macht, daß ihnen Seel und Herz
Verdorren und verschwinden.

68
Geh nun, verruchtes Sündenkind,
Und folge deinem Willen,
Geh, sei verbost, verstockt und blind,
Laß dich den Teufel füllen.
Stolziere, geize, zürne, friß,
Begeh des Fleisches Lüste,
Denk aber, daß durch dies gewiß
Die ewge Qual einniste.

69
Kehr um und eile heute noch
Mit Reu und Leid zur Buße,
Reiß dich aus dem verfluchten Joch
Und fall dem Herrn zu Fuße.
Betreug dich nicht, tus, weil es Zeit,
Weil Gnad und Gunst zu finden,
Sonst wird dir Gotts Barmherzigkeit
Und alle Huld verschwinden.

70
Ach, daß du noch so töricht bist
Und dich so tief verbrennest!
Ach, daß du doch in Kot und Mist
So unbesonnen rennest!
Ach, arme Seele, steh doch auf,
Ermuntre deine Sinnen,
Verändre deinen schnöden Lauf,
Der Höllen zu entrinnen.

71
Betrachte doch die Ewigkeit,
Daß sie unendlich währet!
Schau an den Wurm, den keine Zeit
Ertötet und verzehret.
Ach, ach, was ist es, ewig sein
Verstoßen und verdammet!
Ach, ach, was ist mit ewger Pein
Geplagt sein und umflammet!

72
Kurz ist die Lust, kurz ist die Zeit,
Vergänglich diese Freuden,
Lang ist die Pein und Ewigkeit,
Beständig währt ihr Leiden.
O Ewigkeit, o Ewigkeit,
O ewig sein verloren!
O Last, o Unerträglichkeit,
O besser, nie geboren!

Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge 3

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