L Y R I K
LYRIK Angelus Silesius - Poetische Werke 180

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Angelus Silesius (1624-1677)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 180

Sie findet ihn nach vielem Suchen in ihrem Herzen

1
Psyche, voll heilger Liebsbegier,
Voll feuriger Verlangen,
Ihrs Herzens Schatz und Seelenzier,
Den Bräutgam, zu empfangen,
Lief hin und wieder auf die Straßen
Und sucht ihn emsig ohne Maßen.

2
Sie lief und fragte fort und fort,
Wo ihr Geliebter stünde?
An welchem End, an welchem Ort
Ihr Jesus sich befinde?
Es sollte, wer nur kam, ihr sagen,
Wo sie den Heiland könnt erfragen.

3
Er liegt, sprach sie, im Krippelein
Und an der Mutter Brüste.
Da find ich ihn, ein Kind und klein,
Daß ich gleich mit ihm niste.
Er aber war nur schon entwöhnet,
Sie hatte sich umsonst gesehnet.

4
Da lief sie fort und fiel ihr ein,
Daß er im Feld zu finden.
Sie sprach: er ist ein Feldblümlein,
Da, da werd ich ihn binden.
Er aber war nicht mehr auf Erden,
Konnt ihr auch also da nicht werden.

5
Wart, sprach sie, er war gern allein,
Ich will ihn wohl ergehen
Und lief in alle Wüstenein,
Auf alle Berg und Höhen.
Konnt ihn doch auch da nicht umfassen,
Weil er die allbereit verlassen.

6
Drauf dachte sie, ihn an dem Stamm
Des Kreuzes zu umgeben,
Weil er daran, als Bräutigam,
Gelassen Leib und Leben.
Sie konnt ihn aber nicht bekommen,
Die Mutter hat ihn weggenommen.

7
Da eilte sie mit allem Fleiß,
Ihn suchend in dem Grabe.
Da, sprach sie, wird er mir zu Preis,
Da ists, wo ich ihn habe.
Er aber war schon auferstanden
Und im Grabe nicht vorhanden.

8
Dann schwang sie sich mit Geist und Sinn
In alle Himmelssäle.
Ich weiß, sprach sie, weil er dahin,
Daß ich nicht seiner fehle.
Er aber war auch da nicht drinnen,
Weil all ihn nicht begreifen können.

9
Als dies geschah, sank sie vor Leid
In Ohnmacht und fiel nieder,
Hört aber gute neue Zeit,
Da sie zu sich kam wieder:
Sie sollt in ihren Grund eingehen,
Da würd er sein und ihr gestehen.

10
Stracks kehrte sie sich in sich ein
Und sucht in ihrem Herzen,
Da ward gemindert ihre Pein
Und abgekürzt die Schmerzen.
Sie fand den Liebsten ihrer Seelen
In ihrer eignen Herzenshöhlen.

11
Ach Törin, schrie sie, die du Gott
Von außen meinst zu finden!
Und kannst dich in dir selbst von Not
So leicht durch ihn entbinden.
In dich, in dich mußt du dich kehren,
Wo du willst stillen dein Begehren.

Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder - Fünftes Buch 57

◀◀◀ ▶▶▶


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE