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LYRIK Angelus Silesius - Poetische Werke 126

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Angelus Silesius (1624-1677)

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Poetische Werke 126

Lob der heiligen Maria Magdalene

1
Du weltberühmte Büßerin,
Maria Magdalene,
Dir ist jetzund mein Geist und Sinn
Bedacht auf ein Getöne.
Du süße Freundin meines Herrn,
Dich will ich jetzt besingen
Und dir zu Ehren weit und fern
Ein Lobelied erklingen.

2
Die Christenheit verwundert sich
Ob deiner tiefen Buße,
Daß du so frei und offentlich
Dem Herren fielst zu Fuße.
Du kamst mit einem Heldenmut,
Erlassung deiner Sünden
Vor allem Volk beim höchsten Gut
Zu suchen und zu finden.

3
Wie wohl ists deiner Tränen Fluß
Und deinen Haar'n gelungen,
Wie wohl hat dein zerknirschter Kuß
Die ewge Lieb bezwungen!
Du hörtest bald das süße Wort:
Dir ist die Sünd vergeben,
Steh auf und geh in Frieden fort
Zu einem neuen Leben.

4
So lange Christus bleibt bekannt,
So lang wird man auch preisen
Die Kosten, die du angewandt,
Ihm deine Lieb zu weisen.
Der Balsam, den du auf sein Haar
So reichlich hast gegossen,
Kommt durch die werte Christenschar
Mit höchstem Ruhm geflossen.

5
Du hast erwählt den besten Teil,
Bist still bei ihm gesessen
Und in ganz selger Muß und Weil
Das Wort des Lebens gessen.
Du liefst ihm nach, da er mit Spott
Zur Stadt ward ausgetrieben,
Und bist beständig bis in Tod
Bei seinem Kreuz geblieben.

6
Drum hat er auch dein Angesicht
Zum ersten wolln erquicken
Und dir sein auferstandnes Licht
Verliehen, anzublicken.
Du hast (o große Gnad und Gunst!)
Den liebsten Herrn gefunden,
Da du vermeinst, es wär umsonst,
Er wär in Tod verschwunden.

7
Drauf hat er dich ohn Speis und Trank
Durch dreißig Jahr ernähret
Und oft mit englischem Gesang
Des Anschauns Gotts gewähret.
Er ist auch selbst voll Freundlichkeit
Persönlich zu dir kommen,
Bis er dich in die ewge Freud
Aus deinem Leib genommen.

8
O werte Freundin, sieh mich an
Und laß auch michs genießen.
Hilf mir, daß ich auch Jesum kann
Mit meinen Zährn begießen.
Erwirb mir wahre Lieb und Treu
Und Buß ob meinen Sünden,
Auf daß ich möge quitt und frei
Den ewgen Frieden finden.

Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder - Viertes Buch 3

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