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LYRIK Hans Aßmann von Abschatz - Poetische Werke 142

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

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Albrecht von Haigerloch

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Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

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Birken, Sigmund von

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Blumauer, Aloys

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Hart, Julius

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Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 142

Dieses Jahr ist auch vollbracht/
Das der Höchste meinem Leben
Hat aus Gnaden zugegeben/
Billich wird der Schluß gemacht
Uber Schaden und Gewinn
Und was ich noch schuldig bin.

Wohl dem/ welcher seine Zeit
Und von Gott gegünnten Segen
Weiß so klüglich anzulegen/
Daß er immer ist bereit/
Wenn sich das gesezte Ziel
Seiner Rechnung nähern will.

Seele/ nimm nun in Empfang/
Was vorm Jahr ward auffgehoben/
Und dir ferner zugeschoben/
Leben/ Nahrung/ Speiß und Tranck/
Zum Beruff erheischte Krafft/
Die dir Gottes Gunst verschafft.

Daß die Sonne dich beleucht/
Und der Monde dir geschienen/
Licht und Erde müssen dienen/
Thau und Regen dich befeucht/
Schaust du zwar als täglich an/
Doch hats Gottes Macht gethan.

Wie viel hat des Krieges Pest/
Raub und Sturm und Brand verheeret/
Stete Furcht und Angst verzehret!
Deine Hütte steht noch fest
Und du bringst in sichrer Ruh
Deine stillen Tage zu.

Daß der holden Engel-Schaar
Um dein Leib und Hauß geblieben/
Daß sie von dir abgetrieben
Feinde/ Schaden/ Tods-Gefahr/
Bringt dein froher Lob-Gesang
Billich deinem Schöpffer Danck.

Daß die Deinen unversehrt
In das neue Jahr getreten/
Und/ um was du offt gebeten/
Von dem Höchsten ist erhört/
Schreibst du schuldigst zum Gewinn
Nebst viel andrer Wohlthat hin.

Hielt dicht nicht dein treuer Hirt
In der Weyd' auff grüner Auen/
Wo der Lebens-Quell zu schauen?
War er nicht selbst Kost und Wirth/
Der dir einen Tisch beschickt/
Und die matte Seel erquickt?

Ob was Creutze dich umfieng/
Schmertz und Kummer ie besprungen/
Bist du doch hindurch gedrungen/
Dencke daß es Gott verhieng/
Und der Zug der Vater-Hand
Von der Welt dich abgewandt.

Aber ach! wie steht es nun/
Seele/ frag ich billich heute/
Auff der andern Rechnungs-Seite/
Um dein Dencken/ um dein Thun/
Wie hastu gewendet an/
Was dein Gott dir Gutts gethan?

Schlecht wirds um die Rechnung stehn/
Wo der scharffe Satzungs-Treiber/
Und des Hertzens Gegen-Schreiber
Mit dir für Gerichte gehn;
Treu und Glauben liegen kranck/
Bey zerrißner Wechsel-Banck.

Viel ist/ leider! angewand/
Wie ich allzu spät erfahre/
Auff verbotne Müntz und Wahre/
Glaß für Gold und blinden Sand/
Eitles Wesen/ leeren Schein
Hast du dir gesammlet ein.

Ob der kühnen Hoffnung Schiff
Eine Zeit mit vollem Winde
Durch die blau-Crystallnen Gründe
Nach den Glückes-Insuln lieff/
Blieb doch endlich Gutt und Mutt
In der ungetreuen Flutt.

Deine Schuldnerin/ die Welt/
Der du viel Credit gegeben/
Will izt selber Wechsel heben/
Die sie dir entgegen stellt;
Falscher Freunde bester Danck
Ist Verfolgung/ Neyd und Zanck.

Wo ist deiner Jugend-Schatz/
Und die Anmutt frischer Glieder?
Mißbrauch leget die darnieder/
Unmutt hält den leeren Platz/
Reue/Scham und todter Ruhm
Bleiben dir zum Eigenthum.

Hast du auff den Leib gebaut/
Dieser hat dich selbst versetzet/
Offt zum Schaden angehetzet/
Wenn du ihm zu viel getraut/
Was er nun nicht zahlen kan/
Kömmt auff dich zu gelten an.

Wie viel Gutt ist nicht einmahl
Angeschlagen/ nachgetragen/
Wie vergebens muß ich fragen
Nach der Seiten rechter Zahl?
Manche Lücke/ mancher Bruch/
Mancher Fleck verstellt dein Buch.

Falscher Regel kluge Kunst
Und was Welsche List ersonnen/
Oder schlaue Faust gesponnen/
Ist umsonst und leerer Dunst/
Gottes Augen sehn zu klar/
Denen alles offenbar.

Nun bemüh dich unverweilt
Einen Bürgen zu erlangen/
Eh dich nimmt der Tod gefangen/
Und der Rechts-Zwang übereilt:
Jesus kan für dich allein
Bürge/ Pfand und Zahlung seyn.

Anstands-Schreiben suchen die/
Derer Glaube will zerrinnen/
Frist zur Zahlung zu gewinnen;
Folge nach und thu wie sie:
Fünff beströmter Wunden Quell
Ist das beste Quinquennell.

Eisern macht ein Gnaden-Brieff:
Speer und Nägel/ die durchgraben
Händ und Füß und Seite haben/
Woraus Blutt und Wasser lieff/
Schreiben dir zur Seelen-Ruh
Sicheres Geleite zu.

Der erlebten Jahre Frist
Zählt sich sieben mahl mit sieben/
Aber was dir angeschrieben/
Was du Gotte schuldig bist
Steigt viel siebzig sieben mahl
Uber deiner Jahre Zahl.

Dencke sieben Worten nach/
Die in allem Kummer laben/
Zwey mahl sieben Trost-Buchstaben/
Die der Herr am Creutze sprach/
Sagt er nicht? Es ist vollbracht/
Deine Schuld ist gut gemacht.

Schauest du die Hand-Schrifft nicht/
Die durch Satzung dir zu wider/
Bey des edlen Heylands Glieder
An dem Creutz mit auffgericht.
Durch sein Purpur-Blutt gelescht/
Das dich rein von Sünden wäscht.

Nun die Schulden seyn gestillt/
Feind und Kläger müssen schweigen/
Weil du kanst die Müntze zeigen/
Die für Gottes Throne gilt/
Ewig kanst du nun bestehn/
Frey und loß und ledig gehn.

Will dich noch der bleiche Tod
Um die lezte Schuld besprechen/
Mit dem Leibe voll Gebrechen
Zahlst du ihn in lezter Noth/
Hebst nach kurtzer Zeiten Frist
Auff/ was nimmer sterblich ist.

Aber lerne klüger seyn/
Rechne täglich im Gewissen
Mit dir ab: Du kanst nicht wissen/
Wenn dein Herr sich findet ein;
Wenn die lezte Stunde schlägt/
Und den Handel niederlegt.

III. Himmelschlüssel oder Geistliche Gedichte 24

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