• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Monde/ du Fürste der blinckenden Sternen/
    Welcher mein Sehnen und Thränen beschaut/
    Gläntzende Paphie/ der ich von fernen
    Meine betrübte Gedancken vertraut/
    Ziehe dein strahlendes Silber nur ein/
    Schwärtze mit Wolcken den spielenden Schein.

    Himmel/ für dem ich mein Leiden nicht häle/
    Lüffte/ mit Seuffzen und Klagen erfüllt/
    Erde/ bey der ich mit Weinen erzähle/
    Wie mir in Stücke mein Hertze zuspillt/
    Führet mein Aechzen in einsame Klufft/
    Berget mein Lechzen in finsterer Grufft.

    Zeugin der stündlich empfindenden Schmertzen/
    Tunckele Finsternis/ traurige Nacht/
    Welche mein thränendes Auge den Kertzen
    Himmlischer Lichter zur Wette durchwacht/
    Decke mit ewig-vergessener Ruh
    Meine gehäuffte Bekümmernis zu.

    Schweigende Qualen/ verborgenes Leiden/
    Unter der Asche begrabene Glutt
    Müssen die schmachtende Seele durchschneiden/
    Kochen in Adern das siedende Blutt/
    Bitterer Thränen verschlossene See
    Kräncket mein Hertze mit Jammer und Weh.

    Meine von Sorgen erblassete Wangen/
    Meiner Corallen erstorbener Schein/
    Meine Carfunckel mit Nebel umfangen
    Werden Verräther der heimlichen Pein/
    Aber der Lippen geschlossenes Thor
    Darff doch mein Leiden nicht geben hervor.

    Meine von Kummer verzehrende Jugend
    Welche kein freudiges Hoffen ergözt/
    Meine vom Unglück verfolgete Tugend
    Aller Vergnügung und Freuden entsezt/
    Müssen zum öfftern durch lachenden Mund
    Bergen des Hertzens bluttweinenden Grund.

    Himmel/ was soll ich noch endlich beginnen/
    Wenn mir nicht einsten zu klagen erlaubt!
    Meine von Schmertzen durchächtete Sinnen/
    Mein von Betrübnis ermattetes Haubt
    Dancken mit Freuden der Eitelkeit ab/
    Wünschen zu kommen ins ruhige Grab.

    II. Anemons und Adonis Blumen 91
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone