• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • A-bschied/ ach du herbes Wort/
    Welches meinen Sinn bestreitet/
    Und an einen fremden Ort
    Von Lisillens Schos mich leitet/
    Wie verhaßt ist mir die Zung/
    Auff der du geworden jung.

    B-itter ist der Galle Safft/
    Bitter was aus Wermut quillet/
    Was der schwartzen Pillen Krafft
    Myrrh und Aloe verhüllet;
    Doch dein Scheiden bildt mir ein/
    Jenes müsse Zucker seyn.

    S-chwer ists/ wenn der müde Geist
    Sein gewöhnlich Hauß muß meiden/
    Wenn der Lebens-Faden reist/
    Und die besten Freunde scheiden/
    Scheiden von Lisillens Zier
    Kommt mir gleich beschwerlich für.

    C-inthius/ wenn er entzieht
    Unsrer Welt die göldnen Blicke/
    Lässet alles/ was man sieht
    Hinter sich betrübt zurücke;
    Seht/ wie so in Trauren steht
    Wenn Lisillens Sonn entgeht.

    H-enckers Hände können nicht
    Uber wenig Tage quälen:
    Wer Lisillens sich entbricht/
    Kan der Pein kein Ende zählen:
    Qual und Sorge frist ihn ab/
    Leben ist sein täglich Grab.

    I-st gleich in der Todten-Zunfft
    Der erblaßte Cörper kommen/
    Bleibt ihm doch die Wiederkunfft
    Zu der Selen unbenommen;
    Ob Lisille mehr sieht mich
    Wissen Glück und Zeit/ nicht ich.

    D-och das Beste/ Lisilis/
    Wollen wir zusammen hoffen.
    Wer weiß/ wo auff den Verdruß
    Uns noch Glück und Heyl steht offen?
    Gönne mir drauff einen Kuß
    Eh ich dich verlassen muß.

    II. Anemons und Adonis Blumen 77
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone