• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Der erblaßte Monden ziehet
    Sein geschwächtes Silber ein/
    Und der Sternen Heer entfliehet
    Vor der Sonne nahem Schein/
    Auff/ mein Hertz/ und laß der Sünden
    Trübe Nacht bey dir verschwinden.

    Schau wie Lerch und Nachtigallen/
    Die man früher hört als sieht/
    Gott zu Ehren lassen schallen
    Ein erfreutes Morgen-Lied/
    Folge nach/ mein Hertz / und singe
    Gott dem Schöpffer aller Dinge.

    Herrscher über Tod und Leben/
    Meister über Nacht und Tag/
    Dir muß billich Ehre geben
    Was nur Athem ziehen mag/
    Und dich/ seine Pflicht zu weisen/
    Mit den Morgen-Sternen preisen.

    Himmels-Fürst und Erden-König/
    Grosser Herr der Herrligkeit/
    Meine Zung' ist viel zu wenig/
    Daß sie deinen Ruhm ausbreit/
    Aber laß dir doch das Lallen
    Deines Kindes wohl gefallen.

    Daß ich deiner Sonne Blincken
    Und des hellen Tages Zier/
    Daß ich deiner Sternen Wincken
    Und diß gantze Welt-Refier
    Deiner Wercke voll gesehen/
    Ist durch deine Macht geschehen.

    Daß ich mit gesundem Leibe
    Frölich Athem schöpffen kan/
    Und in meinem Stande treibe
    Was mir ist befohlen an/
    Daß ich Kleid und Nahrung habe/
    Nenn ich billich deine Gabe.

    Daß ich freudig im Gewissen/
    Frey von Sünd/ und Höllen Noth/
    Auff dein theures Blutvergiessen/
    Geh durch Sorge/ Schmertz und Tod.
    Daß ich ewig dich soll sehen/
    Ist/ und wird/ durch dich geschehen.

    Fahre fort mich so zu pflegen/
    Halt mich unter deiner Hutt/
    Kröne mich mit deinem Segen/
    Gieb was hier und ewig gutt/
    So soll dir mit Engel-Zungen
    Werden Lob und Danck gesungen.

    III. Himmelschlüssel oder Geistliche Gedichte 3
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone