• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Soll Celadon die stille Glutt
    Denn sterbend unter einer Flutt
    Von heissen Thränen sehn verglimmern?
    Läst Celimene keinen Stral
    Der Gütte nach so langer Qual
    In sein getreues Hertze schimmern?

    Es ist geraume Zeit dahin
    Daß ich ihr Diener worden bin/
    Mann will mich nicht vor Sclav erkennen,
    Man sieht die helle Flamme nicht:
    Wenn Feuer aus den Augen bricht/
    Wie solte nicht das Hertze brennen!

    Es brennet ja so viel es kan/
    Und zündt sich stets von neuem an
    Von der erzürnten Augen Blitzen.
    Der müste ja ein Demant seyn/
    Den der befunckten Lichter Schein
    Nicht könt erweichen und durchhitzen.

    Die Glutt/ die unser Hertz entsteckt/
    Wenn sie gleich Zorn und Unmutt deckt/
    Ist liebens werth und schön zu schätzen.
    Ach/ wenn sie wolten freundlich seyn/
    Wie könten sie die schwere Pein
    Mit überhäuffter Freud ersetzen!

    Zwar hoffet solche süsse Gunst
    Von Celimenen nur umsunst
    Ein Hertze/ das verdammt zu leyden.
    Sie glaubets nicht/ sie achtets nicht/
    Daß mich die heisse Sonne sticht/
    Biß ich mich werd in Asche kleiden.

    Nur eine Sonne brennt den Mohr/
    Die dennoch offt den schwartzen Flor
    Der Wolcken hengt für ihren Wagen:
    Zwey Feuer sind zu viel! Wer kan
    Zugleich/ wie ich bißher gethan/
    Die Schönheit und den Haß vertragen!

    Doch/ wo hier kein Erbarmen gilt/
    So brenne ferner wie du wilt/
    Dein Celadon wird diß nicht achten/
    Er bleibet dir in stillem huld/
    Und wird mit freudiger Gedult
    Von Celimenens Augen schmachten.

    II. Anemons und Adonis Blumen 102
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone