Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Ich weiß nicht, was geschehn ist in der Welt derweile?
Gewiß viel Wichtiges in dem und jenem Theile.

Allein es hat mein Ohr, mein Auge nicht berührt,
Und keine Ahnung auch hab' ich davon gespürt.

Und gleichwol ist es da, nur ohne daß ichs weiß,
Und macht, auch unbemerkt, schon kalt mir oder heiß;

Weil nichts den großen Leib der Menschheit kann berühren,
Davon nicht Mitgefühl die Glieder müßten spüren.

Und könnt' ich klar nur in des Herzen Spiegel sehn,
So fänd' ich schon darin, was in der Welt geschehn.

Nun muß ich warten, bis zuletzt Gerücht und Zeitung
Zu mir gelangt mit des Geschehenen Verbreitung;

Daß mich mitfreue, mitbetrübe, was betraf
Von Wohl und Weh die Welt, derweil ich lag im Schlaf.