Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Immer drängt es mich, zu sagen, wie ich liebe!
Und ich weiß es nie zu klagen, wie ich liebe.
Meinst du wohl, daß auf den Fluren Morgenlüfte
So nach Rosendüften jagen, wie ich liebe?
Meinst du wohl, daß so aus nächt'gem Schooß der Wolke
Rothe Morgenlichter tagen, wie ich liebe?
Meinest du, daß Adler streben, wie ich fliege?
Oder hohe Cedern ragen, wie ich liebe?
Sieh', es sagt die stille Knospe, die am Herzen
Fühlt den Wurm des Grames nagen, wie ich liebe.
Rose mit Erröthen, Lilie mit Erblassen,
Wollen dir's zu sagen wagen, wie ich liebe.
Und die kleinen unbemerkten blauen Blumen
Wollen's sagen, und verzagen, wie ich liebe.
Wenn der Sonne Strahl sie küsset, Thau sie tränket,
Sagt's ihr trunk'nes Wohlbehagen, wie ich liebe.
Und es sagt's ihr Todesschauern, wenn am letzten
Blick des Tages sie erlagen, wie ich liebe.
Alle Abendlüfte seufzen, wie ich leide,
Und die Nachtigallen schlagen, wie ich liebe.
Schatten flüstern, und die nächt'gen Bronnen rauschen,
Dir's im Traume vorzutragen, wie ich liebe.
Jeder Mund der Schöpfung redet Freimunds Liebe;
Warum willst du mich erst fragen, wie ich liebe?