Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Auf die Schlacht von Leipzig

Kann denn kein Lied
Krachen mit Macht,
So laut, wie die Schlacht
Hat gekracht um Leipzigs Gebiet?

Drei Tag und drei Nacht,
Ohn' Unterlaß,
Und nicht zum Spaß,
Hat die Schlacht gekracht.

Drei Tag und drei Nacht,
Hat man gehalten Leipziger Messen,
Hat euch mit eiserner Elle gemessen,
Die Rechnung mit euch in's Gleiche gebracht.

Drei Nacht und drei Tag,
Währte der Leipziger Lerchenfang;
Hundert fing man auf einen Gang,
Tausend auf einen Schlag.

Ei, es ist gut,
Daß sich nicht können die Russen brüsten,
Daß allein sie ihre Wüsten
Tränken mit Feindesblut.

Nicht im kalten Rußland allein,
Auch in Meißen,
Auch bei Leipzig an der Pleißen,
Kann der Franzose geschlagen sein.

Die seichte Pleiß' ist von Blut geschwollen,
Die Ebenen haben
Soviel zu begraben,
Daß sie zu Bergen uns werden sollen.

Wenn sie uns auch zu Bergen nicht werden,
Wird der Ruhm
Zum Eigenthum
Auf ewig davon uns werden auf Erden.