Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Sag': Ich bin Ich! Und wie du sagest, fühl' es auch:
In deinem kleinen Ich des großen Iches Hauch.

Sag': Ich bin Ich! und dich in den Gedanken senke:
Ich denke was ich bin, und bin das was ich denke.

Ich von mir selber kann nicht unterschieden seyn,
Mein Seyn vom Denken nicht, mein Denken nicht vom Seyn.

Ich unterscheide mich, nicht mich von mir zu trennen,
Ich unterscheide mich, als Eins mich zu erkennen.

Dann wenn du eingesenkt dich hast in den Gedanken,
Erheb dich auch daraus, und fleug ob allen Schranken.

Sag': Ich bin Ich! und wer wie ich sagt Ich bin Ich,
Ist Ich wie ich, von ihm wie unterscheid' ich mich?

Ich unterscheide mich, nicht mich von ihm zu trennen,
Ich unterscheide mich, als Eins uns zu erkennen.

So ist geschieden ungeschieden Ich vom Ich:
Alle zusammen Eins, und jedes Eins für sich.

Ein Ganzes in sich selbst das Gröste wie das Kleinste,
Und das Besonderste zugleich das Allgemeinste.

Gott ist das Große Ich, das selb sich seiend denkt,
Sein Selbst in jeglichen Gedanken so versenkt,

Daß der Gedanke, der geworden äußerlich,
Nur wieder zu sich kommt, wenn er sagt Ich bin Ich;

Wenn du dich selber denkst als ewigen Gedanken
Des ewig Denkenden, um ewig ihm zu danken.

Darum nur Ich bin Ich sag' ewig, o Brahman,
Weil ewig Ich bin Ich dir Brahma sagt voran.

Was sagt Bruwann Aham? Es saget: Sagend Ich
Und davon, o Brahman, gekürzt nennt Brahma sich.