Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Vier Dinge sind zugleich unendlich weit und schmal,
Unendlich groß und klein: Zeit, Raum, Bewegung, Zahl.

Du kanst die gröste Zahl vergrößern immer doch,
Du kanst die kleinste Zahl verkleinern immer noch.

So kanst du jeden Raum erweitern und verengern,
So kanst du jede Zeit verkürzen und verlängern.

Und so verlangsamen kanst du und vergeschwindern
Jede Bewegung auch, vermehren und vermindern.

So haben diese vier, Zahl, Raum, Bewegung, Zeit,
Nach beiden Seiten hin zwiefach Unendlichkeit.

Und wie sie wechselnd sich verbinden und bedingen,
Siehst du unendliche Verhältnisse entspringen.

Doch unerschütterlich auf den vier Pfeilern steht
Der Mathematik Bau in kalter Majestät.

Dieselbe Grundlag' hält und trägt den Bau der Welt;
Wo aber ist der Geist, der selbst sie trägt und hält?

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3, 1837, VIII. 29