Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Vom Onyx wird gesagt, daß er, im Ring gefaßt,
Macht einen, der ihn trägt, in jedem Ding gefaßt,

Und, wem ein solcher Stein zur Erbschaft ist gelassen,
In Glück und Unglück ist er jederzeit gelassen.

Wol so gefaßt zu seyn, ist eine schöne Fassung,
Und die Gelassenheit die reichste Hinterlassung.

Doch laß dir deuten recht die Hinterlassenschaft,
Und faß in deinen Sinn der Fassung Wunderkraft!

Der so gefaßte Ring will an der Hand dir reichen
Ein Zeichen, daß dein Herz sich fassen soll desgleichen.

Denn wol zu jeder Frist gefaßt wird seyn ein Mann,
Der nie vergißt, daß er gefaßt seyn soll und kann.

So trag den Stein, und trag das Leben fein gelassen,
Wie der das Leben trug, der dir den Stein gelassen.

Ja sei wie er, der nun, in Grabesrund gefaßt,
Die Welt gelassen hat, gelassen und gefaßt!

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3, 1837, VII. 43